Patenttroll klagt Kaspersky, muss am Ende selber zahlen

    3. September 2017, 09:00
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    5.000 Dollar für Einstellung des Verfahrens – Sicherheitsanbieter wollte nicht nachgeben

    Sie sind die wohl unbeliebtesten Akteure im Tech-Business: Patenttrolle. Dabei handelt es sich um Firmen, die sich darauf spezialisieren, möglichst breit anwendbare Technologie-Patente zu sichern und andere Firmen wegen deren mutmaßlicher Verletzung zu klagen. Weil das Führen von Prozessen eine teure Angelegenheit und das Patentrecht komplex ist, geht das Geschäftsmodell auf. Denn viele Opfer einigen sich lieber auf eine außergerichtliche Zahlung, als sich auf einen Prozess einzulassen.

    Eine der Firmen, die auf diese Weise zu Geld kommen, ist Wetro Lan. Sie verfügt über ein Patent aus dem Jahr 2000, das im Kern die Funktion einer Firewall beschreibt. Dutzende Firmen, die entsprechende Software und Geräte herstellen, wurden mit Klagen eingedeckt. Auch bei Kaspersky trudelte eine juristische Drohung ein. 60.000 Dollar wurden gefordert, um das Verfahren einzustellen. Doch es kam anders.

    Dubioses Patent

    Chefanwalt Casey Kniser ließ sich darauf aber nicht ein, berichtet Ars Technica. Zum einen ist das Konzept der Firewall bereits seit den 1980er-Jahren bekannt. Zum anderen beschrieb das Dokument von Wetro Lan einen Schutzschirm, der im Gegensatz zum Kaspersky-Produkt nicht konfiguriert werden kann.

    Die Patenttrolle versuchten dagegen zu argumentieren und erklärten etwa, dass die Firewall von Kaspersky nur "ein bisschen konfigurierbar" sei. Mit der Zeit sanken die Forderungen allerdings auf 10.000 Dollar. Doch auch diesen Betrag wollte Kaspersky nicht herausrücken.

    Troll zahlt für Beilegung

    Stattdessen drohte nun das Sicherheitsunternehmen, den Prozess fortzuführen, wenn Wetro Lan nicht 10.000 Dollar für eine Beilegung überweise. Offensichtlich eine klare Niederlage erwartend, gab man klein bei. Letztlich wurde das Verfahren für 5.000 Dollar beigelegt. Den Verlauf des Falles aus eigener Sicht schildert Firmenchef Eugene Kaspersky in einem Blogeintrag. Er empfiehlt Gegenangriff als beste Strategie.

    Es ist nicht der erste Patenttroll, der sich bei Kaspersky eine blutige Nase holt. Eine Firma namens Lodsys verlangte 2013 Geld für die angebliche Verletzung eines Patentes zu In-App-Käufen. Nachdem sich der Sicherheitsanbieter allerdings weigerte, zog man die Klage kurz vor Prozessbeginn kleinlaut zurück. Nach eigenen Angaben hat Kaspersky mittlerweile fünf derartige "Angriffe" erfolgreich abgewehrt. (03.09.2017)

    • Wetro Lan hat sich bei Kaspersky eine blutige Nase geholt.
      foto: reuters

      Wetro Lan hat sich bei Kaspersky eine blutige Nase geholt.

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