Stanford-Professor: Silicon Valley in Europa möglich

    30. August 2017, 08:12
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    Auch im Silicon Valley in den 1960er-Jahren wollten Menschen lieber sicheren Job und nicht Firmen gründen

    Für den Stanford-Professor Bernard Roth ist der Aufbau einer IT-Metropole a la Silicon Valley in Europa möglich. "Es wird wahrscheinlich etwas anders und nicht gleich groß sein", sagte der 84-jährige Maschinenbauer und Buchautor beim Forum Alpbach. "Es ist nicht das Schwierigste auf der Welt, Firmen zu gründen."

    Das Silicon Valley werde man in Europa aber "nicht über Nacht nachbilden" können, etwa "die ganze Community und dortige Kultur", relativiert Roth. "Man benötigt auch eine Kultur, die das Scheitern unterstützt."

    Der Professor empfiehlt Firmen viel aus ihren Fehlern zu lernen. "Fehler sind ein Geschenk und dazu da etwas dazuzulernen." Es sei wichtig für Unternehmen neue Dinge auszuprobieren, auch wenn man damit scheitere. Viele Start-ups im Silicon Valley würden scheitern, aber es gehöre zur dortigen Kultur nicht wegen einer Pleite "aus dem Fenster zu springen", sondern wieder etwas Neues anzufangen.

    "Jeder ist kreativ"

    Auch Kreativität hält der Stanford-Professor für erlernbar. "Jeder ist kreativ, natürlich in einer unterschiedlichen Ausprägung." In Schulen, Unternehmen und Universitäten sollte man sich stärker mit kreativer Problemlösung beschäftigen.

    Der kalifornische Silicon Valley ist mit Firmen wie AMD, Apple, Cisco, Ebay, Google, Facebook, Hewlett-Packard, Intel, IBM, Oracle, Tesla und Yahoo der bedeutendste Standorte der IT- und High-Tech-Industrie.

    Roth hat den Aufstieg der US-amerikanischen Hightech-Metropole aus nächster Nähe erlebt. "Als ich ins Silicon Valley im Jahr 1962 kam, war es ein sehr anderer Ort. Viele Leute haben darüber gesprochen eine eigene Firma zu gründen, haben es aber nicht getan", beschreibt er die damalige Zeit. Sie arbeiteten für große Firmen wie IBM und andere heute nicht mehr existente Firmen. "Zu diesem Zeitpunkt haben die Menschen lieber einen sicheren Job angenommen und hatten Angst etwas selber auszuprobieren", so Roth. Mit der Zeit und erfolgreichen Gründungsbeispielen habe sich die Kultur geändert. "Die Leute waren dann mehr motiviert etwas auszuprobieren."

    Design Thinking

    Heute ist Roth noch als akademischer Direktor des Hasso Plattner Institute of Design an der Stanford University aktiv. In seiner akademischen Laufbahn hat er sich intensiv mit Kreativität beschäftigt und gilt als einer der Wegbereiter der kreativen Problemlösungsmethode "Design Thinking". Unternehmen wie Apple, Google, IBM, SAP und viele andere verwenden "Design Thinking". Es gehe darum, mit einem "frischen Blick" auf das Geschäftsmodell zu blicken und neue Ideen zu testen, so Roth. Nicht nur Ideen von Ingenieuren und Softwareentwicklern, sondern auch von Psychologen, Ökonomen und Anthropologen werden beim "Design Thinking" berücksichtigt. "Der Nutzer steht im Mittelpunkt."

    Roth verweist aber auch auf die negativen Seiten des Silicon Valley in Kalifornien mit explodierenden Miet- und Immobilienpreisen und immer länger andauernden Verkehrsstaus. Viele könnten sich keine Wohnung leisten und müssten weit pendeln. Es gebe sogar Obdachlose mit Job, die sich keine Unterkunft leisten könnten. Auch die Kunstszene habe sich von San Francisco wegen der Mietpreise nach Oakland verlagert. (APA, 30.8.2017)

    • Ein Silicon Valley wäre auch in Europa möglich – zu sehen ein Ausschnitt aus einer Oper über Steve Jobs
      foto: ap/howard

      Ein Silicon Valley wäre auch in Europa möglich – zu sehen ein Ausschnitt aus einer Oper über Steve Jobs

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