Heute ist der Traum von der Hajj leichter erfüllbar

31. August 2017, 06:02
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Früher war die Pilgerfahrt eine lange und riskante Unternehmung

Die Wallfahrt nach Mekka ist eine der fünf Säulen des Islam, und jeder Muslim, jede Muslimin sollte sie – nach Möglichkeit – einmal im Leben absolvieren. In früheren Zeiten dauerte eine Pilgerfahrt von den Rändern der islamisch geprägten Welt Monate und sogar Jahre, zum Beispiel dann, wenn sich der Reisende den Lebensunterhalt und Transport auf der Reise erst selbst verdienen musste. Deshalb blieb die Hajj für die Mehrheit der Muslime ein unerfüllter Traum.

Im Zeitalter der Charterjets – und der wachsenden Islamisierung – ist die Zahl der Pilger stark gestiegen. Manche Gläubige fahren mehr als einmal in ihrem Leben zu den heiligen Stätten im heutigen Saudi-Arabien. Im Jahr 2012 stieg die Zahl erstmals auf mehr als drei Millionen, sodass sich die saudischen Behörden veranlasst sahen, eine Decke einzuziehen, die bei etwa zwei Millionen liegt.

In sehr alten Berichten über die Hajj fehlen nicht die Schilderungen von Skeletten von Menschen und Tieren, die die Reiseroute durch die Wüste säumten. Sehr früh wurde deshalb eine von Funktionären überwachte Infrastruktur des Pilger-Karawanenwesens geschaffen, auf die sich die Pilger stützen konnten. Auch für ihre religiöse Instruktion wurde gesorgt. Trotzdem blieb so eine Hajj eine riskante Sache. Hunderte, manchmal tausende Pilger starben an Hitze und Durst.

Cholera-Epidemien

Ein technologischer Schritt, der die Pilgerzahlen etwa aus Indien drastisch erhöhte, wurde im 19. Jahrhundert mit der Einführung der Dampfschifffahrt getan – was andererseits direkt ins Zeitalter der großen Cholera-Epidemien führte. Das zog wiederum sanitäre Maßnahmen mit sich, die den Pilgern die Reise jedoch oft erst recht zur Hölle machten. Direkt von den überfüllten Schiffen wurden sie in Quarantänelager gesteckt, wo sie wochenlang ausharren mussten.

Der Pilgertransport war für viele ein einträgliches Geschäft. Mohammed Asad, als Leopold Weiss 1900 in Lemberg geboren, schildert seine Reise im Jahr 1927, bei der in buchstäblich jeder Nische seines Schiffs menschliche Körper steckten. Für Asad war es jedoch eine Inspiration: die absolute Ergebenheit dieser Menschen, die alles erduldeten, nur um nach Mekka zu kommen.

Wichtigsten Geschäft

Vor dem Erdölzeitalter war die Hajj das wichtigste Geschäft der Herrscher von Mekka – und das waren, bis sie 1925 von der Familie Saud hinausgeworfen wurden, Hunderte Jahre lang die Haschemiten, die heute im, nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen Jordanien, regieren.

Der Sharif von Mekka war ab 1517 ein Untertan Istanbuls, behielt aber auch unter den Osmanen eine gewisse lokale Autonomie. Der Haschemit Hussein bin Ali rebellierte ab 1916 gegen die Türken, nachdem die Briten ihm ein unabhängiges arabisches Reich versprochen hatten. (Gudrun Harrer, 31.8.2017)

WISSEN: Pilger sind ständig in Bewegung

Die große Herausforderung für die Hajj-Logistiker besteht darin, dass die Menschenmassen stets in Bewegung sind, die mehrtägigen Rituale finden an unterschiedlichen Orten statt, dabei legt der Pilger rund 25 Kilometer zurück. Die meisten Pilger machen zuerst den Tawaf (siebenmalige Umrundung der Kaaba in der großen Moschee in Mekka). Innerhalb der Anlagen gibt es den siebenmaligen Gang zwischen den Hügeln Safa und Marwa. Weiter geht es nach Mina zum Beten, bevor man nach Arafat weiterzieht, dem am weitesten entfernten Punkt. Nach Sonnenuntergang geht es auf dem Rückweg bis Muzdalifa, mit den dort gesammelten Steinen wird am nächsten Tag bei Mina die Steinigung des Teufels vorgenommen. Damit bricht das Opferfest an. Nach der Rückkehr nach Mekka wird noch ein Abschieds-Tawaf vollzogen. (guha)

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