Neue Kräfte, alte Leiden

    5. September 2017, 23:49
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    Das Momentum wollte auch gegen Georgien nicht so recht in Schwung kommen, das Mojo bleibt verlegt

    Heinz Lindner: Als er den ersten Schuss halten durfte, war bereits fast eine Stunde um, der Verlusttreffer wurde ihm ohne Schuld gelegt. Für einen ernsteren Fall dauerte es bis zu Minute 77, als es galt, einen auf das kurze Eck abgefeuerten Schuss Qazaishvilis zu entschärfen.

    Moritz Bauer: Stand wie der Kollege Hinteregger ungemein hoch, wodurch das österreichische Innenverteidigerduo besonders zu Beginn der Partie des Öfteren isoliert zurückblieb, sich manchmal gar georgischer Überzahl gegenübersah. Setzte sich, steil in der Luft stehend, im Kopfballduell mit Navalovskij durch und war so zumindest mittelbar am Ausgleich beteiligt (43.). Der beherzte Debütant hatte seine Meriten ganz klar in der Offensive, auch die eine oder andere brauchbare Flanke kam ihm aus.

    Aleksandar Dragovic: Viel weniger Ballkontakte als Nebenmann Danso, eine sehr zurückhaltende Vorstellung. Die Rettungsrutscherei vor dem 0:1 kam zu spät. War immerhin bei den eher seltenen Ernstfällen zumeist dort, wo er sein musste.

    Kevin Danso: Vom Start weg von auffallender Präsenz. Dann ein Pass, den Baumgartlinger aufgrund von Überrschung nicht kontrollieren konnte – der möglicherweise aber gar nicht für diesen Abnehmer gedacht war. Zu naives Attackieren des georgischen Torschützen Gvilia setzte dem Übel Augenblicke später die Krone auf (8.). Versteckte sich danach jedoch mitnichten, war ungebrochen um Initiative bemüht. Einiges gelang dabei durchaus ordentlich – zum Beispiel ein Kopfball nach einem Corner, der gar nicht weit fehlging (81.).

    Martin Hinteregger: Ungemein stürmisch startend, überflügelte er sogar immer wieder Arnautovic auf Österreichs aktiver linker Seite. Mit Fortdauer des Geschehens nicht mehr so auffällig, brauchbare Bälle in den Strafraum waren Mangelware. Hinten im Fall des Falles gewohnt unüberwindlich.

    Julian Baumgartlinger: Legte seinen Sechser konstruktiv an, bemüht, beinahe im Stil eines italienischen Regista aus der Tiefe des Raums die Rolle des Verteilers und Taktgebers zu spielen. Auch nach der Pause fand er punktuell den Touch.

    Florian Grillitsch: Gar nicht so offensiv wie vielleicht vermutet, legte der Hoffenheimer seinen Part recht dezent aus. Vielem gebrach es etwas an Tempo und Zielstrebigkeit. Immerhin: Verschenkte Bälle spielte es kaum.

    Florian Kainz: Aus dem Stand mit elegantem Chip auf Harniks Haupt vor des Hannoveraners Lattentreffer (18.). Wechselte nach dem Aus Alabas ins Zentrum, wo er sich unmittelbar wohlzufühlen schien, ja, geradezu aufblühte. Kam nach georgischem Missverständnis zu einem Abschluss mit Aussichten (42.), verlagerte vor dem Ausgleich das Spiel überlegt. Immer wieder Dynamik entfesselnd und griffig nach vorne gehend.

    David Alaba: Nachdem ihm zuvor wahrlich nicht viel gelungen war, ging auch noch ein Zweikampf schief – im Kampf um den Ball verdrehte er sich das rechte Fußgelenk und musste vom Platz (35.). Selbstverständlichkeit wie Leichtigkeit scheinen ihn zu verlassen, sobald er den Teamdress überstreift – stattdessen überwiegt knirschende Bemühtheit, vielleicht im Glauben begründet, sich zerreißen zu müssen.

    Marko Arnautovic: Antreiber, Motivator, Aktivposten. Begann mit einer Zanglerei auf Höhe des eigenen Strafraums, sie ging auf. Daraufhin der eine oder andere Solierversuch als frühe Brechstangenvariante. So in Minute 33, als er mit dem Kopf durch die Wand ging, zweimal Ballglück hatte, beim Abschluss aus kurzer Distanz aber Übersicht vermissen ließ. Wich öfter in die Mitte aus, nahm sich dadurch manchmal aber eher selbst aus dem Spiel. Redete viel, sein Frustrationskonto schien rasch anzuschwellen. Gurkerl gegen Kankava – der folgende Schlenzer wollte den Effet nicht annehmen (50.). In den späteren Phasen der Partie tendenziell abbauend.

    Martin Harnik: Wie immer viel unterwegs, links und rechts den Ballträger anhechelnd, auch immer wieder abfallend – dass sein unter Bedrängnis angebrachter Kopfball an Georgiens Latte klatschte, anstatt das Goal zu finden, untermauert den Eindruck, dass ein gewisser Un-Lauf dem Team auf dem Buckel hockt (18.). Wiederholt auch noch mit dem Bemühen, die Kollegen ins Spiel zu bringen. Vergab kurz vor der Pause einen Unvergebbaren, als er aus kurzer Distanz Goalie Makaridze abschoss – immerhin wurde so jener Abpraller produziert, den Schaub zum 1:1 verwerten sollte (43.). Mitte der zweiten Halbzeit vom Feld genommen.

    Louis Schaub (ab 37.): Einstand nach Maß, als er mit seinem ersten Treffer in den Farben des Nationalteams nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung für den Ausgleich sorgte. Akklimatisierte sich in der Folge auf dem rechten Flügel mehr als passabel. Das eine oder andere Tempodribbling wurde gewagt und zumindest teilweise auch gewonnen.

    Marc Janko (68.): Fand nach Zuspiel Baumgartlingers eine Halbchance vor (80.) und kam bei einer Vorlage von Kainz etwas zu kurz (86.). Kopfball in letzter Minute neben das Goal, dass Schaub dahinter lauerte, dürfte ihm entgangen sein.

    Stefan Ilsanker (ab 80.): Eine der unverständlicheren Interventionen des Teamchefs, wofür der Leipziger aber natürlich nichts kann. Impulse kamen von ihm keine mehr. (Michael Robausch, 5.9.2017)

    • Symbolbild.
      foto: apa/hochmuth

      Symbolbild.

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