Mehr als 50 Tote bei stärkstem Erdbeben in Geschichte Mexikos

8. September 2017, 22:33
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Erschütterungen waren auch in Mexiko-Stadt zu spüren – Präsident Peña Nieto warnte Bevölkerung vor Nachbeben

Mexiko-Stadt – Beim schwersten je gemessenen Erdbeben in der Geschichte Mexikos sind mindestens 58 Menschen getötet worden. Das geht aus neuen Zahlen des Katastrophenschutzes und des Gouverneurs des Staates Oaxaca, Alejandro Murat, hervor.

Murat sagte im Sender Televisa, dass in Oaxaca 23 Menschen umgekommen seien. Im Bundesstaat Chiapas wurden bisher sieben Tote gefunden. Zwei Kinder starben im Bundesstaat Tabasco, darunter ein Baby, weil ein Beatmungsgerät in einem Krankenhaus keinen Strom mehr hatte.

foto: apa/afp/pedro pardo

Am schlimmsten wurde bisher die Stadt Juchitan im Bundesstaat Oaxaca getroffen, wo 17 Menschen starben. Dort stürzte auch ein Teil des Rathauses ein. Einheiten der Streitkräfte wurden zur Hilfe in die Katastrophenregion geschickt. Das Erdbeben vor der Pazifikküste im Süden des Landes hatte eine Stärke von 8,2 und war damit noch stärker als die bisherigen Rekordbeben in den Jahren 1932 und 1985. Das Epizentrum befand sich rund 85 Kilometer vor der Küste der Stadt Pijijiapan im Bundesstaat Chiapas. Zunächst war die Stärke mit 8,4 angegeben worden.

Präsident Enrique Peña Nieto kündigte rasche Notfallmaßnahmen an. Er habe sofortige Krisensitzungen der zuständigen Regierungsstellen angeordnet, "um die Lage zu überwachen, zu bewerten und Maßnahmen zu ergreifen", teilte er auf Twitter mit. Er machte sich auf den Weg in das nationale Katastrophenzentrum.

Der Gouverneur von Chiapas, Manuel Velasco, sprach von schweren Schäden in seinem Bundesstaat. Das Dach eines Einkaufszentrums sein eingestürzt, Spitäler hätten mit Stromausfällen zu kämpfen. Auch Schulen und Wohnhäuser hätten Schäden erlitten. Ein Überblick über das gesamte Ausmaß war vorerst noch nicht zu erlangen.

Auch in Mexiko-Stadt waren die Erschütterungen zu spüren. Das Beben ereignete sich laut einer Reuters-Reporterin kurz vor Mitternacht. Menschen seien in ihren Pyjamas auf der Straße gestanden oder eingewickelt in Decken. Rund eine Million Menschen sind von Stromausfällen betroffen. Die Schäden sollen laut ersten Meldungen aber nicht schlimm ausgefallen sein.

Die Behörden gaben auch eine Tsunamiwarnung heraus. Sie gilt für die Pazifikküsten von Mexiko, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Nicaragua, Panama und Honduras. Nach ersten Messungen wurden in Mexiko Wellen von bis zu drei Metern Höhe erwartet, an allen anderen Orten nur bis zu einem Meter. Später hieß es allerdings, die Wellen hätten nur eine Höhe von 0,7 Metern erreicht.

Das US-Erdbebenzentrum zeichnete mehrere Nachbeben mit Stärken zwischen 4,3 und 5,7 auf. Peña Nieto zufolge ist das Tsunami-Risiko nicht groß. Er rief die Menschen auf, sich vor möglichen Nachbeben in Sicherheit zu bringen und ihre Häuser auf durch die Erschütterungen entstandene Gaslecks zu überprüfen. Die Behörden begannen die Küstengebiete zu evakuieren.

Das Beben war das stärkste, das Mexiko seit 1985 getroffen hat. Damals starben tausende Menschen, die Erdstöße verursachten schwere Schäden in Mexiko-Stadt. Mit dem aktuellen Beben geht die zweite derzeit gültige Katastrophenwarnung für Mexiko einher. Rund 150 Kilometer östlich von Mexiko-Stadt, an der Atlantikküste, wird am Samstag das Eintreffen von Hurrikan Katia erwartet. (red, APA, Reuters, 8.9.2017)

Die schlimmsten Erdbeben der vergangenen Jahrzehnte

Ein Erdbeben der Stärke 8,2 hat am Donnerstagabend den Süden Mexikos erschüttert. Bisher waren die Auswirkungen vergleichsweise gering, wie ein Blick auf die schwersten Erdbeben der vergangenen 40 Jahre zeigt.

August 2016, Italien: Fast 300 Menschen kommen bei einem Beben der Stärke 6,2 in Bergdörfern in Mittelitalien ums Leben.

April 2016, Ecuador: Bei einem Beben der Stärke 7,8 sterben 673 Menschen.

Februar 2016, Taiwan: Mehr als hundert Menschen kommen bei einem Erdbeben der Stärke 6,4 ums Leben.

April 2015, Nepal: Ein Beben der Stärke 7,8 reißt fast 8.900 Menschen in dem Himalayastaat in den Tod.

August 2012, Iran: Zwei Erdbeben der Stärken 6,3 und 6,4 erschüttern das Land nahe der Stadt Tabris. Rund 300 Menschen sterben.

März 2011, Japan: Ein Beben der Stärke 9,0 erschüttert die Nordostküste Japans und löst einen gigantischen Tsunami aus. Knapp 18.900 Menschen sterben. Im Atomkraftwerk Fukushima kommt es zur Kernschmelze.

Oktober 2011, Türkei: Bei einem Erdbeben der Stärke 7,2 in der Osttürkei kommen mehr als 600 Menschen ums Leben.

April 2010, China: In der nordwestlichen Provinz Qinghai ereignet sich ein Beben der Stärke 6,9. Rund 3.000 Menschen sterben oder gelten als vermisst.

Februar 2010, Chile: Vor der Küste von Maule ereignet sich ein Beben der Stärke 8,8. Rund 520 Menschen sterben.

Januar 2010, Haiti: Der Karibikstaat wird von einem Beben der Stärke 7,0 getroffen. Zwischen 250.000 und 300.000 Menschen kommen ums Leben.

Mai 2008, China: Mehr als 87.000 Menschen sterben oder gelten als vermisst, nachdem ein Erdstoß der Stärke 8,0 die südwestliche Provinz Sichuan erschüttert.

Mai 2006, Indonesien: In der Region Yogyakarta kommen rund 6.000 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke ums Leben.

Oktober 2005, Pakistan: Im Nordwesten Pakistans ereignet sich ein Erdbeben der Stärke 7,6. Mehr als 75.000 Menschen sterben.

März 2005, Indonesien: Auf der Insel Nias vor Sumatra sterben 900 Menschen bei einem Beben der Stärke 8,6.

Dezember 2004, Indischer Ozean: Vor der Küste Sumatras ereignet sich ein Seebeben der Stärke 9,1. Durch einen verheerenden Tsunami kommen in zahlreichen Anrainerstaaten 220.000 Menschen ums Leben, davon 168.000 in Indonesien.

Dezember 2003, Iran: Bei einem Beben der Stärke 6,7 in Bam werden mindestens 31.884 Menschen getötet.

Januar 2001, Indien: Im westlichen Bundesstaat Gujarat sterben 25.000 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 7,7.

Januar 1995, Japan: In Kobe kommen mehr als 6.400 Menschen ums Leben, als ein Beben der Stärke 7,2 die Region erschüttert.

September 1993, Indien: Der westliche Bundesstaat Maharashtra wird von einem Erdstoß der Stärke 6,3 erschüttert. Rund 7.600 Menschen sterben.

Oktober 1991, Indien: Eine Stärke von 6,6 hat das Erdbeben, das im Bundesstaat Uttar Pradesh 768 Menschen das Leben kostet.

August 1988, Nepal: Im Osten des Landes ereignet sich ein Erdbeben der Stärke 6,8. In Nepal sterben 721 Menschen, im benachbarten indischen Bundesstaat Bihar mindestens 277.

Juli 1976, China: In der nördlichen Provinz Hebei ereignet sich ein Beben der Stärke 7,8. Die Zahl der Toten wird von den Behörden offiziell mit 242.000 angegeben, im Westen ist dagegen vielfach von einer höheren Opferzahl die Rede.

  • In Mexiko-Stadt rannten die Menschen wegen des Erdbebens auf die Straße. Das Epizentrum lag allerdings mehr als hundert Kilometer südöstlich der mexikanischen Hauptstadt.
    foto: reuters / claudia daut

    In Mexiko-Stadt rannten die Menschen wegen des Erdbebens auf die Straße. Das Epizentrum lag allerdings mehr als hundert Kilometer südöstlich der mexikanischen Hauptstadt.

  • Soldaten in der Stadt Veracruz begutachten die Schäden nach dem Beben.
    foto: apa / afp / victoria razo

    Soldaten in der Stadt Veracruz begutachten die Schäden nach dem Beben.

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