Antonio Fian: Hundstage

1. September 2017, 18:00
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Spätsommer 2017. Parkplatz vor einem Lebensmittelmarkt in einer Kärntner Bezirksstadt. Grelles Sonnenlicht. Brütende Hitze.

(Vor einem Kombi mit geöffneter Heckklappe ein Ehepaar um die sechzig. In seinem Einkaufswagen, übereinandergestapelt, drei Kisten Bier. Der Mann hebt die oberste Kiste aus dem Wagen und stellt sie ins Auto. Die Frau, den Einkaufswagen festhaltend, blickt zum Horizont.)

DIE FRAU: Woltan schwoaz, ha?

(Der Mann hält inne und blickt ebenfalls zum Horizont.
Zwei Sekunden.
Er nickt, wendet sich ab und hebt die zweite Kiste aus dem Einkaufswagen.)

DIE FRAU: Manst, wead kummen?

(Der Mann stellt die Bierkiste ins Auto und blickt zum Horizont.
Zwei Sekunden.)

DER MANN: Wead kummen.

(Er hebt die dritte Bierkiste aus dem Einkaufswagen.)

DIE FRAU: Manst, wüld?

(Der Mann hält inne und blickt zum Horizont.
Vier Sekunden.)

DER MANN: Wüld.

(Er stellt die Bierkiste ins Auto und schließt die Hecktür.)

DIE FRAU: Manst, geht noch aus, Wagele zruckbringen?

DER MANN: Wiavül is drin?

DIE FRAU: Zwa Eiro.

(Der Mann blickt zum Horizont.
Zwei Sekunden.)

DER MANN: Wol wol.

(Er öffnet die Fahrertür, steigt ein, schließt die Tür.
Die Frau mit dem Einkaufswagen ab.
Pause. Es wird dunkler.
Ein plötzlicher Windstoß.
Es wird noch dunkler.
Vorhang)

(Antonio Fian, 2.9.2017)

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