Netzwerk illegaler Prostitution in Wien zerschlagen

Video6. September 2017, 12:03
142 Postings

Polizei griff am Dienstag auf mehrere Wohnungen in vier Bezirken gleichzeitig zu. Acht Chinesinnen wurden angezeigt, bei drei gibt es Hinweise auf Menschenhandel

Wien – Mit insgesamt 30 Einsatzkräften ist es der Polizei am Dienstag in mehreren Wohnungen im 3., 8., 10. und 16. Bezirk in Wien gelungen, ein großangelegtes Netzwerk illegaler Prostitution aufzudecken. Acht Frauen wurden wegen illegaler Prostitution angezeigt, fünf von ihnen wurden nach dem Fremdenrecht festgenommen.

orf
In fünf Wiener Wohnungen hat die Polizei jetzt illegale Bordelle auffliegen lassen. Über Jahre hinweg sollen dort vor allem chinesische Prostituierte gearbeitet haben. Hinter den illegalen Bordellen dürfte ein kriminelles Netzwerk stecken, das die Frauen zur Prostitution nach Österreich gebracht hat.

"Sie hatten zum Teil gefälschte Ausweise bei sich", sagte der Leiter der Meldestelle Prostitutionsangelegenheiten, Wolfgang Langer, dem STANDARD. Über Interpol-Anfragen mit ihren Fingerabdrücken konnte man aber schnell ihre tatsächliche Identität ausforschen. Die schwierigere Arbeit ist nun die Ausforschung der Hintermänner. Langer ist aber "zuversichtlich, weil wir sehr schnell waren, in allen Wohnungen gleichzeitig waren, sodass keine Beweise vernichtet werden konnten". Bei vergangenen Einsätzen sei es vorgekommen, dass beim Zugriff auf eine Wohnung Personen in einer anderen gewarnt wurden und damit nicht zu fassen waren, so Langer. Diesmal ging man akkordiert und gleichzeitig vor.

Verdacht auf Zwangsprostitution

Bei drei der Frauen gibt es laut Langer "eindeutige Hinweise auf Zwangsprostitution und Menschenhandel". Diese hätten etwa erzählt, dass man ihnen ihre Papiere weggenommen und sie eingeschüchtert habe. Über die Analyse von Handydaten und die Einvernahme der Vermieter beziehungsweise Eigentümer der – nunmehr polizeilich geschlossenen – Wohnungen erhofft man sich weiterführende Spuren zu den Drahtziehern des Netzwerks. Die Polizei war durch verschiedene Hinweise auf die Chinesinnen, die zwischen 25 und 50 Jahre alt sind, gestoßen.

"Einerseits waren das Kunden der Frauen", so Langer, "die haben uns gesagt, schaut da einmal hin, die schauen nicht besonders glücklich aus." Einige Freier hatten sich auch mit Geschlechtskrankheiten angesteckt. Andere Tipps kamen von Nachbarn und Betreibern legaler Lokale. Durch Anzeigen im Internet fand man die Wohnungen dann. Hinweise aus der Bevölkerung sind vor allem bei Zwangsprostitution und Menschenhandel häufig ein wesentlicher Bestandteil der Ermittlungserfolge.

Mit den vier Wohnungen, die am Dienstag gesperrt wurden, hat die Polizei 2017 bisher allein in Wien 16 Wohnungen, in denen illegale Prostitution betrieben wurde, ermittelt und geschlossen. Insgesamt waren mindestens 25 Frauen betroffen. (Colette M. Schmidt, 6.9.2017)

Share if you care.