SPÖ-interne Kritik an Stammtischvideo

    4. September 2017, 16:16
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    Zu defensiv sei der Kanzler im Umgang mit einer Frau, die rassistische Äußerungen tätige, sagt Eva Maltschnig von der Sektion 8

    Wien – "Billige Stammtischpolitik", "zum Fremdschämen", "Plattform für Rassismus und Islamophobie" – das sind nur einige der kritischen Kommentare, die ein SPÖ-Wahlkampfvideo auf Facebook geerntet hat. Christian Kern trifft dort an einem Stammtisch in der Steiermark auf eine Bürgerin, die unter anderem sagt: "Wir sind römisch-katholisch oder evangelisch, aber das andere, das will ich alles nicht."

    Das Video ist die erste Folge einer Stammtischreihe der SPÖ. Nicht nur bei seinen Facebook-Fans, auch innerhalb der Partei stößt Kern damit auf Kritik. "Wir haben es beschissen gefunden", sagt Eva Maltschnig, die Vorsitzende der Wiener Sektion 8, die bekannt dafür ist, sich gegenüber der eigenen Partei kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

    Sie habe nichts dagegen, wenn man sich der Auseinandersetzung stelle, dann müsse man diesem Rassismus, der geäußert werde, aber auch etwas entgegenstellen. Und das habe der Kanzler nicht ausreichend getan. "Er wirkt auf mich entschuldigend und defensiv einer Person gegenüber, die etwas gegen Muslime hat", sagt Maltschnig.

    Auch Laura Schoch, Mitglied der Sektion 5 in Wien-Mariahilf, kritisiert das Video in einem Facebook-Posting und lädt Kern zu einem Stammtisch zu sich in den sechsten Bezirk.

    SPÖ: "Ausgewogener Standpunkt"

    Die Bundespartei sieht das naturgemäß anders. Ein Sprecher der SPÖ verteidigt das Video im Gespräch mit dem STANDARD. Der Kanzler mache klar, dass es sich dabei nicht um seine Meinung handle, und vertrete im Video einen "ausgewogenen Standpunkt".

    So sagt Kern etwa: "Wir müssen jene helfen, die aus Krieg und Zerstörung kommen." Für Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kämen, "da müssen wir sagen, da haben wir keine Möglichkeiten mehr, zusätzlich Leute aufzunehmen". Er verweist außerdem auf das bereits beschlossene Burkaverbot.

    Es gehe darum, den Wählern zu zeigen, dass man die Themen, die ihnen unter den Nägeln brennen, auch ernst nehme und ihnen Lösungen aufzeige, sagt der SPÖ-Sprecher. Mit dem Video wolle man auch jene erreichen, die man nicht an den Stammtischen treffe. (koli, 4.9.2017)

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