GIS für ORF-Landesliga, Abogebühr für Europa League und ein "Krone"-Abgang

    4. September 2017, 07:00
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    "Kurier" holt sich Fernseh-Förder-Experten Nummer eins für Schau-TV

    1. Europa League im Pay-TV

    Da fehlt doch noch was: Mehr als 200 Mal spielen die Fußballvereine in der Europa League pro Saison gegeneinander. 15 Begegnungen pro Saison zeigt Puls 4 in Österreich im Free TV, auch weitere drei Jahre ab der Saison 2018/19. Und wo laufen dann die übrigen rund 190 Spiele?

    Man kann davon ausgehen, dass sie im Pay TV landenwie schon die Champions League. Dort teilen sich Sky und Dazn ab der nächsten Saison die Rechte und deutlich dreistellige Millionenbeträge dafür.

    Ich könnte mir ja – ohne einschlägiges Wissen – vorstellen, dass die recht munter einkaufenden Herausforderer von Sky da noch einmal zuschlagen: Die Europa League würde für Dazn jedenfalls mehr Sinn ergeben als die österreichische Bundesliga. Die vergibt zwar auch gerade ihre TV-Rechte neu, verspricht aber jenseits der Landesgrenzen wohl nicht ganz soviele Abonnenten.

    foto: apa/herbert neubauer
    Europa League: Dominik Prokop (Austria) gegen Benedik Mioc (Osijek) am 14. August 2017 im Qualifikationsspiel in St. Pölten.

    2. Die ORF-Landesliga

    Um die etwas andere Abogebühr der Fernsehwelt, und wohl auch um die Zukunftsperspektive von ORF-Chef Alexander Wrabetz geht es am Freitag in Salzburg. Die jüngste Fraktion im Entscheidungsgremium des ORF trifft sich dort zu ihrem ersten Workshop: die von den Bundesländern entsandten ORF-Stiftungsräte. Acht dieser neun Räte dürften kommen.

    Die ORF-Landesliga hat Generaldirektor Wrabetz und Finanzdirektor Andreas Nadler eingeladen. Die stehen mitten im großen Feilschen um ein neues ORF-Budget 2018, das deutlich zweistellige Millionenbeträge einsparen soll, auch bei den neun Landesstudios. Die Länder-Stiftungsräte werden wohl versuchen, die eine oder andere geplante Kürzung dort wegzuverhandeln. Zum Beispiel mit einem sachlichen Argument und einem – nicht so offen gehandelten – persönlichen.

    Sachlich könnten sie argumentieren: Die ORF-Landesstudios könnten doch statt zu kürzen mehr zum nationalen Programm beitragen, wie schon bei "Unterwegs in Österreich". Und persönlich kann ORF-General Wrabetz in Zeiten wechselnder Regierungen und angesagter neuer ORF-Gesetze jede Unterstützung von Stiftungsräten brauchen.

    Die Länder stellen immerhin neun von 35 ORF-Stiftungsräten, und sechs von ihnen sind der ÖVP zuzurechnen. Noch jedenfalls: Dauerthema für ORF-Novellen ist eine Verkleinerung des obersten ORF-Aufsichtsgremiums. Die FPÖ etwa will einen Stiftungsrat, der die Mehrheitsverhältnisse im Nationalrat abbildet. FPÖ-Mediensprecher Herbert Kickl hinterfragte zuletzt aber im STANDARD-Fragebogen zur Medienpolitik ausdrücklich die Regierungsvertreter, nicht aber die Ländervertreter. Die Länder-Räte werden wohl in Salzburg sicherheitshalber verlangen, dass der Föderalismus und damit ihre Mandate weiter im Stiftungsrat ihren Platz finden mögen.

    3. Abschied von der "Krone"

    Keinen Platz mehr in der "Krone" sah offenbar Sepp Niedermeier. Der Marketingchef des großen Kleinformats arbeitet nicht mehr beim Riesen aus der Wiener Muthgasse, bestätigt man dort. Die Hintergründe des Abgangs habe ich bisher nicht herausgefunden, sachdienliche Hinweise stets willkommen.

    Womöglich übernimmt ja ein neuer "Krone"-Geschäftsführer oder eine neue "Krone"-Geschäftsführerin die Marketingagenden mit, wenn Langzeitmanager Wolfgang Altermann (75) tatsächlich in Pension gehen sollte.

    4. Schau TV mit kundigem Berater

    Der "Kurier" indes holte sich gerade sachkundige Unterstützung für seinen frisch erworbenen Sender Schau TV (neben Mediaprint-Bewegtbildkonsulent Richard Grasl): Alfred Grinschgl berät nun Schau TV bei seinem Förderantrag an den Privatrundfunkfonds der Rundfunk- und Telekomregulierung RTR.

    foto: apa/hans punz
    Alfred Grinschgl bei seiner Abschiedsfeier als RTR-Geschäftsführer im Juni. Er blieb dann noch ein paar Wochen, bis sein Nachfolger Oliver Stribl bestellt war.

    Wer, wenn nicht er, weiß, wie das geht: Grinschgl war bis August über mehr als eineinhalb Jahrzehnte Geschäftsführer der RTR GmbH, er hat den Privatrundfunkfonds initiiert und die Mittel vergeben. Im August übernahm Oliver Stribl die Geschäftsführung der RTR. Private Radio- und Fernsehprogramme erhalten von dem Fonds pro Jahr 15 Millionen Euro.

    • Ö24TV bekam beim ersten Antragstermin 2017 (PDF-Link) zum Beispiel eine Million Euro zugesprochen (für Abendnachrichten, "News" und Polit-Talk).
    • ATV und ATV2 erhielt beim ersten Antragstermin 2017 1,5 Millionen Euro für Nachrichten, "Flugretter", für das – Ende Juni eingestellte – Kulturmagazin "Highlights" und für Martin Thürs "Klartext", Thür hat ATV inzwischen verlassen. Beim zweiten Antragstermin gab es noch einmal 180.000 für "Meine Wahl" und "24 Stunden – die Kriminalpolizei".
    • An Servus TV gingen gut 1,6 Millionen für "Servus Journal", für "Literatour" und "Talk im Hangar-7". Beim zweiten Termin noch einmal 70.000 für "Servus Reportage".
    • Puls 4 erhielt beim zweiten Termin gut 220.000 für "Café Puls" und Wahlsendung 2017, beim ersten Termin 1,75 Millionen Euro für "Pro und Contra", für Nachrichten und für "Bist du deppert – Steuerverschwendung und andere Frechheiten".

    Schau TV spielte beim Privatrundfunkfonds bisher in der Regionalliga und erhielt beim ersten Antragstermin 2017 200.000 Euro für "Schau Aktuell" und für die Berichterstattung über die burgenländischen Gemeinderatswahlen 2017. Da ist wohl noch was drin. (Harald Fidler, 4.9.2017)

    Die Etat-Wochenschau ist eine sehr subjektive Auswahl anstehender Ereignissen in der – vor allem österreichischen – Medien- und gelegentlich auch Werbebranche. Wie sich die Prognosen in der Medienrealität materialisieren, lesen Sie so rasch wie möglich auf derStandard.at/Etat.

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