ORF-"Sommergespräch" mit Kern: Da fehlte eine Klarstellung

5. September 2017, 07:41
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Moderator Tarek Leitner tat so, als sei nichts gewesen, sagte kein Wort zu den Vorwürfen und stieg gleich ins Inhaltliche ein. Das war kein Zeichen der Souveränität

Werden sie sich duzen? Ihren gemeinsamen Urlaub ansprechen? Wird Tarek Leitner mit dem Kanzler besonders hart, härter als mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz umspringen, um einen Beweis seiner Objektivität abzuliefern? Die Erwartungen vor dem ORF-"Sommergespräch" mit Christian Kern waren hoch, das Interesse enorm. Weniger wegen der Inhalte als viel mehr wegen der vorangegangenen, von der ÖVP ausgelösten Debatte über das angebliche Naheverhältnis von SPÖ-Chef Kern und Moderator Leitner. Zumindest einmal hatten die beiden als Begleitung ihrer Kinder gemeinsam geurlaubt, ihre Familien noch öfter.

In den Parteizentralen und in den Online-Foren waren die Wogen hochgegangen, die Medien berichteten ausführlich, wieder einmal wurde die Objektivität des ORF, der im Würgegriff der Parteien stecke, infrage gestellt. Der Druck auf Leitner, der gewissermaßen zum Sinnbild der Verhaberung zwischen Medien und Politik wurde, muss vor dieser Sendung enorm gewesen sein.

Leitner tat allerdings so, als sei nichts gewesen, sagte kein Wort zu den Vorwürfen und stieg gleich ins Inhaltliche ein. Das war kein Zeichen der Souveränität. Ein Wort der Klarstellung von seiner Seite wäre angebracht gewesen.

So blieb es dem Kanzler vorbehalten, die Vorgeschichte anzusprechen. Kern nutzte das allerdings zu einer Attacke gegen Kurz, der hinter den "Unwahrheiten", die verbreitet würden, stehe. Gemeinsame Urlaube in seiner Kanzlerschaft habe es nicht gegeben. Er werde sich auch nicht wehleidig über den ORF beschweren, sollte Leitner hart fragen. Hätte Kern auch nicht müssen, Leitner blieb friedlich. Geduzt haben sich die beiden aber nicht. (Michael Völker, 5.9.2017)

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