James-Webb-Teleskop wird auf mögliche Ozeanwelten in unserem Sonnensystem gerichtet

    1. September 2017, 10:51
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    Europa und Enceladus sind zwei Eismonde, die Astronomen besonders interessieren

    foto: afp photo/nasa/jpl-caltech/space science institute
    Saturnmond Enceladus besteht vermutlich großteils aus Wassereis.

    Greenbelt – Noch gut ein Jahr, dann ist Bescherung: Im Oktober 2018 soll mit dem James Webb Space Telescope von NASA, ESA und kanadischer Weltraumagentur der informelle Nachfolger des Hubble-Teleskops ins All starten – angeblich 100 Mal leistungsfähiger als Hubble.

    Nach und nach gab die NASA Details zum ersten, etwa einjährigen Beobachtungszyklus nach der Inbetriebnahme bekannt. Dazu gehört auch ein Programm von "Guaranteed Time Observations" für Wissenschafter, die an Design und Bau der Messinstrumente des Teleskops beteiligt waren. Zu den Himmelskörpern, die in dieser Phase genauer untersucht werden sollen, werden laut dem Goddard Space Flight Center auch die "Ozeanwelten" unseres Sonnensystems gehören.

    Gemeint sind damit konkret Jupitermond Europa und Saturnmond Enceladus. Beide sind von einer Eiskruste bedeckt, zeigen Anzeichen für kryovulkanische Aktivität und lassen Astronomen hoffen, dass sich unter dieser Kruste eine Schicht flüssigen Wassers befindet: Ozeane also, die theoretisch sogar lebensfreundliche Bedingungen bieten könnten.

    foto: ap/nasa
    Das "andere" Europa; am unteren Rand sieht man etwas, das Eisfontänen sein könnten – gesichert ist dies aber noch nicht.

    Bisher haben vor allem Hubble sowie die Raumsonden Galileo und Cassini-Huygens wertvolle Daten über die beiden Eismonde geliefert. James Webb kann darauf aufbauen und mit seiner für den Bereich des nahen Infrarots ausgelegten Kamera NIRCam sogar hochauflösende Bilder vom uns näheren Mond Europa machen. Auf diesen Aufnahmen ließen sich wärmere Regionen unter der eisigen Oberfläche erkennen, die auf geologische Aktivitäten schließen lassen würden.

    Mit dem Instrument NIRSpec ("near-infrared spectograph") wiederum ließen sich die Eisfontänen untersuchen, die die beiden Monde ausstoßen – das Hauptinteresse gilt dabei der Frage, ob sich darin organische Partikel befinden. Allerdings brauchen die Forscher dafür eine Portion Glück, dass das Teleskop während des Untersuchungszeitraums tatsächlich eine solche Fontäne erspäht, wie Projektleiter Geronimo Villanueva einräumt.

    Noch weiter gedacht, kann das Teleskop wertvolle Daten für eine spätere Naherkundung der Eis- respektive Ozeanwelten liefern. Davon sind bereits zwei in Planung: Die NASA will in der Mission Europa Clipper mehrere Vorüberflüge an Europa durchführen und eventuell sogar eine Sonde auf dem Mond absetzen, die sich in die Eiskruste bohrt. Und auch die ESA will im Rahmen der Mission JUICE zwei Vorbeiflüge an Europa durchführen – angepeilt ist dafür das Jahr 2030. (red, 1. 9. 2017)

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