Digitalisierung: KMU brauchen mehr Know-how, viele fürchten Jobabbau

    4. September 2017, 13:10
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    Studie: Großteil der KMU fürchtet Stellenabbau, zwei Drittel sehen aber auch Chancen

    Bei der Digitalisierung sind die Kunden um einiges weiter als die Betriebe, eine aktuelle Studie bescheinigt den heimischen KMU weiter Aufholbedarf. Aussitzen ist nicht angesagt: "Digitale Transformation lässt sich nicht vermeiden" , so die Wirtschaftskammer (WKO) und will den Unternehmen einmal mehr die Angst nehmen. Denn: Ein Großteil der KMU befürchtet durch die Digitalisierung einen Jobabbau.

    Fehlendes Know-How

    36 Prozent der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) sehen laut der Studie fehlendes Know-how als größte Herausforderung und wünschen sich Beratung, Entwicklungsbedarf hätten vor allem Kleinst- und Kleinunternehmen. "Viele gehen defensiv damit um und befürchten Jobverluste", meinte Alexander Keßler vom Institut für KMU-Management der WU Wien bei der Studienpräsentation am Montag. Jene, die sich mit der Digitalisierung schon auseinandergesetzt haben, hätten weniger Angst.

    Auf der anderen Seite sehen laut der Umfrage zwei Drittel der KMU in der Digitalisierung eine Chance zur Neugewinnung von Kunden. Die Hälfte erhofft sich dadurch Kostenersparnisse. 38 Prozent der KMU haben ihre Produkte und Services trotzdem noch nicht angepasst.

    "Der Großteil der befragten KMU über alle Branchen und Bundesländer hinweg befindet sich im Bereich 'Digitaler Neuling' oder 'Digital bewusst'", stellte Sophia Pipke von der Unternehmensberatung Arthur D. Little fest. In die weiter fortgeschrittene Kategorie "digital orientiert" fallen schon deutlich weniger Unternehmen, "digitale Champions" sind hierzulande die große Ausnahme.

    Nicht über Google zu finden, keine Website

    Ein "digitaler Neuling" wäre zum Beispiel ein Friseur, den man nicht über Google finden kann, der keinerlei Webpräsenz hat, so Pipke. Wer in die Kategorie "digital bewusst" fällt, weiß zumindest schon, dass man sich "digital transformieren" muss und setzt erste Schritte. Diese Betriebe arbeiten zum Beispiel an einer eigenen Homepage oder denken daran, soziale Medien für ihr Unternehmen zu nutzen. Letzteres mache hierzulande erst die Hälfte der KMU. Ein "digitaler Champion" könnte laut Pipke etwa ein Friseursalon sein, der eine App entwickelt hat, mit der die Kunden Termine vereinbaren können. Eine App kann laut der Unternehmensberatung Arthur D. Little schon um wenige tausend Euro gebaut werden und ermögliche einen neuen Kundenzugang.

    "Die Branche 'Information und Consulting' ist im Index am weitesten fortgeschritten, vor allem in den Sparten 'Gewerbe' und 'Handwerk' gibt es Aufholbedarf", so Alfred Harl, Obmann des WKO-Fachverbandes für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT). An der Studie, die von der WKO, Arthur D. Little, Hutchison Drei und dem KMU-Institutsvorstand der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführt wurde, haben 1.700 Unternehmen aus den sieben Sparten der Wirtschaftskammer teilgenommen.

    Dass der finanzielle Aufwand die Betriebe abschreckt, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen, glaubt Pipke nicht. "Es gibt inzwischen viele günstige Möglichkeiten." Vielmehr ist es Unwissenheit und mangelnde Information, die die Unternehmer verunsichern. Die WKO will ihrerseits "Wegbegleiter in die Digitalisierung" sein: Ab Herbst soll es umfassende landesweite Veranstaltungen und Digitalisierungs- sowie Beratungsförderungen geben. (APA, 4.9.2017)

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