Trumps Mann für die Nasa: Expilot Jim Bridenstine will die Raumfahrt privatisieren

    Kopf des Tages3. September 2017, 23:32
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    Jim Bridenstine soll neuer Direktor der Nasa werden – Parteiübergreifende Kritik dazu kommt aus Florida

    Washington – Es gibt eiserne Regeln, an die sich die Nasa in Houston jahrzehntelang gehalten hat. Dass die Weltraumbehörde von Weltraumexperten zu leiten ist, was irgendwie auf der Hand liegt, war eine davon. Falls Jim Bridenstine, der neue Nasa-Direktor in spe, das Bestätigungsverfahren im Senat übersteht, wäre die Serie durchbrochen.

    Bridenstine, ein konservativer Kongressabgeordneter aus Oklahoma, ist weder Raketentechniker, noch hat er je als Astronaut die Erde umrundet. Donald Trump hielt dies nicht davon ab, den Republikaner zu nominieren. Worauf die beiden Senatoren Floridas, des Bundesstaats, der mit den Rampen auf Cape Canaveral eine herausragende Rolle in der Geschichte der Raumfahrt spielt, in seltener, parteiübergreifender Einigkeit Widerspruch anmeldeten. "Der Chef der Nasa hat Wissenschafter zu sein, kein Politiker", protestierte der Demokrat Bill Nelson, der einst an Bord eines Spaceshuttles ins All flog. Der Republikaner Marco Rubio sprach sogar von einem vernichtenden Schlag für die amerikanische Astronautik.

    Uncle Sam soll höchstens helfen

    Der 42-jährige Bridenstine steht für einen Privatisierungskurs, der nicht erst mit Trump begonnen hat, aber mit dessen Billigung wohl noch verstärkt wird. Nach seiner Philosophie soll sich der Staat weitgehend aus der Raumfahrt zurückziehen und privaten Unternehmern das Feld überlassen, Leuten wie Elon Musk, dem Hightech-Milliardär, der bei Tesla Elektroautos baut und bei SpaceX Raketen entwickelt. Uncle Sam möge allenfalls Hilfestellung leisten, etwa in Form von Militärstützpunkten, auf denen die Abschussrampen rund um die Uhr bewacht werden.

    Dass dem dreifachen Vater jeder kosmische Ehrgeiz fehlt, kann man freilich nicht sagen. In Washington gehörte er zu den Initiatoren eines ambitionierten Gesetzes, in dessen Präambel steht, dass die USA im Wettlauf mit Russen, Chinesen und Europäern die führende Weltraumnation bleiben müssen. Nur eben, so heißt es in der nächsten Passage, indem das Land die Kräfte "kommerzieller Innovation" entfessle.

    Einst Pilot der Kriegsmarine, flog Bridenstine von einem Flugzeugträger aus Einsätze im Irak und in Afghanistan. Von 2008 bis 2010 leitete er ein auf Luft- und Raumfahrt spezialisiertes Museum in Tulsa, der Industriemetropole Oklahomas, ehe er 2012 ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Nichts in seiner Berufsbiografie, meinen Kritiker wie Nelson und Rubio, spricht dafür, ihn an die Spitze der Nasa zu setzen. (Frank Herrmann, 3.9.2017)

    • Nicht alle sind glücklich darüber, dass Jim Bridenstine künftig die Nasa führen soll.
      foto: bridenstine.house.gov

      Nicht alle sind glücklich darüber, dass Jim Bridenstine künftig die Nasa führen soll.

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