SPÖ-Auftakt in Graz: Kaiser injiziert Genossen Mut

    Video7. September 2017, 18:41
    161 Postings

    Die SPÖ begeht in der steirischen Landeshauptstadt ihren Wahlkampfauftakt

    Graz – Trotz anderslautender Umfragen ist der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser davon überzeugt, dass die SPÖ als Siegerin bei den Oktoberwahlen hervorgehen werde. Entscheiden werde die "Kanzlerfrage". Mit Christian Kern verfüge die SPÖ über die Trumpfkarte.

    "Die Chancen, dass Christian Kern mit der SPÖ die Nationalratswahl gewinnen wird, sind vollkommen intakt. Christian Kern wird Erster", injiziert der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser seinen Parteifreunden Mut für die kommenden Wahlkampfwochen. Was von der ÖVP jetzt kolportiert werde, "ist ja eine irrsinnige Verkehrung der Realität", monierte Kaiser am Donnerstag am Rande des SPÖ-Wahlkampfauftaktes in Graz im Gespräch mit dem STANDARD.

    orf
    Wahlkampfauftakt der SPÖ in Graz.

    "Das Ziel – auch einiger interessengesteuerter Medien – ist es, Sebastian Kurz, der sicher ein gutes politisches Talent ist, hinaufzuheben, und dabei nimmt man ein Paradoxon in Kauf, wie ich es noch nie in der heimischen Politik erlebt habe", sagte Kaiser.

    Bei allen entscheidenden Faktoren – von der Wirtschaftskraft über den Lebensstandard bis zum "Glücksfaktor" – sei Österreich weltweit unter den Top fünf zu finden. "Und dann wird uns vermittelt: Wenn Kurz nicht sofort das Ruder in der Republik übernimmt, bricht Österreich zusammen, und alles ist vorbei. In den kursierenden Umfragen wird diese virtuelle Realität scheinbar bestätigt", interpretiert Kaiser, der studierte Soziologe unter den Landeshauptleuten, das momentan für seine Partei suboptimale Stimmungsbild.

    Im Zentrum der nun beginnenden Intensivphase des Wahlkampfes werde die Frage zu stellen sein: "Kann Kurz den Kanzler? Hat er das Format?", fragt Kaiser rhetorisch, um die Antwort gleich anzuhängen: "Kann er nicht." In den nächsten Wochen werde es Gelegenheiten geben, um Kurz mit dem amtierenden Kanzler Kern zu vergleichen. "Christian Kern ist da unser Atout", sagt Kaiser. Er sei fest davon überzeugt, dass Kurz die extrem hohen Erwartungen in ihn, "ganz, ganz schwer einhalten kann".

    Wie sehr in der ÖVP aber alles an der Person Kurz hänge, illustriere eine Miniumfrage in einer Kärntner Gemeinde, in der demnächst eine Bürgermeisternachwahl abgehalten werde – eine ehemalige ÖVP- und jetzige SPÖ-Gemeinde. Von den 1.300 Wahlberechtigten wurden 100 Personen zur Bürgermeister-, aber auch zur Nationalratswahl befragt.

    Dabei schnitt die SPÖ mit 36 Prozent am besten ab, die ÖVP erhielt 16 Prozent. Aber: In der Kanzlerfrage legte Kern zwar noch einmal drei Prozent zu, Kurz hob den Wert seiner Partei jedoch von 16 auf 31 Prozent. Kaiser: "Diesen Vertrauensvorschuss muss er erst einmal halten."

    Kanzlerimage polieren

    Das Kanzlerimage zu polieren nutzt Kern jetzt weidlich: Er nimmt an allen medialen Konfrontationen teil. So auch am Mittwoch an der "Klartext"-Debatte auf Ö1 mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der für den ferngebliebenen Sebastian Kurz eingesprungen ist. Kern wandte sich dagegen, dass Österreich "schlechtgeredet" werde, und hielt Strache vor, dass sich die FPÖ nie dafür entschuldigt habe, dass sie Kärnten "versenkt" habe. Strache konterte, wenn die SPÖ nicht Erster werde, sei er, Kern, "ohnehin Geschichte". Es war bisweilen hart im Ton, aber in einigen Punkten, zum Beispiel der Zuwanderungsfrage, inhaltlich auffallend harmonisch.

    Dass der SPÖ-Wahlkampfauftakt nach Graz verlagert wurde, hängt wohl auch damit zusammen, dass in der Steiermark außergewöhnlich viele Unentschlossene zu holen sind. Peter Pilz sprach sogar davon, dass sich hier, in seinem Heimatbundesland, die Wahl entscheiden könnte. 30 Prozent der Wahlberechtigten gingen hier zuletzt nicht mehr zur Wahl, ein beträchtliches Potenzial. Politikwissenschafter Peter Filzmaier gibt Pilz teilweise recht. Tatsächlich sei die Wahlbevölkerung in der Steiermark – aber auch in Oberösterreich – äußerst heterogen. Sie repräsentiere Industrieregionen ebenso wie das Grenzland, bäuerliche Milieus und Universitäts- und Kulturstädte. In der Steiermark gibt es zudem drei starke wettbewerbsfähige Parteien. (Walter Müller, 7.9.2017)

    • Christian Kern am Donnerstag in Graz.
      foto: ap/punz

      Christian Kern am Donnerstag in Graz.

    Share if you care.