16 ERC-Grants für Jungforscher in Österreich

    6. September 2017, 17:10
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    Europäischer Forschungsrat vergibt mit jeweils 1,5 Mio. Euro dotierte "Starting Grants" an in Österreich tätige Wissenschafter

    Wien – 16 in Österreich tätige Nachwuchsforscher erhalten einen "Starting Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC). Sie gehören zu den insgesamt 406 Wissenschaftern, die in der aktuellen Antragsrunde einen mit jeweils bis zu 1,5 Mio. Euro dotierten "Starting Grant" für fünfjährige Grundlagenforschungsprojekte bekommen, gab der ERC am Mittwoch bekannt.

    Insgesamt schüttet der ERC in dieser Runde 605 Mio. Euro aus. Die meisten "Starting Grants" gingen an Wissenschafter in Forschungseinrichtungen in Großbritannien (79), Deutschland (67) und Frankreich (53), Niederlande (35) und der Schweiz (20).

    ÖAW mit vier neuen ERC-Preisträgern

    In Österreich gehen die meisten dieser renommierten Förderpreise an die Akademie der Wissenschaften (ÖAW), die gleich vier neue ERC-Preisträger hat: Andrea Bachmaier will in ihrem Projekt am Erich-Schmid-Institut für Materialwissenschaft in Leoben eine neue Methode testen, um nanostrukturierte Magnete herzustellen, deren Eigenschaften gezielt veränderbar sein sollen. Roman Gundacker wird am Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der ÖAW die Chronologie jener Pharaonen-Dynastien, die auf den altägyptischen Historiker Manetho zurückgeht, überprüfen. Dessen Darstellungen dienten mehr als 2.000 Jahre zur zeitlichen Einordnung antiker Ereignisse.

    David Natal will am Institut für Mittelalterforschung der ÖAW u.a. mit Netzwerkanalysen den Aufbau einer universalen Kirche in der westlichen Spätantike rekonstruieren und die Frage klären, wie es dem Klerus gelang, überregionalen Zusammenhalt und ein verbindliches Rechtssystem zu entwickeln. Minderheitenschutz steht im Zentrum des ERC-Projekts von Börris Kuzmany am Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW. Er will analysieren, wie sich in der Habsburgermonarchie das Konzept der "nicht-territorialen Autonomie", das nationalistischen Gruppierungen auch ohne eigenes Territorium kulturelle Rechte zugesteht, als politisches Werkzeug für Minderheiten entwickelte.

    Drei "Starting Grants" für Uni-Wien-Forscher

    Drei "Starting Grants" gehen an Forscher der Uni Wien: Maximilian Hartmuth vom Institut für Kunstgeschichte widmet sich in seinem ERC-Projekt dem wenig bekannten austro-islamischen Architekturerbe in Bosnien. Er will die vielen muslimischen Kult- und Bildungsbauten, die in der Zeit österreichisch-ungarischer Herrschaft in Bosnien von meist in Wien ausgebildeten Architekten gebaut wurden, dokumentieren.

    Der Physiker Thomas Juffmann will in seinem ERC-Projekt nicht-invasiver Methoden der Mikroskopie erforschen. Die entwickelten Mikroskope sollen in der Zellbiologie und der Strukturbiologie angewandt werden. Toma Susi von der Abteilung Physik Nanostrukturierter Materialien der Uni Wien plant, mit Hilfe der Rasterdurchstrahlungselektronenmikroskopie ein neues Verfahren zur Manipulation von Materialien auf atomarer Ebene zu entwickeln. Damit sollen Atome in einer aus nur einer Atomlage bestehenden Kohlenstoffschicht (Graphen) gezielt verschoben werden können.

    Jeweils zwei "Starting Grants" gehen an Forscher von der Technischen Universität (TU) Wien und dem Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ). Christoph Rameshan vom Institut für Materialchemie der TU Wien will in seinem ERC-Projekt neue Technologien erforschen, mit denen man bessere Katalysatoren herstellen kann. Im Zentrum des ERC-Projekts von Simon Stellmer vom Atominstitut der TU Wien stehen fundamentale Symmetrien der Materie. Er will das Ungleichgewicht zwischen Materie und Antimaterie im Universum genauer analysieren.

    Gehirn- und Quantenforschung

    Am IST Austria will Maximilian Jösch neuronale Vorgänge im Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit erforschen. An Mäusen untersucht er die Gehirnregion "Colliculi superiores", um zu klären, welche Mechanismen das Nervensystem für die Aufmerksamkeit verwendet. Ziel von Johannes Fink vom IST ist es, supraleitende Quantenprozessoren durch Glasfaser-Quantennetzwerke zu verbinden und die Reichweite der Netzwerke zu vergrößern.

    Simone Gingrich vom in Wien ansässigen Institut für Soziale Ökologie der Uni Klagenfurt will in ihrem Projekt versteckte Emissionen aufzeigen und analysieren, die im Zuge von Aufforstungsprozessen entstehen. Das ist wichtig, um das Klimaschutzpotenzial von Wiederbewaldungen abzuschätzen.

    Martin Kaltenbrunner vom Institut für Experimentalphysik der Uni Linz bekommt die ERC-Förderung für die Entwicklung "weicher" Roboter aus Hydrogelen. Aufbauend auf diesen speziellen Polymernetzwerken will Kaltenbrunner bionische Systeme und Maschinen entwickeln.

    Therapie gegen resistente Tumore

    Die Frage, wie Tumore gegen Krebstherapien Resistenzen entwickeln, steht im Mittelpunkt des ERC-Projekt von Anna Obenauf vom Institut für molekulare Pathologie (IMP) in Wien. Ihr Ziel ist es, Behandlungskombinationen zu identifizieren, die resistente Krebszellen ausschalten.

    Stefan Pogatscher vom Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie der Montanuniversität Leoben widmet sich in seinem ERC-Projekt sogenannten Nicht-Gleichgewichtsphasenübergängen. Diese sind für technologisch wichtige Eigenschaften von Metallen wie Festigkeit oder Korrosionsbeständigkeit verantwortlich. Es ist dies der erste ERC-Förderpreis für die Montanuni.

    Johannes Schmidt vom Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien widmet sich in seinem ERC-Projekt globalen erneuerbaren Energieszenarien. Er will klimatische Grundlagen, technische und ökonomische Rahmenbedingungen und mit dem Ausbau erneuerbarer Energien verbundene Landnutzungskonflikte solcher Szenarien untersuchen. (APA, 6.9.2017)

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