Schmeichelhafter deutscher Sieg in Tschechien

1. September 2017, 22:52
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Hummels-Kopfball zwei Minuten vor Schluss zum 2:1 – weiße Weste auch nach siebenter Partie unbefleckt – Dänen düpieren Polen – England mit Mühe gegen Malta

Prag – Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht unmittelbar vor der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw gewann am Freitagabend in Prag gegen Tschechien mit 2:1 (1:0) und kann nach dem siebenten Sieg im siebenten Spiel der Gruppe C bereits am kommenden Montag gegen Norwegen vorzeitig das WM-Ticket lösen.

Timo Werner (4.) und Mats Hummels (88.) trafen für Deutschland, Vladimir Darida (78.) hatte zwischenzeitlich für die engagierten Gastgeber ausgeglichen. Tschechien liegt nach der zweiten Niederlage der Qualifikation in der Gruppe C auf Platz drei und hat kaum noch Chancen auf die Endrunde. Auf die zweitplatzierten Nordiren (3:0 in San Marino) fehlen bereits sieben Punkte. Norwegen (7) gab sich beim 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen Aserbaidschan keine Blöße und kletterte auf Rang vier.

Hummels war es auch, der das 1:0 einleitete, als er einen abgefangenen Ball gedankenschnell zu Vorbereiter Mesut Özil weiterleitete – Werner vollstreckte eiskalt. Der Leipziger, beim Confed-Cup-Triumph vor zwei Monaten Torschützenkönig, hatte den Vorzug vor Mario Gomez erhalten. Überzeugen konnte das deutsche Team jedoch nicht uneingeschränkt.

Nach dem Alptraumstart kamen die Tschechen besser in Tritt, immer wieder gelangen ordentliche Konter. In der zweiten Halbzeit waren sie gegen die fehlerhaften Gäste, die sich viele Ballverluste leisteten, die bessere Mannschaft. 17 tschechische standen elf deutschen Torschüssen gegenüber, der Ausgleich Daridas von Hertha BSC durch einen herrlichen Weitschuss war durchaus verdient. Zwei Minuten vor Schluss chippte dann Kroos einen Freistoß in den Strafraum, Hummels wuchtete den Ball mit einem Kopfstoß zum Sieg ins Netz. Löw: "Wir haben sehr viel Glück benötigt."

Ärger mit Fans

Hummels ging nach der Partie hart mit einigen deutschen Fans ins Gericht. "Katastrophe, ganz schlimm", sagte er über eine Gruppe von rund 200 Anhängern, die in der Eden Aréna fortwährend provozierte. Die Gruppe neben dem Auswärtsblock beleidigte den Deutschen Fußball-Bund (DFB), störte bei den Nationalhymnen und einer Schweigeminute für zwei verstorbene tschechische Fußballfunktionäre. Julian Brandt sprach überdies von "Gesängen mit nationalsozialistischem Hintergrund". Daher verweigerte die Mannschaft nach Spielschluss auch den obligatorischen Gang zu den eigenen Anhängern.

Dänen fertigen Leader Polen ab

In Pool E schob sich die Spitze dagegen zusammen, weil Dänemark für die größte Überraschung des Abends sorgte. Die Skandinavier schlugen Polen (16 Punkte) in Kopenhagen überraschend deutlich 4:0 (2:0) und rückten damit ebenso wie Montenegro (3:0 in Kasachstan) bis auf drei Punkte an die Mannschaft um Bayern-Superstar Robert Lewandowski heran.

Rumänien siegte gegen Armenien durch ein Tor des Mainzers Alexandru Maxim in der ersten Minute der Nachspielzeit mit Ach und Krach 1:0 (0:0). Dabei spielten die Gäste nach einer Gelb-Roten Karte für Taron Voskanyan (54.) mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl. Rumänien (9) steht damit als Vierter nun drei Punkte vor den Armeniern auf Rang fünf.

Englischer Sommerkick

In Gruppe F hatte England auf Malta lange Zeit seine liebe Not. Harry Kane löste den gordischen Knoten für die Briten in der 53. Minute. Späte Tore durch Ryan Bertrand (85.), Danny Welbeck (91.) und abermals Kane (92.) sorgten doch noch für einen klaren 4:0-Erfolg. Die Engländer halten somit bei 17 Punkten. Schottland (11) hatte in Litauen (3:0) keine Mühe. Die Schotten rückten auf den dritten Platz vor und liegen punktegleich mit Slowenien vier Punkte hinter der Slowakei, die gegen die Slowenen zu einem späten Heimsieg kam. Adam Nemec erzielte den entscheidenden Treffer in der 81. Spielminute.

Die neun Gruppensieger qualifizieren sich direkt für die Endrunde, die acht besten Tabellenzweiten spielen in den Play-offs vier weitere WM-Teilnehmer aus. (red, APA – 1.9. 2017)

Ergebnisse vom Freitag:

Gruppe E – 7. Runde:

Kasachstan – Montenegro 0:3 (0:1) Astana. Tore: Vesovic (31.), Beqiraj (53.), Simic (63.)

Dänemark – Polen 4:0 (2:0) Kopenhagen. Tore: Delaney (15.), Cornelius (42.), Jörgensen (59.), Eriksen (79.)

Rumänien – Armenien 1:0 (0:0) Bukarest. Tor: Maxim (91.)

Gruppe F – 7. Runde:

Litauen – Schottland 0:3 (0:2) Vilnius. Tore: Armstrong (25.), Robertson (30.), McArthur (72.)

Malta – England 0:4 (0:0) Ta'Qali. Tore: Kane (53.,92.), Bertrand (85.), Welbeck (91.)

Slowakei – Slowenien 1:0 (0:0) Trnava. Tor: Nemec (81.)

Gruppe C – 7. Runde:

Tschechien – Deutschland 1:2 (0:1) Prag. Tore: Darida (78.) bzw. Werner (4.), Hummels (88.)

Norwegen – Aserbaidschan 2:0 (1:0) Oslo. Tore: King (32./Elfmeter), Sadiqov (59./Eigentor)

San Marino – Nordirland 0:3 (0:0) Serravalle. Tore: Magennis (70.,75.), Davis (78./Elfmeter)

  • In seiner diesmal etwas pomadigen Elf hätte diesmal auch Joachim Löw eine gute Figur gemacht.
    foto: reuters/cerny

    In seiner diesmal etwas pomadigen Elf hätte diesmal auch Joachim Löw eine gute Figur gemacht.

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