Schmetterlingskinder: Helferzellen lassen auf neue Therapie hoffen

    4. September 2017, 10:00
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    Salzburger Immunologen untersuchen eine kürzlich entdeckte T-Helferzelle in der Haut. Ihre Arbeit lässt auf neue Therapiemöglichkeiten für Patienten mit chronischen Wunden hoffen

    Ihre Haut ist so verletzlich wie der Flügel eines Schmetterlings. Von Epidermolysis bullosa (EB) Betroffene sind daher auch als "Schmetterlingskinder" bekannt geworden. EB ist eine seltene, angeborene, folgenschwere und derzeit noch nicht heilbare Hauterkrankung. Die Haut dieser Menschen bildet leicht Blasen, entstehende Wunden verheilen zum Teil sehr schlecht.

    In Österreich leben rund 250.000 Menschen mit schlecht oder gar nicht verheilenden Wunden. Diese beeinträchtigen die Lebensqualität enorm. Die Ursachen für Wunden sind vielfältig, sagt Iris Gratz vom Fachbereich Molekulare Biologie der Universität Salzburg: "Wunden können durch genetisch bedingte Krankheiten, wie bei den Schmetterlingskindern, entstehen; aber auch die Konsequenz von Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen wie etwa bei Diabetes oder einer fehlgeleiteten Immunreaktion sein."

    Amerikanische Forscher des Benaroya Research Institute in Seattle (USA) identifizierten vor kurzem eine spezielle Immunzell-Art im menschlichen Blut. Immunologen der Universität Salzburg entdeckten und untersuchten diese spezielle Helfer-T-Zell-Population nun auch in der Haut. Gratz: "Wir gehen davon aus, dass sie auf den Heilungsprozess großen Einfluss hat." Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden wie diese T-Helferzelle genau funktioniert und welche Funktion sie bei der Wundheilung ausübt.

    Zelle sendet Signale

    Denn erst wenn Hautzellen SOS-Signale senden, werden Immunzellen aktiviert und die T-Helferzelle tritt in Aktion. "Diesen Kommunikations- und Signalwegen wollen wir nachgehen", so Gratz. "Denn auch die T-Helferzelle sendet Signale und Botenstoffe an das Hautgewebe zurück, während sie gleichzeitig erste Schritte zur Wundheilung einleitet." Der Einsatz der T-Helferzelle könnte dazu führen, Wundheilungsprozesse zu beschleunigen und chronische Wunden zu schließen.

    Langfristig sollen die Forschungsergebnisse therapeutisch eingesetzt werden. Wie etwa bei den Schmetterlingskindern. Gratz dazu: "Bei dieser Patientengruppe laufen sehr viele Wundheilungsprozesse. Hier unterstützend beizutragen, wäre natürlich großartig. Wir denken aber auch an chronisch kranke Menschen, deren Wunden sich nicht mehr schließen, beispielsweise bei chronischen Wunden von zuckerkranken Menschen oder Wundliege-Geschwüre". (red, 4.9.2017)

    • Die Haut von Kindern mit Epidermolysis bullosa ist so verletzlich wie die Flügel eines Schmetterlings.
      foto: apa/dpa-zentralbild/jens büttne

      Die Haut von Kindern mit Epidermolysis bullosa ist so verletzlich wie die Flügel eines Schmetterlings.

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