Der Wochenendeffekt auf Intensivstationen

    9. September 2017, 16:00
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    Grazer Studie ermittelt leicht erhöhtes Mortalitätsrisiko für neu aufgenommene Intensivpatienten an Samstagen und Sonntagen

    Graz – Es ist eine heikle Frage und eine noch heiklere Auswertung: Inwiefern spielt der Zeitpunkt einer Aufnahme auf die Intensivstation für Patienten in einem kritischen Gesundheitszustand eine Rolle? Heikel ist sie insofern, als dass am Wochenende in Krankenhäusern weniger Personal im Einsatz ist und sich daraus ein Nachteil für Intensivpatienten ergeben könnte.

    Grazer Wissenschafter haben nun im Journal "Critical Care" eine Studie veröffentlicht, die eine leicht erhöhte Sterblichkeit für neu aufgenommene Patienten am Wochenende belegt. Die Mediziner werteten Informationen von 167.425 Patienten aus 119 Intensivstationen der Jahre 2012 bis 2015 aus. Als Grundlage dienten Daten des Zentrums für Dokumentation und Qualitätssicherung in der Intensivmedizin (ASDI). Dessen Obmann, Philipp Metnitz, ist auch Leiter der Abteilung für Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin am LKH Graz. Er verglich die Neuaufnahmen auf Intensivstationen mit bestehenden Aufenthalten an Samstagen und Sonntagen hinsichtlich des Mortalitätsrisikos.

    Komplexes Gesamtbild

    Das Ergebnis: Das Sterberisiko ist stark vom Krankheitsbild abhängig und kann bei bestimmten Patientengruppen um bis zu zehn Prozent erhöht sein. Eindeutige Aussagen können aus dieser Studie allerdings nicht abgeleitet werden, da auch viele andere Faktoren eine Rolle spielen – etwa die Anzahl der Patienten, die Krankheit, die Einhaltung von Hygienevorschriften und vieles mehr. Die gute Nachricht: Insgesamt ist das Sterberisiko von Patienten auf Intensivstationen seit 2000 um 30 Prozent gesunken. (pok, 9.9.2017)

    Originalpublikation

    Weekends affect mortality risk and chance of discharge in critically ill patients: a retrospective study in the Austrian registry for intensive care

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