Wie wir uns die Klimakrise schönreden – und was zu tun ist

30. August 2017, 17:24
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Wie wir über die Erhitzung der Erde sprechen, beeinflusst unser Denken massiv, sagt Elisabeth Wehling

Alpbach – Seit Donald Trump Präsident der USA ist, dürfen Mitarbeiter der Umweltagentur EPA das Wort Klimawandel nicht mehr verwenden. Der Immobilienmagnat hält die Erhitzung der Erde nicht für menschengemacht und will so die Debatte umlenken. Dass das funktionieren kann, bestätigen Arbeiten der Neurolinguistin Elisabeth Wehling, die sie am Mittwoch beim Forum Alpbach vorstellte.

foto: apa/dpa/julian stratenschulte
Erwärmt sich die Erde, oder erhitzt sie sich? Das macht einen Unterschied.

Wie wir sprechen, beeinflusst, wie wir denken. Spricht ein Politiker von einer schlechten Steuer, dann wird im Gehirn nichts ausgelöst. Ist aber von einer widerlichen Steuer die Rede, dann wird eine Region im Hirn aktiviert, die mit Ekel verbunden ist, sagt Wehling. Ähnlich verhält es sich mit der Klimakrise. Dazu brauche es nicht einmal Trump, der eine neue Diktion durchsetzen will. Auch die Art und Weise, wie in den Medien und von progressiven Politikern über das Thema gesprochen wird, verzerrt die Debatte.

So sprechen wir etwa von der Erderwärmung. "Wenn wir uns für etwas erwärmen", sagt Wehling, "ist das etwas Gutes. Wir sprechen auf einer Ebene, die eine positive Emotion auslöst." Wehling schlägt vor, von der Erderhitzung zu sprechen. Damit führe man die Leute nicht in die Irre, sondern gebe lediglich einen passenden Rahmen vor.

Die Klimakatastrophe

Ähnlich kritisch sieht sie den Begriff "Klimawandel". Ein Wandel könne etwas Positives oder Negatives sein, die Dinge würden sich ständig ändern, "das ist nichts Bedrohliches". Laut Wehling haben die Republikaner in den USA sogar aktiv daran gearbeitet, dass sich der Begriff Klimawandel verbreitet. Ihr Vorschlag: Man solle von der Klimakrise, -katastrophe oder -verschlechterung sprechen.

Aber der nächste Begriff ist schon dabei, sich zu verbreiten, sagt Wehling. Die Leute hinter Trump würden den Begriff "Wetterextreme" forcieren, das gehe aus geleakten E-Mails hervor.

foto: apa/expa/groder
Fühlte sich ertappt: Andrä Rupprechter.

Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP), der nach dem Vortrag mit Wehling diskutierte, hat sich beim Zuhören selbst ertappt, sagt er. "Ich rede viel über Wetterextreme." Es werde im Hintergrund an Begriffen gearbeitet, die man ungefiltert übernehme. Natürlich überlege sich auch die ÖVP, wie man über ein Thema spreche.

In den 1980ern habe man über das Waldsterben geredet, sagt Rupprechter, "das hat alle betroffen gemacht", das Sterben habe das Thema auf den Punkt gebracht. So sei das Problem schnell in den Griff zu bekommen gewesen. Es habe sich aber einiges getan, "vor zehn Jahren beschäftigte sich niemand ernsthaft mit dem Klima. Viel ist seither passiert." (Andreas Sator, 30.9.2017)

  • Die Neurowissenschafterin Elisabeth Wehling: "Besser von der Klimakrise reden."
    foto: heribert corn

    Die Neurowissenschafterin Elisabeth Wehling: "Besser von der Klimakrise reden."

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