Kollers Abschied kündigt sich an – Herzog wird genannt

Video6. September 2017, 10:08
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Teamchef verspürt noch Tatendrang – Kritik an mangelnder Entwicklung von Spielern – Vorarlbergs Landeschef bringt Andreas Herzog als Nachfolger ins Spiel

Wien – Mit dem 1:1 in Wien gegen Georgien sind nicht nur Österreichs Chancen auf eine WM-Teilnahme gegen den Nullpunkt gesunken. Es kündigt sich auch das Ende einer Ära an. Nach fast sechs Jahren steht Marcel Koller vor dem Abschied als ÖFB-Teamchef.

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Arnautovic nach dem 1:1: "Wir spielen, und wir müssen das ändern."

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff wollte sich der Schweizer nicht konkret zu seiner Zukunft äußern. Es deutet aber vieles darauf hin, dass er in den abschließenden WM-Qualifikationsspielen am 6. Oktober in Wien gegen Gruppe-D-Spitzenreiter Serbien und am 9. Oktober in Chisinau gegen Schlusslicht Moldau nicht mehr auf der Bank sitzt.

Gespräche folgen

Die Entscheidung darüber dürfte in einem Gespräch zwischen Koller, ÖFB-Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner fallen, das wohl in den kommenden Tagen stattfindet. "Ich denke schon, dass es noch vor den Oktober-Spielen Klarheit gibt", sagte Koller.

Der enttäuschende Auftritt gegen Georgien werde seine weiteren Planungen nicht wesentlich beeinflussen. "Ich glaube nicht, dass man das von einem Spiel abhängig machen soll. Ich möchte mir zuerst ein paar Gedanken machen, was gut und schlecht ist. Man muss sich austauschen, ich weiß ja auch gar nicht, was der ÖFB will."

Von Windtner und Ruttensteiner gab es dazu nach der Partie keine öffentlichen Stellungnahmen. Dafür hatte Vorarlbergs Landeschef Horst Lumper, der im ÖFB-Präsidium nicht gerade als Rivale Windtners gilt, bereits vor dem Match in einem ORF-Interview die Tendenz zu einer baldigen Trennung von Koller und eine Präferenz für Andreas Herzog als Nachfolger erkennen lassen.

Keine Angebote

Einiges spricht dafür, dass sich Koller nach 52 Länderspielen (23 Siege, 13 Remis, 16 Niederlagen, Torverhältnis 77:56) ein neues Betätigungsfeld suchen wird – egal ob auf Vereins- oder Nationalteamebene. "Aber aktuell gibt es keine Angebote. Die Saison hat erst angefangen, der Herbst ist dafür eine schwierige Zeit. Vorher gab es die eine oder andere Anfrage, doch ich habe keine Ausstiegsklausel im Vertrag", sagte der Teamchef.

Außerdem meinte Koller: "Für mich ist wichtig, dass eine Mannschaft kommt, die eine gewisse Qualität hat." Ob das auch auf das ÖFB-Team zutrifft? "Vor sechs Jahren war das ein Grund, dass ich hier zugesagt habe."

An Energie mangelt es Koller nach eigenen Angaben nicht. "Ich erkenne keine Müdigkeit, dass ich sage, ich bin leer oder ausgepumpt. Ich liebe den Fußball, kann sieben Tage die Woche mit Fußball arbeiten, und mir wird nicht langweilig."

Von individuellen Fehlern verfolgt

Müdigkeit verspürt Koller zwar keine, doch die Enttäuschung über die verpatzte WM-Qualifikation nagt am 56-Jährigen. "Wenn man ein Ziel nicht erreicht hat, tut das weh. Ich brauche dann ein paar Tage, bis ich das verarbeitet habe", erklärte Koller. "Wenn man 40 Jahre im Fußball ist, hat man nicht nur Erfolge."

Diese bittere Erfahrung musste der Nationaltrainer zuletzt bei der EM und dann in der WM-Qualifikation machen. Dabei hatte er bis vor wenigen Tagen an einen Startplatz bei der Endrunde in Russland geglaubt. Erst nach dem 0:1 in Wales sei er sich im Klaren darüber gewesen, dass es mit Österreichs erster WM-Teilnahme seit 1998 nichts mehr wird.

Ein Grund dafür waren die vielen Patzer in der Abwehr, so passiert auch beim Treffer von Georgien. "Diese individuellen Fehler haben uns in der ganzen Quali verfolgt", kritisierte Koller.

Keine Effizienz im Abschluss

Dazu kam auch noch die mangelnde Effizienz. "Wir haben zu wenige Tore gemacht, das war die ganze Quali sichtbar. Das war schon ein Problem, als ich angefangen habe. Wenn du bei einer WM dabei sein willst, muss du schauen, dass du hinten wenige Tore bekommst und vorne viele erzielst. Wir haben zu wenig Ertrag rausgeholt", sagte Koller.

Ernsthaft trainieren könne man die Kaltschnäuzigkeit bei einem Teamlehrgang nicht. "Wegen der kurzen Dauer kannst du in dem Bereich nicht so intensiv arbeiten, weil das große Ganze wichtiger ist, als mit den Stürmern am Torinstinkt zu arbeiten. Das ist die Aufgabe der Spieler in ihren Klubs." Generell seien alle Spieler gefordert, noch härter an ihrer Entwicklung zu feilen. "Jeder muss vor seiner eigenen Tür kehren, muss noch aggressiver und fokussierter werden. Auf diesem Level kann man nicht viele Fehler machen."

Spieler in der Pflicht

Koller vermutete, dass der eine oder andere Kicker während der Siegesserie in der EM-Qualifikation den nächsten Schritt verpasst haben könnte. "Wenn man erfolgreich ist und einem jeder auf die Schultern klopft, denkt man, es geht so weiter, man muss nichts mehr tun. Aber das ist ein Trugschluss. Man muss noch mehr tun, wenn man an der Spitze ist, denn von unten stoßen noch mehr nach, die auch an der Sonne sein wollen."

Trotz aller Ermahnungen verteidigte Koller aber auch seine Schützlinge. Er habe nicht empfunden, dass sie am Dienstag gegen ihn gespielt hätten. "Ich hatte den Eindruck, dass sie alles versucht haben, schlussendlich ist es halt nur ein 1:1 geworden."

Allerdings wollte Koller die Behauptungen mancher ÖFB-Internationaler, man sei in jeder WM-Quali-Partie die bessere Mannschaft gewesen, nicht bestätigen. "Ich würde nicht sagen, dass wir alle Spiele dominiert haben, aber auch nicht, dass wir in einem Spiel völlig schlechter als der Gegner waren." (APA, 6.9.2017)

  • Da geht er dahin, der Teamchef.
    foto: apa/jäger

    Da geht er dahin, der Teamchef.

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