Geldflut der EZB: Draghi ist der falsche Feind

Kommentar7. September 2017, 17:55
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Steigt die EZB zu früh auf die Bremse, könnte das die Erholung im Süden abwürgen

Viele Österreicher und Deutsche, besonders die fleißigen Sparer unter ihnen, hören es nicht gern. Aber die europäische Institution, die sich in der Wirtschaftskrise am meisten bewährt hat, war die Europäische Zentralbank (EZB). Unter der Führung des Italieners Mario Draghi hat die EZB die Geldschleusen weit geöffnet, die Zinsen erfolgreich gedrückt, und so dazu beigetragen, dass sich die Konjunktur im Euroraum stabilisierte.

Das umstrittenste Instrument dabei ist der Kauf von Staatsanleihen und Wertpapieren von Unternehmen. 60 Milliarden Euro gibt die EZB derzeit pro Monat dafür aus. In Deutschland und Österreich wächst der Druck, damit Draghi endlich den Ausstieg aus dem Programm startet.

Nimmt man die Perspektive der Deutschen oder Österreicher ein, ist diese Forderung schlüssig: Die Konjunktur in beiden Ländern läuft rund, die Arbeitslosigkeit ist niedrig oder sinkt, die Inflation ist nahe am Wert von zwei Prozent, so wie es die EZB gern hätte. Doch die Notenbanker machen Währungspolitik nicht für zwei, sondern für 19 Länder. In Südeuropa, in Spanien, Italien, Griechenland ist die Erholung fragiler. Die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch, in Italien im August sogar gestiegen. Niemand weiß genau, was geschieht, wenn die EZB die Anleihenkäufe stoppt. Steigt die EZB zu früh auf die Bremse, könnte das die Erholung im Süden abwürgen. Klugerweise will Draghi daher noch etwas zuwarten, ehe er endgültig "basta" sagt. (András Szigetvari, 7.9.2017)

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