Landwirtschaft: "Täglich stellen fünf Betriebe auf Bio um"

4. September 2017, 16:17
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Heimische Bauern setzen zunehmend auf Bio, rund 22 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Österreich werden biologisch bewirtschaftet

Wien – Neben der heimischen Bioanbaufläche steigt auch die Summe, die Österreicher jährlich für Bioprodukte ausgeben. 2016 gingen in Österreich Biolebensmittel mit einem Gesamtwert von 1,6 Milliarden Euro über die Ladentische, das entspricht einem Plus von knapp 14 Prozent im Vorjahresvergleich. Dennoch bleibt der Bioanteil im täglichen Einkauf verhältnismäßig gering: Durchschnittlich werden pro Haushalt und Jahr lediglich 180 Euro für Biolebensmittel ausgegeben, sagt Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, bei einer Pressekonferenz am Montag.

In den vergangenen Jahren ist neben der Anzahl der Biobetriebe auch die Bioanbaufläche in Österreich stetig gewachsen. "Täglich stellen fünf Betriebe auf Bio um", sagt Bio-Austria-Obfrau Gertrud Grabmann. In ganz Österreich wurden 2016 mehr als 21.800 Biobetriebe gezählt. Damit ist rund jeder fünfte heimische Landwirt ein Biobauer, die Hälfte davon ist im Vollerwerb tätig. Allen voran spielt Bio in Salzburg eine große Rolle, knapp 45 Prozent der Betriebe sind Biobauernhöfe, Vorarlberg bildet mit einem Anteil von 14,6 Prozent das Schlusslicht.

Österreich an der EU-Spitze

Mit der wachsenden Anzahl an ökologischen Betrieben hat sich auch die Anbaufläche vergrößert. Im vergangenen Jahr wurden knapp 22 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Österreich biologisch bewirtschaftet. Österreich liegt damit im EU-Vergleich an der Spitze, gefolgt von Schweden und Italien.

Besonders stark waren die Zuwächse im biologischen Obst- und Weinbau. Mehr als ein Viertel des heimischen Weines wird naturrein angebaut. Im Fleischbereich gäbe es hingegen noch "Luft nach oben", sagt Blass. Die Zuwächse bei Rind- und Schweinefleisch in Bioqualität lagen lediglich bei vier bzw. drei Prozent. Grund dafür seien laut Grabmann die großen Preisunterschiede zu konventionellem Fleisch.

Biohendln als Exportschlager

Eine gänzlich andere Entwicklung gab es im Geflügelbereich: Aufgrund der hohen Nachfrage aus dem Ausland gab es bei Biohendln einen Mengenzuwachs von 50 Prozent, sagt Grabmann. Ein leichtes Plus gab es auch in der Produktion von Bioeiern und -milch.

Während ökologische Lebensmittel in den heimischen Haushalten angekommen sind, haben bisher nur wenige Gastronomiebetriebe umgestellt: "Drei Viertel der Bioprodukte werden über den Lebensmitteleinzelhandel vertrieben", sagt Blass.

Korrelation zwischen biologischer Ernährung und Einkommen

Vor allem ältere Familien und Jungfamilien ohne Kinder kaufen laut einer von der AMA in Auftrag gegebenen Studie häufig Biolebensmittel. Junge Singles geben hingegen nur 105 Euro pro Jahr für Bioprodukte aus. Eine Korrelation zwischen Bio und Einkommen sei zwar vorhanden, aber auch weniger kaufkräftige Studenten seien "sehr bioaffin", so Blass. Besonders häufig würden Eier, Milch, Kartoffeln und Frischgemüse in Bioqualität gekauft werden, Regionalität sei dabei der entscheidendste Kauffaktor.

foto: apa/ama/gallup

Um den Absatz in dem Segment weiter zu steigern, startete die AMA vor wenigen Tagen eine Biokampagne, die über drei Jahre laufen soll. Eine Million Euro stehen der AMA dafür pro Jahr zur Verfügung, 70 Prozent der Kosten werden von der EU kofinanziert.

Förderungen laufen aus

Ob der Biotrend weiter anhalten wird, bleibt jedoch offen: Bis zum Herbst werden Landwirte in Österreich bei der Umstellung auf Bio noch unterstützt, ab 2018 gibt es solche Förderungen nicht mehr. Der Anteil an neuen Biobetrieben würde sich deshalb "wahrscheinlich minimieren", sagt Grabmann zum STANDARD. (lauf, 4.9.2017)

  • Im Ausland steigt die Nachfrage nach österreichischen Biohendln – und damit auch die Produktion.
    foto: ap/hau dinh

    Im Ausland steigt die Nachfrage nach österreichischen Biohendln – und damit auch die Produktion.

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