Österreich mit alternativlosem Optimismus nach Wales

1. September 2017, 17:52
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Vor dem Duell in Cardiff stehen beide Mannschaften unter Druck, Teamchef Koller hat ein "gutes Gefühl"

Wien/Cardiff – Das Spiel vor dem Spiel neigt sich dem Ende zu. Österreichs Fußballnationalmannschaft ist am Freitag nach Cardiff geflogen und dort auch gelandet. Somit ist die letzte Voraussetzung für das Zustandekommen der WM-Qualifikationspartie am Samstag gegen Wales erfüllt. Der Optimismus ist so groß wie alternativlos, pessimistische Kicker kann kein Land brauchen. Teamchef Marcel Koller sagte noch in Wien, er habe ein "gutes Gefühl", die Vorbereitung sei vorzüglich gewesen. Man sei sich der Lage durchaus bewusst. "Wir gehen wie in jedes andere Spiel auch, wollen drei Punkte."

Die sind vonnöten, nach sechs von zehn Runden auf der Reise zur WM in Russland schaut es in der Gruppe D zwar nicht stockfinster, aber doch eher düster aus. Acht Zähler sind um vier weniger, als Serbien und Irland haben, Wales teilt exakt das österreichische Los, insofern kann der Druck in Cardiff paritätisch geteilt werden. Koller: "Es wäre gut, wenn wir gewinnen. Aber der Druck ist nicht so groß, dass er uns niederdrückt und wir nicht mehr spielen können." Generell habe er den Eindruck, "dass die Öffentlichkeit schon einmal pessimistischer war".

Um seine Person, seine Befindlichkeiten, gehe es nicht: "Ich bin auch schon weggeschickt worden, von daher weiß ich, was abgeht. So ist das Geschäft." Des Schweizers Vertrag endet im November, im Falle der WM-Teilnahme würde er sich automatisch verlängern.

Viererkette wahrscheinlich

"Druck", sagte Aleksandar Dragovic, "Druck hat man auch, wenn man die Straße überquert." Der 26-Jährige hat Minuten vor Transferschluss den Verein gewechselt, Leicester City hat ihn von Bayer Leverkusen für eine Saison ausgeliehen, Kaufoption inklusive. Das war eine Art Erlösung, das Spiel "Wer will mich?" fand ein Happy End. Ex-Teamkapitän Christian Fuchs hat nun einen Landsmann an der Seite. Dragovic vermochte sich in Leverkusen nicht durchzusetzen, Zeit für eine Ursachenforschung nahm er sich nicht. "Es geht um Wales." Und künftig um die englische Premier League. "Die war mein Kindheitstraum. Es wartet ein neues Kapitel. Alles beginnt bei null." Die Partie im Cardiff City Stadium beginnt um 20.45 Uhr, geleitet wird sie vom Rumänen Alin Hategan.

Koller, der sich über den Wechsel von Dragovic freut ("Gut, dass er nun weiß, wo er hingehört"), hat die Aufstellung selbstverständlich nicht verraten, das ist pädagogisch wertvoll, das Raten und Rätseln ist ja nicht frei von Spaß. Eine zulässige Vermutung schaut so aus: Lindner im Tor, Viererkette mit Lainer, Prödl, Dragovic und Hinteregger, Ilsanker und Kapitän Baumgartlinger bilden das defensive Mittelfeld, Sabitzer, Alaba und Arnautovic das offensive, Harnik macht die zentrale Spitze. Koller kann, muss sich aber nicht daran halten. Sebastian Prödl sagte jedenfalls: "Ich habe in unserer Gruppe noch keinen Gegner gesehen, der besser ist als wir." Es gibt halt welche, die mehr Punkte haben.

Zuversichtlicher Coleman

Der walisische Teamchef Chris Coleman verströmt Zuversicht, die ist ebenfalls alternativlos. Das Stadion wird mit 33.000 Zuschauern gefüllt, die Atmosphäre dicht sein. "Wir werden unsere Fans nicht im Stich lassen." Wales stellt viele gute und zwei außergewöhnliche Fußballer, es sind Gareth Bale von Real Madrid und Aaron Ramsey von Arsenal. Ramsey fehlte beim 2:2 in Wien, diesmal sind Joe Allen und Neil Taylor gesperrt. Es ist nicht sehr originell, aber überhaupt nicht von der Hand zu weisen, wenn Coleman behauptet: "Bale kann für uns den Unterschied ausmachen." Koller und alle seine Untertanen bestätigen das: "Bale und Ramsey sind hervorragend, wie müssen sie gemeinsam in den Griff bekommen."

Es ist ein äußerst intensives, von vielen Zweikämpfen geprägtes Beisammensein zu erwarten. Koller setzt neben dem körperlichen Widerstand auch auf fußballerische Akzente. "Wir müssen alles abrufen und reinhauen."

Coleman und Koller sagten, getrennt voneinander befragt: "Wir haben bessere Chancen, als viele glauben. Wir haben vor niemandem Angst." (Christian Hackl, 1.9.2017)

Mögliche Aufstellungen:

WM-Qualifikation/Gruppe D/7. Runde:
Wales – Österreich (Cardiff, Cardiff City Stadium, 20.45 Uhr MESZ/live ORF eins, SR Ovidiu Alin Hategan/ROM)

Wales: Hennessey (Crystal Palace) – Chester (Aston Villa), A. Williams (Everton), B. Davies (Tottenham) – Gunter (Reading), Ledley (vereinslos), Ramsey (Arsenal), King (Leicester City), Richards (Cardiff) – Bale (Real Madrid), Robson-Kanu (West Bromwich Albion)

Ersatz: Ward (Liverpool), A. Davies (Barnsley) – Collins (West Ham), Lockyer (Bristol), Ampadu (Chelsea), Edwards (Reading), Evans (Wolverhampton), J. Williams (Crystal Palace), Watkins (Norwich), Vokes (Burnley), Lawrence (Derby County), Woodburn (Liverpool)

Es fehlen: Allen, Taylor (beide gesperrt), Huws (Achillessehnenverletzung)

Österreich: Lindner (Grasshoppers Zürich/11 Länderspiele) – Lainer (Red Bull Salzburg/2/0 Tore), Prödl (Watford/63/4), Dragovic (Leicester City/57/1), Hinteregger (FC Augsburg/25/2) – Baumgartlinger (Bayer Leverkusen/54/1), Ilsanker (RB Leipzig/23/0) – Sabitzer (RB Leipzig/27/4), Alaba (Bayern München/57/11), Arnautovic (West Ham/62/15) – Harnik (Hannover/66/15)

Ersatz: Bachmann (Watford/0), Kuster (SV Mattersburg/0) – Bauer (Rubin Kasan/0), Danso (FC Augsburg/0), Wöber (Ajax Amsterdam/0), Grillitsch (1899 Hoffenheim/2/0), Hierländer (Sturm Graz/0), Kainz (Werder Bremen/2/0), Laimer (RB Leipzig/0), Schaub (Rapid Wien/2/0), Gregoritsch (FC Augsburg/3/0), Janko (Sparta Prag/63/28)

Es fehlen: Burgstaller (Fußprellung), Junuzovic (Achillessehnenprobleme), Schöpf, Almer (beide im Aufbautraining nach Knieverletzung), Lazaro (Knöchelverletzung), Stangl (Muskelverletzung), Lukse (Schulterverletzung)

Parallelspiele (jeweils 18.00 Uhr MESZ):

Serbien – Republik Moldau,
Georgien – Irland

  • Am 6. Oktober 2016 war Dragovic in Wien hochmotiviert, Bale schaute weg, Robson-Kanu spürte es – Endstand: 2:2.
    foto: apa/afp/klamar

    Am 6. Oktober 2016 war Dragovic in Wien hochmotiviert, Bale schaute weg, Robson-Kanu spürte es – Endstand: 2:2.

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