Deutschland erneut mit weltgrößtem Überschuss in der Leistungsbilanz

    7. September 2017, 11:37
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    Mit voraussichtlich 285 Milliarden Dollar dürfte der deutsche Wert deutlich über den von China erwarteten 190 Milliarden liegen

    Berlin – Deutschland wird einer Prognose des Ifo-Instituts zufolge heuer erneut den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz aufweisen. Mit voraussichtlich 285 Milliarden Dollar (239 Milliarden Euro) liege der Wert deutlich über dem von China mit wohl 190 Milliarden, ergaben der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorliegende Berechnungen.

    Auf Rang drei folgt Japan mit vermutlich rund 170 Milliarden Dollar. Deutschland wird wegen seines enormen Überschusses von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert, aber auch von der EU-Kommission.

    "Der Überschuss Deutschlands lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen", erklärte das Ifo-Institut. Im ersten Halbjahr übertrafen die Exporte die Importe um 134 Mrd. Euro. "Haupttreiber war die Nachfrage aus den anderen Ländern des Euroraums, den restlichen EU-Ländern und aus den USA." Zum Überschuss trugen auch die Erträge aus den im Ausland angelegten Vermögen und die im Ausland erzielten Arbeitseinkommen von Deutschen mit rund 20 Mrd. Euro bei. Transferzahlungen an das Ausland – beispielsweise an internationale Organisationen – dämpften den Überschuss in der Leistungsbilanz dagegen um 27 Mrd. Euro.

    Leichter Rückgang

    Dieser wird laut Ifo-Prognose in diesem Jahr auf 7,9 Prozent im Verhältnis zur Jahreswirtschaftsleistung fallen, nach 8,3 Prozent 2016. "Das ist im Wesentlichen auf die Energiepreise zurückzuführen." Die Preise für importiertes Erdöl und Erdgas dürften im Schnitt höher sein als noch im Vorjahr, was die Wareneinfuhr erhöhe und so den Überschuss verringere. Trotz des dämpfenden Effektes dürfte das Plus in der Leistungsbilanz aber wie schon in den Vorjahren deutlich über der Marke von maximal sechs Prozent liegen, die von der EU als langfristig gerade noch tragfähig angesehen wird. Brüssel sieht sonst ein zu starkes Ungleichgewicht: Länder mit enormen Überschüssen tragen dazu bei, dass andere Staaten sich hoch verschulden, weil sie ihre Importe finanzieren müssen.

    Der chinesische Leistungsbilanzüberschuss geht ebenfalls auf den Warenhandel zurück. Bis Juni wurden Güter im Wert von umgerechnet 200 Mrd. Euro mehr exportiert als eingeführt. "Damit ist der chinesische Warenüberschuss deutlich höher als der von Deutschland", erklärten die Forscher. Allerdings habe China zugleich viele Dienstleistungen aus dem Ausland nachgefragt, wodurch der Überschuss in der Leistungsbilanz niedriger als in Deutschland ausfalle. (APA, Reuters, 7.9.2017)

    • Nirgends ist der Spalt zwischen Im- und Exporten so hoch wie in Deutschland.
      foto: reuters / toru hanai

      Nirgends ist der Spalt zwischen Im- und Exporten so hoch wie in Deutschland.

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