Nur ein Grad Celsius mehr führt zu dramatischem Wandel in der Tierwelt

    5. September 2017, 10:33
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    Experiment zeigt, wie schnell Artengemeinschaften durch den Klimawandel völlig aus dem Gleichgewicht kommen

    Cambridge – Der Einfluss des Klimawandels auf die Ökosysteme im Antarktischen Ozean wurden bisher offenbar gewaltig unterschätzt. Ein vor Ort durchgeführtes Experiment führte Wissenschaftern vor Augen, dass bereits geringere Änderungen bei der Wassertemperatur bisher ungeahnte Umwälzungen bei der Artenzusammensetzung der Fauna herbeiführt – und zwar binnen weniger Wochen.

    Gail Ashton und ihre Kollegen vom British Antarctic Survey haben auf dem Meeresgrund bei der Rothera-Station vor der Küste der Adelaide-Insel nahe der Antarktischen Halbinsel Heizelemente installiert, die eine dünne bodennahe Wasserschicht um ein bzw. zwei Grad Celsius erwärmt. Dies entspricht der prognostizierten Temperaturerhöhung in den kommenden Jahrzehnten.

    Verblüffender Wandel

    "Ich war ziemlich überrascht über die Ergebnisse, die wir erhielten", sagte Ashton. "Eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass sich bei einer so geringen Temperatursteigerung beobachtbare Veränderungen ergeben würden." Tatsächlich aber war die festgestellte Neuordnung der lokalen Biologie geradezu dramatisch: In jenem Bereich, wo das Wasser um ein Grad Celsius erwärmt wurde, begann sich eine einzelne Art von Moostierchen, Fenestrulina rugula, binnen kurzer Zeit explosionsartig zu vermehren.

    Innerhalb von nur zwei Monaten dominierte die Spezies das Ökosystem, während sich die Verteilung und Diversität der übrigen Fauna erheblich reduzierte, schreiben die Wissenschafter im Fachjournal "Current Biology". Darüber hinaus wurden Vertreter des marinen Borstenwurms Romanchella perrieri im Schnitt um 70 Prozent größer als ihre Artgenossen im Bereich jenseits des Versuchsareals.

    Schwerwiegende Folgen

    Die Reaktionen auf eine Temperaturerhöhung um zwei Grad Celsius waren noch viel umfangreicher, wobei das beschleunigte Größenwachstum zahlreicher Arten besonders hervorstach. Die Forscher schließen aus dem Feldversuch, dass der erwartete Temperaturanstieg im Südpolarmeer einen anderen und vor allem bedeutend schwerwiegenderen Effekt auf die marinen Ökosysteme haben werden als bislang angenommen. Um ihre Resultate zu untermauern, wollen Ashton und ihr Team die Experimente ausweiten und an einigen anderen Stellen erneut durchführen. (tberg, 5.9.2017)

    • Ein Taucher überwacht das Wärme-Experiment auf dem Meeresgrund vor der Insel Adelaide. Die Versuche ergaben ungeahnte Veränderungen bei der Artenzusammensetzung bei nur geringen Temperatursteigerungen.
      foto: gail ashton

      Ein Taucher überwacht das Wärme-Experiment auf dem Meeresgrund vor der Insel Adelaide. Die Versuche ergaben ungeahnte Veränderungen bei der Artenzusammensetzung bei nur geringen Temperatursteigerungen.

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