Samsung Note 8 im Test: Starkes Comeback nach dem Akku-Desaster

    5. September 2017, 17:00
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    Großes Android-Smartphone überzeugt mit gelungener Stift-Implementation und tollem Display

    Mussten Blogger und Fachpresse das Galaxy Note 7 im Vorjahr noch unwissentlich unter Brandgefahr rezensieren, hat Samsung versprochen, mit zusätzlichen Checks bei Design und Prüfung der eigenen Geräte eine Wiederholung des Debakels auszuschließen. Daher die wichtigste Botschaft zum Start: Während des Tests des Note 8 ist kein Akku in Flammen aufgegangen. Genauer genommen hat sich das Gerät nicht einmal unter Last in problematischem Maße erwärmt.

    Natürlich soll die Selbstverständlichkeit eines nicht selbstentzündlichen Handys nicht die einzige "Neuerung" sein. Das Note 8 bringt die Reihe designtechnisch auf Linie mit dem Galaxy S8. Und soll im Alltag zusätzlichen Mehrwert durch den integrierten Stift und eine Dualkamera schaffen. Der Webstandard hat die Versprechungen überprüft.

    foto: derstandard.at/pichler
    foto: derstandard.at/pichler

    Für Großhandbesitzer

    Würde man das Galaxy S8+ neben das Note 8 legen, so wären die beiden Geräte optisch auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Einzig etwas größer ist das Note ausgefallen. Offiziell wird die Bildschirmdiagonale mit 6,3 Zoll angegeben. Das gestreckte Bildschirmformat von 18,5:9 (2.960 x 1.440 Pixel) soll dabei aber eine gewisse Handlichkeit bewahren. Das stimmt nur teilweise.

    Greifen lässt sich das "Phablet" mit seinen Maßen von 162,5 x 74,8 x 8,6 Millimeter (195 Gramm) noch gut. Die Bedienung der Lautstärkewippe und insbesondere von Fingerabdruckscanner und Pulsmesser verlangen jedoch einhändig nach Fingerakrobatik, sofern man keine sehr großen Hände hat. Dass die zwei erwähnten Sensoren nach wie vor direkt neben der Kamera setzen, ist nicht nachvollziehbar. Schon beim S8 wurde vielfach bemängelt, dass die Platzierung das Erreichen erschwert und noch stark zu einer unabsichtlichen Verschmutzung der Kameraverglasung beiträgt.

    Premium-Verarbeitung

    Die Verarbeitung entspricht dem S8, das Handy macht rundum einen hochwertigen Eindruck. Das Display ist entlang der Seitenränder merkbar gebogen, dank schmaler "Stirn" und "Lippe" ergibt sich ein futuristisch angehauchter Eindruck. Auch die Rückseite ist verglast.

    Das trägt zur edlen Optik bei, verlangt aber auch nach mehr Vorsicht. Denn trotz Beschichtung ist das Note 8 anfällig für Fingerabdruckschlieren und rutscht relativ leicht aus der Hand. So auch geschehen im Test. Ein unbeabsichtigter Fall auf den Asphalt aus etwa einem Meter Höhe hatte einige rückseitige Sprünge am oberen rechten Eck sowie einen Lackierungsschaden gegenüber auf der Vorderseite zur Folge, allerdings keinerlei funktionale Beeinträchtigung.

    foto: derstandard.at/pichler

    Ein Stift, der Spaß macht

    Auf der Unterseite, direkt neben dem Lautsprecher, findet sich ein Einschub, in dem der Stift (S Pen) verstaut werden kann. Dieser wirkt im Vergleich zum Handy selbst optisch etwas billig. Mit einem Druck auf die Kappe wird diese durch einen Federmechanismus erweitert und der Stift lässt sich problemlos herausziehen, wobei das Handy dabei automatisch das Menü für seine Funktionen aktiviert. Auf dem gleichen Wege lässt er sich auch einfach verstauen.

    Die Funktionen werden als halbkreisförmiges Menü präsentiert. Schnell zugänglich sind dort etwa Screenshot-Tools oder Samsungs Notizen-App. Wer will, kann die Auswahl um weitere Funktionen bzw. Apps erweitern. Solange der Stift "gezogen" ist, ist am Display auch ein halbtranspentes Icon zu sehen, über welches die Schnellauswahl gestartet wird. Dabei hat Samsung mitgedacht: Es kann nur mit dem Stift und nicht versehentlich mit dem Finger aktiviert werden.

    foto: derstandard.at/pichler

    Schreiben und Zeichnen mit dem S Pen ist eine wahre Freude, auch wenn man ob der unterschiedlichen Haptik von Papier und Display etwas Übung benötigt. Aber egal ob kurze Notizen, Anmerkungen auf Bildern oder kleine Skizzen – alles geht leicht von der Hand. Bei der Umsetzung werden die Bewegungsgeschwindigkeit und Druck berücksichtigt. Relevante Optionen, etwa für Änderungen von Farbe und Stil, sind schnell zugänglich. Einzig die Randkrümmung kann gelegentlich beim Schreiben und Zeichnen stören.

    Das Hauptmerkmal der Note-Reihe richtet sich freilich an die sogenannten "Prosumer". Wer in Beruf oder Freizeit nicht besonderen Bedarf für die Stiftunktion hat, dürfte etwa mit dem günstigeren Galaxy S8 auch gut bedient sein.

    foto: derstandard.at/pichler

    Traumhaftes Display

    Laut Displaymate hat Samsung den ohnehin sehr guten AMOLED-Bildschirm des S8 beim Note 8 nochmals verbessert. Ohne den direkten Vergleich bzw. entsprechende Messgeräte zur Hand zu haben, lässt sich das schwer verifizieren. Subjektiv erscheint die Auszeichnung "aktuell bestes Smartphone-Display" aber verdient. Farbdarstellung, Helligkeit, Kontraste – es gibt eigentlich nichts auszusetzen. Einzig über die Sinnhaftigkeit der Krümmung lässt sich definitiv streiten.

    Der Bildschirm unterstützt zwar eine Auflösung von 2.960 x 1.440, diese muss aber manuell eingestellt werden und ergibt aufgrund der hohen Pixeldichte ohnehin vor allem für VR-Anwendungen Sinn. Vorkonfiguriert ist das Gerät auf "gestrecktes" Full-HD mit 2.220 x 1.080 Pixel. Wer Prozessor und Grafikeinheit (und somit auch ein wenig den Akku) entlasten will, kann auch auf das HD-Pendant 1.480 x 720 Pixel umschalten.

    foto: derstandard.at/pichler

    Dualcam nur teilweise erkennbar besser

    Neu ist auch die Kamera. Erstmals setzt Samsung auf ein Setup mit zwei Modulen, die dem Galaxy S8 noch verwehrt geblieben sind. Zum Einsatz kommen zwei 12-MP-Sensoren aus dem eigenen Sortiment, aus deren Kooperation man sich besonders schöne Ergebnisse verspricht.

    Das Fazit hier fällt ähnlich aus, wie hinsichtlich des Bildschirms: Das Note 8 schießt unzweifelhaft sehr schöne Fotos. Kräftige, realistische Farben und Kontraste machen es zu einem der aktuell besten Handys für Fotos. Insbesondere die Farbtreue bei schwierigen Situationen wie dem Glühen eines Sonnenuntergangs fällt positiv auf. Die Kamera reagiert zudem blitzschnell auf den Auslösebefehl. Ob sie in "Standardsituationen" jener des S8 signifikant überlegen ist, lässt sich allerdings nicht seriös beantworten.

    foto: derstandard.at/pichler

    Was aber tatsächlich besser funktioniert ist die Erkennung der Motivkanten im Porträtmodus, der hier nicht "Selektiver Fokus", sondern "Live Fokus" heißt. Selbst Objekten, die wesentlich kleiner sind, als ein menschlicher Kopf, weiß das Gerät den Vordergrund und Hintergrund klar zu trennen und bietet eine nachträgliche Veränderung der Hintergrundunschärfe an. Das Galaxy S8 hatte hierbei noch zu kämpfen.

    Neu dabei ist auch ein durch die Dualkamera ermöglichter Zweifach-Zoom, wie ihn auch praktische alle anderen neuen Handys mit zwei Kamerasensoren anbieten. Wie auch schon beim iPhone 7, Huawei P10 und Konsorten bleibt hier festzuhalten: Diese Vergrößerungsfunktion arbeitet deutlich besser als ein klassischer Digitalzoom mit "aufgeblasenen" Pixeln, erreicht aber nicht die Qualität einer rein optisch erzeugten Vergrößerung.

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    Bei Nachtaufnahmen fallen die Ergebnisse freilich nicht mehr ganz so schön aus, gehören aber immer noch zum Besten dessen, was Smartphone-Kameras zu leisten imstande sind. Hilfreich ist hier, dass Samsung etwa im Gegensatz zu OnePlus (OnePlus 5) den optischen Bildstabilisator nicht ausgespart hat. Die Frontkamera ist jene, die man auch im S8 findet. Sie operiert mit acht Megapixel und liefert ganz ordentliche Resultate ab.

    Ordentliche Performance

    Vorinstalliert auf dem Handy ist Android 7.1 "Nougat", eine Aktualisierung auf Version 8.0 "Oreo" soll aber folgen. Im Allroundbenchmark Antutu erreicht das Note 8 verlässlich rund 170.000 Zähler und liegt dabei nur minimal unter dem S8. Das bestätigt sich auch in der Praxis: Das Note 8 reagiert flott auf alle Eingaben und geht auch bei grafisch aufwändigen Games nicht in die Knie.

    foto: derstandard.at/pichler

    Verwunderlich ist das nicht, werkt doch unter der Haube der gleiche Prozessor. Während in den USA und China der Qualcomm Snapdragon 835 zum Einsatz kommt, erhalten Europa, Afrika und der Mittlere Osten (EMEA) eine Version mit Samsungs eigenem Exynos 8895, ein Octacore-Prozessor mit zwei Vierkernverbünden, welche mit maximal 2,3 und 1,7 GHz takten.

    Aufgestockt wurde allerdings in Sachen Speicher. Statt vier gibt es sechs GB RAM und einem Modell mit 64 GB Onboardspeicher gesellen sich Alternativen mit 128 und 256 GB hinzu. Eine Erweiterung per microSD-Karte ist möglich. Zudem gibt es eine DualSIM-Variante ("Duos"), bei der man zwischen einer zweiten SIM-Karte oder der Speichererweiterung wählen muss. Wie gehabt an Bord sind ac-WLAN, LTE, NFC, Bluetooth 5.0 und Wireless Charging.

    Wer möchte kann statt PIN oder Fingerabdruck auch den (immer noch mühsamen) Irisscanner zur Entsperrung des Geräts verwenden. Angeboten wird auch ein Login via Stimmerkennung, den Samsung selbst allerdings als potenziell unsicher deklariert, da dieser auch auf "ähnliche Stimmen" hereinfallen kann.

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    Akku

    Die Akkukapazität wird mit 3.300 mAh ausgewiesen. Eine endgültige Einstufung war hier im Rahmen der Testzeit nicht möglich, grundsätzlich sollte man aber mit einer vollen Aufladung gut über den Tag kommen.

    Telefoniert man mit gleichzeitig aktiviertem LTE bei gutem Empfang und ein paar im Hintergrund geöffneten Apps, so kosten vier bis fünf Gesprächsminuten in etwa einen Prozent Ladestand, was rechnerisch einer Gesamtgesprächszeit von sieben bis acht Stunden entspricht.

    Bixby macht Fortschritte

    Zurück zur Software: Neben einigen eigenen Apps und der ebenfalls hausgemachten, aber im Vergleich zu früheren Versionen merkbar abgespeckten Oberfläche, ist auch der KI-Assistent Bixby wieder mit dabei – nebst eigener Taste für den Schnellaufruf. Sein Arsenal für Sprachkommandos wurde weiter aufgestockt. Er ist damit einen spürbaren Tick nützlicher geworden, wirkt aber immer noch unfertig.

    Insbesondere die "Bixby Vision"-Kamerafunktionen sind nach wie vor sehr dürftig. Erschwerend kommt hinzu, dass sein Sprachrepertoire momentan auf Koreanisch und Englisch beschränkt ist. Deutsch soll allerdings folgen.

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    Passable Akustik

    Bleibt noch ein Blick auf die Akustik: Der Lautsprecher des Note 8 ist, namensgemäß, "laut", aber sonst von eher durchschnittlicher Qualität. Wer zu weit aufdreht, wird mit leichtem Scheppern bestraft. Sehr gut klingen dafür das mitgelieferte Headset, das an den zum Glück erhaltenen 3,5mm-Klinkenanschluss angeschlossen wird.

    Das Mikrofon-Array tut beim Blockieren von Störgeräuschen meist seine Arbeit sehr gut. Steht man nicht sehr ungünstig in stärkerem Wind, wird man vom Gegenüber klar und laut wahrgenommen. Gut, aber mit leichten Abzügen für gelegentliche Unschärfen, ist auch die Übertragung durch die Ohrhörer des Handys.

    Fazit

    Das Note 8 hat im Vergleich zum S8 zwei "Unique Selling Propositions": Den Stift und die Dualkamera. Ersterer ist sehr gut implementiert und vereint Zeichenfreuden mit einfach gehaltenen Menüs. Allerdings verkommt er ohne schwerpunktmäßigem Bedarf ein wenig zu einer "Spielerei".

    Die Dualkamera arbeitet exzellent, erscheint in den meisten Anwendungsfällen aber nicht merkbar besser zu sein, als das einzelne Modul des ersten 2017er-Flaggschiffs von Samsung. Sie punktet primär durch eine genauere Kantenerkennung beim Erstellen von Porträts und der Zweifach-Zoomfunktion.

    Darüber hinaus unterscheidet sich das Note 8 durch ein größeres und subjektiv weiter verbessertes Display, das derzeit konkurrenzlos erscheint. In allen anderen Aspekten gleichen sich die zwei Handys fast wie eineiige Zwillinge.

    foto: derstandard.at/pichler

    Mitte des Monats soll das Samsung Galaxy Note 8 ab 999 Euro erhältlich werden. Das sind immerhin 300 bis 400 Euro mehr als aktuell übliche Händlerpreise für das S8 und S8+ und jenes Preisniveau, das auch Apples nächstes iPhone erreichen soll.

    Für Anhänger des Stiftes fehlt es allerdings an Alternativen am Markt. Der Vorgänger des Note 8 ist in Flammen aufgegangen, und das mittlerweile zwei Generationen alte Note 5 praktisch kaum noch zu bekommen. Wer auf das Zeichenwerkzeug nicht verzichten will, muss also "die Krot‘ schlucken" oder den Preisverfall abwarten.

    Im freien Handel wird die DualSIM-Variante des Note 8 angeboten werden. Das Handy wird zudem von allen drei Netzbetreibern (A1, T-Mobile, "3") ins Sortiment aufgenommen, hier handelt es sich allerdings um die Modelle, die nur eine SIM-Karte unterstützen. (Georg Pichler, 05.09.2017)

    Testfotos

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    Vergleich normal und 2x-Zoom
    Vergleich normal und 2x-Zoom

    Hinweis im Sinne der Leitlinien: Das Testgerät wurde von Samsung bereitgestellt.

    Links

    Samsung

    Nachlese

    Displaymate: Note 8 hat bestes Smartphone-Display

    Samsung Galaxy S8 im Test

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