Glosse "Wortkunde": Mauern

    Glosse2. September 2017, 09:00
    5 Postings

    Wenn sie nicht gerade zur ostentativ unfreundlichen Abgrenzung verwendet werden, sind Mauern ein nützliches und eher neutrales Feature

    Der orange Mann im Weißen Haus lässt nicht locker. Diese Woche hat Donald Trump die ersten Aufträge für den Bau seiner Mauer vergeben, mit dem er mexikanisches und sonstiges Gesindel daran hindern will, sich klandestin in God's Own Country einzuschleichen.

    Ob's nützt, ist fraglich, und Zyniker behaupten, dass es keine bessere Möglichkeit gebe, den Markt für zehn Meter lange Leitern in Mexiko anzukurbeln als den Bau einer neun Meter hohen "Wall" an der Südgrenze der USA. Während Ronald Reagan einst Gorbatschow aufforderte, die (Berliner) Mauer einzureißen ("Tear down this wall"), will sich Trump mit aller Macht als Mauerbauer in die Geschichte einschreiben.

    Nach Chinesischer Mauer und Hadrianswall doppelt der Orange mit Donald's Wall noch einen drauf. Fraglich ist nur, ob der Kongress überhaupt das Geld für Trumps Renommierprojekt bewilligen wird, widrigenfalls sich der Herr Präsident seine Mauer aufmalen könnte.

    Wenn sie nicht gerade zur ostentativ unfreundlichen Abgrenzung verwendet werden, sind Mauern ein nützliches und eher neutrales Feature. Sie schützen vor Wind, Wetter und Einbrechern und machen das Leben so angenehmer. Eine tragende Rolle spielen Mauern im Gefängnisfilm, wo der uralte Kampf Mensch gegen Mauer in immer neuen Variationen durchdekliniert wird. Das Epos vom Gefangenen, der in jahrelanger Arbeit mit dem Besteck ein Loch in die Mauer kratzt, um in die Freiheit zu gelangen, wird immer wieder gern gesehen.

    Wortgeschichtlich, so Kluges "Wörterbuch", stammt die Mauer aus dem Lateinischen ("Murus"), mit dem Steinbau der Römer kam sie zu den Germanen, die sich bis dahin mit der geflochtenen, lehmverschmierten "Wand" beholfen hatten. Von der Wand wurde auch das weibliche Genus auf den maskulinen Murus übertragen.

    Die im übertragenen Sinn gebrauchte Mauer finden wir etwa bei der "Mauer des Schweigens" und natürlich im Fußball, wo nebeneinanderstehende Spieler eine Mauer zu simulieren versuchen. Vielleicht nimmt sich Trump ein Beispiel und stellt sich selbst als Mauer an die Grenze, wenn es mit der Finanzierung nicht klappt. (Christoph Winder, 2.9.2017)

    • Mauern: Sie schützen vor Wind, Wetter und Einbrechern und machen das Leben so angenehmer.
      foto: reuters / soe zeya tun

      Mauern: Sie schützen vor Wind, Wetter und Einbrechern und machen das Leben so angenehmer.

    Share if you care.