Forscher finden Erklärung für bitterkalte Winter während der Kleinen Eiszeit

3. September 2017, 12:44
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Bislang wenig beachtete Vulkanausbrüche könnten die ozeanische Zirkulation beeinflusst und so eine Kettenreaktion ausgelöst haben

Hamburg – Mittlerweile haben wir uns in unseren Breiten an milde Winter gewöhnt und hegen verblassende Erinnerungen an Jahrzehnte, in denen der Winter noch grimmig kalt werden konnte – nicht nur in kurzen Ausnahmephasen, sondern für lange Zeit. Aber selbst diese konnten nicht mit den Wintern während der sogenannten Kleinen Eiszeit in den drei Jahrhunderten vor der industriellen Revolution mithalten. Forscher präsentierten nun ein neues Erklärungsmodell für die damaligen Temperaturverhältnisse, berichtet das Max-Planck-Institut für Meteorologie.

Zirkulationen

Eine Gruppe um den Max-Planck-Forscher und Studienerstautor Eduardo Moreno-Chamarro berichtet in "Scientific Reports", dass Änderungen in der Ozeanzirkulation des Nordatlantiks eine entscheidende Rolle spielten, insbesondere solche des Subpolaren Wirbels. Dabei handelt es sich um einen gegen den Uhrzeigersinn rotierenden Wirbel, der den Wärmetransport vom Atlantik in die Norwegische See und in den Arktischen Ozean steuert.

Laut Moreno-Chamarros Klimamodell war der Wirbel während der Kleinen Eiszeit geschwächt. Das bedingte eine langandauernde Abkühlung des oberen Ozeans im hohen Norden und eine Zunahme der eisbedeckten Flächen, insbesondere in der Barents-See. Die verstärkte Meereisbedeckung wiederum beeinflusste die Zirkulation der Atmosphäre und stabilisierte Hochdruckwetterlagen über Skandinavien.

Was uns grimmige Kälte beschert

Und es sind genau solche langandauernden Hochdruckwetterlagen über Skandinavien, die uns grimmige Kälte bescheren. Sie bringen zum einen kalte kontinentale Luft aus den Flächen Russlands heran und drängen zum anderen die Tiefdruckgebilde, die Westeuropa normalerweise Feuchtigkeit und Wärme bringen, nach Norden ab. Dieser Effekt tritt auch heute noch immer wieder auf – nur nicht so lange und massiv wie in der Kleinen Eiszeit.

Was aber hat die Zirkulation im Ozean so stark beeinflusst? Die Autoren vermuten in ihrer Studie, dass eine Anzahl von Vulkanausbrüchen Ende des 16. Jahrhunderts als wahrscheinlichsten Grund. "Diese Ereignisse waren viel schwächer als zum Beispiel der prominente Ausbruch des Tambora 1815, der zu dem bekannten 'Jahr ohne Sommer' 1816 geführt hat", sagt Moreno-Chamarro. In Summe hätten sie aber einen ausreichend starken Effekt gehabt, das Klima in Europa für Jahrhunderte zu prägen. (red, 3. 9. 2017)

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