1:1 gegen Georgien – die letzten Zweifel sind beseitigt

    5. September 2017, 22:49
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    Österreich kann sich die WM endgültig abschminken. Die Ära von Teamchef Marcel Koller dürfte ein unrühmliches Ende gefunden haben

    Wien – Es hat schon legendärere Fußballspiele gegeben. Das Ambiente war eher trist, nur 13.400 Zuschauer verloren sich am Dienstagabend Wiener Happel-Stadion, die 32.000 Restkarten wurden nicht an den Tageskassen abgeholt. "I am from Austria" dröhnte trotzdem aus den Lautsprechern, dies ist Herren Fendrich geschuldet. Und auch dem Radetzkymarsch ist die Zahl der Fans wurscht, er klang aber langsamer als sonst, irgendwie wehmütiger. Die Qualifikation für die WM in Russland wurde nach dem 0:1 in Wales von der Nation als erledigt abgehakt, ein paar abstruse Rechnungen schließen Platz zwei in Gruppe zwar nicht völlig aus, aber so viele Wunder gibt es nicht einmal im Fußball. Es galt gegen Georgien, die Nummer 112 der Rangliste, eine anständige Leistung aufs Feld zu zaubern, die österreichischen Spieler gelobten, "Vollgas" zu geben. Teamchef Marcel Koller hatte die Georgier im Vorfeld als "allgemein unterschätzt" und "frech" bezeichnet. Wobei Frechheit nicht immer siegen muss.

    Aufgrund der Verletzungen von Sebastian Prödl und Marcel Sabitzer war er zu zwei Umstellungen gezwungen, zwei weitere nahm er freiwillig vor, das ergab also insgesamt vier Veränderungen. Stefan Ilsanker wurde durch den etwas offensiveren Florian Grillitsch ersetzt, Moritz Bauer, ein 25-jähriger Schweizer mit österreichischem Pass debütierte rechts in der Abwehr, Stefan Lainer saß auf der Bank. Florian Kainz rutschte statt Sabitzer in die Startelf, Kevin Danso, in Cardiff für Prödl bereits in die Innenverteidigung eingewechselt, gab von Anfang an den Prödl. Marko Arnautovic und David Alaba wurden rechtzeitig fit.

    Rascher Rückstand

    Die Partie sollte eine Art Therapie sein, Wunden schließen. 8. Minute, Themenverfehlung: Georgien greift an, der Ball läuft über mehrere Stationen, Valerian Gvilia, ein Frechdachs, lässt den 18-jährigen Danso aussteigen, erzielt abgeklärt das 0:1. Die ÖFB-Auswahl wirkte gelähmt und unpräzise, kein Pressing, die Abstände passten nicht. Harnik erwachte kurz, köpfelte den Ball nach Flanke von Kainz an die Latte (18.). 32. Minute: Arnautovic schießt nach einem Solo eher weit drüber. 36. Minute: Der bis dahin schwache Alaba humpelt vom Feld (Sprunggelenk), Louis Schaub ersetzt ihn. Das hat sich irgendwie ausgezahlt (natürlich nicht für Alaba). 43. Minute: Harnik scheitert, Schaub staubt zum 1:1 ab, es war das erste Länderspieltor des Rapidlers. Fazit der ersten Halbzeit: mittelprächtig, ausbaufähig, schon überlegen. Debütant Bauer hinterließ aber einen guten Eindruck.

    Nach der Pause wurde der Druck erhöht, die Dominanz wuchs, Georgiens Biederkeit konnte nicht mehr verheimlicht werden. Aber in den Verdacht, großartig zu sein, gerieten die Österreicher nie. 68. Minute: Spät aber doch kommt Marc Janko, Harnik geht. Zum Sieg reichte es trotzdem nicht, und das ist peinlich. Die letzten Zweifel sind beseitigt, der Rückstand auf Serbien beträgt neun Zähler (uneinholbar), auf Wales fünf, auf Irland vier. Zudem dürfte der Zweite aus Gruppe D, egal wer, die wenigsten Punkte aller neun Zweiten haben und das Playoff verpassen.

    Und nun?

    Das Spiel nach dem Spiel ist wohl spannender, spektakulärer, zukunftsweisender. Das österreichische Nationalteam wird selbstverständlich weitermachen, ob mit oder ohne Koller, diese Frage gilt es nun zu beantworten. Der Schweizer wird sich in den nächsten Tagen zumindest intern deklarieren, Gespräche mit Verbandboss Leo Windtner werden geführt. Möglicherweise wird Koller die Qualifikation noch beenden, im Idealfall mit Würde. Am 6. Oktober wird in Wien gegen Serbien gekickt, drei Tage später in Moldau. Dann ist Schluss. Was immer das auch heißen mag. (Christian Hackl, 5.9. 2017)

    Fußball-WM-Qualifikation, Gruppe D, 8. Runde:

    Österreich – Georgien 1:1 (1:1). Wien, Ernst-Happel-Stadion, 13.400 Zuschauer, SR Grinfeld (ISR)

    Tore: 0:1 (8.) Gvilia, 1:1 (43.) Schaub

    Österreich: Lindner – Bauer, Danso, Dragovic, Hinteregger – Baumgartlinger, Grillitsch (80. Ilsanker) – Kainz, Alaba (38. Schaub), Arnautovic – Harnik (68. Janko)

    Georgien: Makaridze – Kakabadze, Kvirkvelia, Kashia, Navalovski – Qazaishvili (92. Khocholava), Kankava, Kvekveskiri, Gvilia (69. Merebashvili), Ananidze – Kvilitaia (88. Dvalishvili)

    Gelbe Karten: Kainz, Danso bzw. Kvilitaia

    • Gekämpft wurde wie zumeist wacker, gelungen ist nicht so viel: Kapitän Julian Baumgartlinger gegen den georgischen Torschützen Valerian Gvilia.
      foto: apa/neubauer

      Gekämpft wurde wie zumeist wacker, gelungen ist nicht so viel: Kapitän Julian Baumgartlinger gegen den georgischen Torschützen Valerian Gvilia.

    • Erstes Tor im Teamdress von Louis Schaub.
      foto: apa/afp/klamar

      Erstes Tor im Teamdress von Louis Schaub.

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