Arch: Flugvorbereitung konnte nicht zur Gänze vorgefunden werden

    8. September 2017, 15:26
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    Bei Todesflug vor einem Jahr gab Pilot als Abflugpunkt nicht die Elberfelder Hütte, sondern St. Johann im Pongau an

    Wien – Genau ein Jahr nach dem Todesflug von Kunstflugpilot Hannes Arch hat die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) – Bereich Zivilluftfahrt – am Freitag einen Zwischenbericht veröffentlicht. Arch war wie berichtet bei einem nächtlichen Rückflug von der Elberfelder Hütte in der Schobergruppe im Großglockner-Gebiet gegen eine Felswand geprallt und tödlich verunglückt. Der Hüttenwart, der mit Arch mitgeflogen war, hatte den Absturz schwer verletzt überlebt.

    Laut dem Zwischenbericht hatte Arch für den Rückflug von der Außenlandestelle Elberfelder Hütte, die er mit Lebensmitteln versorgt hatte, nach Salzburg das Triebwerk seines Hubschraubers um 21.02 Uhr gestartet. Etwa drei Minuten später hob der Pilot mit dem Hubschrauber der Type Robinson R66 ab. Die SUB merkte in ihrem Bericht, der dem STANDARD vorliegt, allerdings an, dass die gemäß einer EU-Verordnung erforderliche Flugvorbereitung "nicht zur Gänze vorgefunden und rekonstruiert werden" konnte.

    Als Abflugort St. Johann eingetragen

    Demnach wurde zwar am 8. September um 14.12 Uhr ein benötigter Flugplan für das betroffene Luftfahrzeug aufgegeben. Als voraussichtliche Ankunftszeit am Flughafen Salzburg (LOWS) wurde 21.55 Uhr angegeben. Als Abflugpunkt wurde aber der Heliport St. Johann im Pongau mit einer Uhrzeit von 21.30 eingetragen.

    Eine mögliche Erklärung dafür: Mit seinem Nachtflug hatte Arch gegen ein Flugverbot im Nationalpark Hohe Tauern verstoßen. Laut SUB lag zwar eine "luftfahrtbehördliche Außenlandebewilligung zur Durchführung von maximal drei Außenlandungen und Außenabflügen in der Zeit von 15. Juni 2016 bis 15. September 2016" vor – ausschließlich mit dem Ziel, die Elberfelder Hütte mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Auflagen des Bescheides sahen aber auch vor, dass die Flüge zwischen 9.30 Uhr und 16 Uhr stattfinden müssen. Bei Verstößen drohen Piloten hohe Strafen bis zum Verlust der Pilotenlizenz.

    Arch Air-Race-Weltmeister 2008

    Arch, 2008 Weltmeister der Luftrennserie "Red Bull Air Race", galt als erfahrener Pilot. Seine Gesamtflugerfahrung wird im Zwischenbericht der SUB mit mehr als 1.019 Stunden angegeben. Hubschrauber der Type Robinson R66 steuerte er mehr als 183 Stunden. Als Nachtsichtflug-Erfahrung wurden mehr als 28 Stunden ausgewiesen.

    Beim Unglücksflug von Arch konnten laut Zwischenbericht übrigens im Bereich der Elberfelder Hütte bis zum Unfallzeitpunkt "keine Radardaten des gegenständlichen Luftfahrzeuges aufgezeichnet werden". Der mitfliegende Hüttenwirt gab an, dass der Pilot Daten in ein tragbares Navigationsgerät eingab und auf dem Display "kein Signal" stand. "Auf Nachfrage des Passagiers, ob dies ein Problem sei, antwortete der Pilot, dass dies nichts ausmache", heißt es im Zwischenbericht.

    Laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt ist ein technisches Gebrechen, das zum Unfall geführt hat, auszuschließen. Im SUB-Zwischenbericht wurde zudem angemerkt, dass "keine Spuren eines allfälligen Brandes festgestellt werden" konnten. Laut toxikologischem Gutachten war Arch zum Zeitpunkt des Unfalls weder betrunken noch durch andere Substanzen beeinträchtigt. (David Krutzler, 8.9.2017)

    • Genau ein Jahr nach dem Todesflug von Kunstflugpilot Hannes Arch hat die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) einen Zwischenbericht veröffentlicht.
      foto: apa / erwin scheriau

      Genau ein Jahr nach dem Todesflug von Kunstflugpilot Hannes Arch hat die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) einen Zwischenbericht veröffentlicht.

    • Das Wrack des Hubschraubers von Hannes Arch an der Absturzstelle in der Schobergruppe im Großglockner-Gebiet.
      foto: apa / gert eggenberger

      Das Wrack des Hubschraubers von Hannes Arch an der Absturzstelle in der Schobergruppe im Großglockner-Gebiet.

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