Mindestens acht Pazifik-Inseln vom steigenden Ozean verschluckt

7. September 2017, 13:21
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Viele flache Atolle in Mikronesien und den Salomonen haben den steigenden Meeren nichts entgegenzusetzen

Sippy Downs – Die steigenden Meeresspiegel sind keine fern am Horizont heraufdämmernde Bedrohung – für zahlreiche Inselstaaten und Küstenanrainer sind die Auswirkungen des Klimawandel auf die Ozeane grausame Realität: Wie nun internationale Forscher berichten, sind im Pazifik mittlerweile schon mindestens acht Inseln vollständig vom Meer verschluckt worden.

Meeresspiegel steigt nicht überall gleich schnell

Nach derzeitigem Stand der Messungen steigen die Ozeane im globalen Durchschnitt um drei Millimeter pro Jahr. Das bedeutet, dass in einigen Regionen der Erde die Pegel langsamer zunehmen, in anderen dagegen umso rasanter steigen. Mikronesien und die Salomoninseln etwa im westlichen Pazifik sahen sich in den letzten Jahren einem jährlichen Anstieg von 12 Millimetern gegenüber.

Fünf Inseln der Salomonen wurden dabei inzwischen vollständig überschwemmt, wie eine Gruppe um Simon Albert von der australischen University of Queensland vor einem Jahr in den "Environmental Research Letters" berichtete. Nun konnten Patrick Nunn und seine Kollegen von der University of the Sunshine Coast in Sippy Downs, ebenfalls Australien, für Mikronesien eine ähnliche Entwicklung nachweisen.

Mangroven schützen Inseln

Sein Team untersuchte die Küsten zahlreicher mikronesischer Inseln, sprach mit Einheimischen und analysierte Satellitenaufnahmen. Dabei zeigte sich, dass die Insel Pohnpei überraschend geringe Raten von Küstenerosion aufweist – vermutlich weil sie vergleichsweise hoch über dem Meeresspiegel aufragt und von einem schützenden Mangrovenwald umgeben ist.

Auch drei kleinere Inseln im windgeschützten Westen von Pohnpei erwiesen sich als gut erhalten, wie die Wissenschafter im "Journal of Coastal Conservation" berichten. Viele andere flache Atolle, die großteils im Süden von Pohnpei liegen, sind dagegen dramatisch geschrumpft. Und drei Inseln – eine davon für die lokale Bevölkerung von historischer Bedeutung – sind vollständig untergegangen. Luftaufnahmen zeigten überdies, dass weitere sechs Inseln der unbewohnten Inselketten Laiap, Nahtik und Ros unmittelbar davor stehen, vom Meer verschluckt zu werden.

Wachsendes Problem

Für Nunn und seine Kollegen sind diese Ergebnisse ein Ausblick auf das künftige Schicksal vieler Inselstaaten. Mit den steigenden Meeresspiegeln werden sich deren Bewohner gezwungen sehen, in höhere Lagen auszuweichen, so Nunn. Auf den sinkenden Carteret-Inseln in Papua-Neuguinea ist dies heute schon der Fall: Ein aktuelles Programm soll die Bevölkerung auf die höhere Insel Bougainville in 90 Kilometern Entfernung des Atolls umsiedeln.

Positiv an den Resultaten sei allerdings, dass offenbar nicht jede flache Insel vom unmittelbaren Untergang bedroht ist. Inseln in günstigen Lagen oder mit einem Mangrovenwald-Gürtel dürften den Entwicklungen länger widerstehen. (red, 7.9.2017)

  • Viele Inseln und Atolle sind wegen des steigenden Meeresspiegels dem Untergang geweiht.
    foto: apa/afp/giff johnson

    Viele Inseln und Atolle sind wegen des steigenden Meeresspiegels dem Untergang geweiht.

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