Drohnen, Roboter-Autos und Co: Trendschau auf der Ars Electronica

    8. September 2017, 10:26
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    Mobilitätsexperte Eberl: Roboter-Taxis kommen, neue "Lausbubenstreiche" vielleicht auch

    Die neue Schiene des Ars Electronica Festivals "Future in a Nutshell" präsentiert, passend zum Thema Artificial Intelligence, die wichtigsten technologischen Trends der Gegenwart und nahen Zukunft. Was genau ist "Deep Learning", wie entwickelt sich das "Internet of Things" und wann fahren autonome Autos in den Städten, erklären Experten am Montag in der PostCity.

    Maschinenrevolution

    Mobilitätsexperte Ulrich Eberl nimmt sich in seinem Vortrag "Autonom, elektrisch und vernetzt – wie smarte Maschinen die Mobilität von morgen prägen" der drei großen Trends der Mobilität der Zukunft an. "Künstliche Intelligenz wird alle Lebensbereiche des Menschen dramatisch verändern, zu Hause und unterwegs ebenso wie im Büro und in den Fabriken", ist sich der Physiker, Zukunftsforscher und Wissenschaftsautor sicher.

    Es stehe uns eine Revolution bevor, wie sie die Welt seit der Industrialisierung nicht mehr erlebt habe. "Schon bald werden wir auf Autobahnen unsere Fahrzeuge auf Autopilot schalten, bis 2030 auch auf Landstraßen und in Städten."

    Noch seien die technischen Herausforderungen, die ein autonomes Fahren auf Landstraßen und in der Stadt verlangt, von keinem Unternehmen weltweit gelöst, betont der Autor des Buches "Smarte Maschinen". Das werde nach und nach geschehen, ebenso wie die juristischen Voraussetzungen nach und nach geschaffen werden. Zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 sollen aber bereits einige tausend Roboter-Taxis getestet werden.

    Mensch behält die Hand am Steuer

    Eberl denkt, dass die allein fahrenden Autos wohl gekennzeichnet werden. "Wie man dann mit Lausbubenstreichen umgeht, wenn sich etwa Jugendliche einfach auf die Straße stellen, weil sie wissen, dass das autonome Fahrzeug dann nicht weiterfahren kann, ist sicherlich eine der bisher ungekannten Herausforderungen der neuen Zeit."

    Dass der Mensch sich das Steuer ganz aus der Hand reißen lässt, glaubt der Deutsche nicht. "Ich denke, dass es noch lange die Möglichkeit geben wird, die Freude am eigenen Fahren zu erleben. Individuelle, selbst gesteuerte Mobilität ist ein großes Bedürfnis der Menschen." Er weist aber auch auf die Bequemlichkeit hin, nicht mehr selbst lenken zu müssen. Zudem sei der demografische Wandel zu berücksichtigen. "Auch alte Menschen wären gerne noch mobil, aber sie fahren dann nicht mehr selbst Auto." Für sie wäre es ideal, einfach ein Fahrzeug rufen zu können, dem sie sagen, wo es sie hinfahren soll.

    Ethische Fragen

    Aber wie handelt nun ein autonomes Mobil, wenn es entscheiden muss, ob es eine Mutter mit Kinderwagen anfährt oder selbst gegen einen Felsen steuert? "Dass Maschinen diese Dilemmata auflösen, ist nicht möglich", allein, weil auch sie nicht alle Verkehrssituationen korrekt durchrechnen können, so der ehemals langjährige Leiter der Innovationskommunikation von Siemens.

    Doch sicherlich gilt: "Gezielt unbeteiligte Passanten auf dem Gehsteig anzufahren, ist moralisch verwerflicher, als scharf zu bremsen, ein Schleudern in Kauf zu nehmen und der Physik ihren Lauf zu lassen. Ein gezieltes Töten darf es bei autonomen Maschinen nicht geben."

    "Terminator" muss verhindert werden

    Eine eigenständige Moral hätten die Maschinen aber nicht und moralische Regeln würden immer wichtiger, je autonomer Maschinen handeln. "Wichtig ist, Entscheidungen über Leben und Tod, etwa im Gesundheitswesen, aber auch die Beurteilung von Kreditwürdigkeit oder Sicherheitseinstufungen darf eine Maschine zwar vorbereiten, aber treffen muss sie auch in Zukunft ein Mensch." Einen Ethik-Kodex für Künstliche Intelligenz gebe es noch nicht, wohl aber würden sich bereits etliche Forscher und Politiker Gedanken in Bezug auf mögliche negative Auswirkungen machen.

    Auf jeden Fall zu verhindern gelte es autonome Killermaschinen à la Terminator oder intelligente Drohnen. "Dazu gibt es bei den Vereinten Nationen und bei Forschern (zum Beispiel in der Kampagne "Stoppt Killerroboter") Anstrengungen, derartige Entwicklungen weltweit zu ächten – wie dies auch mit biologischen Waffen oder Atombomben im Weltall gelungen ist", erklärt Eberl. (APA, 08.09.2017)

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