"Mario + Rabbids Kingdom Battle" im Test: Bizarr-ulkiger Strategie-Hit

    Rezension30. August 2017, 09:57
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    Durchdachte Spielmechanik und witzige Charaktere unterhalten junge und alte Strategen

    Ubisoft kündigte das rundenbasierte Strategiespiel "Mario + Rabbids Kingdom Battle" eben erst auf der vergangenen Branchenmesse E3 2017 an und bringt nun zwei Monate später erstmals ein Crossover der beiden Marken auf die Nintendo Switch. Hier verschmelzen die polarisierenden Hasen des "Raving Rabbids"-Franchises mit dem Pilzkönigreich aus dem "Super Mario"-Universum. Das Ergebnis ist ebenso bizarr wie auch humorvoll und bietet nicht nur jüngeren Spielern ein ulkiges Abenteuer, sondern auch erfahreneren Zockern. Ausschlaggebend dafür ist die ausgereifte und an Genreprimus "XCOM" orientierte, rundenbasierte Strategiemechanik, die im Laufe des Spiels erweitert wird.

    Story als Mittel zum Zweck

    Durch einen Unfall landen die Rabbids im Pilzkönigreich und verschmelzen teilweise mit Figuren und Objekten aus der Welt. Dadurch entstehen allerlei abstruse Formen von Mutanten-Hasen. Der Verantwortliche muss umgehend gestoppt werden, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird. Dafür schließt sich Mario mit zwei Kumpanen zusammen, um die böswilligen Rabbids zu besiegen und das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dabei tun sich sowohl "Mario"-Figuren als auch freundlich gesinnte Hasen zusammen. Der Humor aus "Raving Rabbids"-Spielen kommt in "Mario + Rabbids Kingdom Battle" auch in den knappen Cutscenes und Texten zur Geltung und sorgt für genug Unterhaltung zwischendurch.

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    "Mario + Rabbids Kingdom Battle" Trailer

    Bekannte Charaktere und neue Formen

    Im Kampf gegen die Häschen stehen dem Gruppen-Anführer Mario zwei weitere Charaktere zur Verfügung. Hier kann der Spieler aus insgesamt acht Figuren ein Team zusammenstellen, wobei jede von ihnen eigene Fähigkeiten mit in die Schlacht bringt. Neben Mario, Luigi, Peach und Yoshi gibt es noch vier Rabbids, die sich exakt wie die zuvor genannten Charaktere kleiden, jedoch andere Fertigkeiten besitzen. So macht es durchaus Sinn, seine Truppe je nach Situation neu zusammenzustellen. Außerhalb eines Kampfes ist dies ganz einfach über ein eigenes Menü möglich.

    Grundprinzip des Gameplays

    Ist das dreiköpfige Team erst einmal nominiert, kann die Schlacht beginnen. Das Gameplay von "Mario + Rabbids Kingdom Battle" ähnelt dem des Genre-Bruders "XCOM: Enemy Unknown" insofern, als die Auseinandersetzung rundenbasiert mit aufeinanderfolgenden Aktionen stattfindet. So wechselt die Initiative erst das Team, wenn alle Mitglieder eines Teams mit ihren Schritten durch sind. Eine Figur ist dabei allerdings nicht nur auf eine Aktion limitiert: Das Spiel erlaubt Mario und Co., sich auf dem gerasterten Spielfeld fortzubewegen und einen Angriff per Schuss- oder Nahkampfwaffe durchzuführen – in einem Zug. Zusätzlich kann eine zeitlich limitierte Spezialfähigkeit eingesetzt werden, die je nach Charakter variiert. Die Helden-Runde ist erst beendet, wenn alle Figuren die gewünschten Aktionen ausgeführt haben. Notfalls kann der Zug auch manuell für abgeschlossen erklärt werden. Danach übernimmt der Gegner die Initiative. Der Unterschied zu "XCOM" wird durch das große Maß an Freiheit erkennbar, denn die Reihenfolge der Moves bleibt dem Spieler überlassen. Während der Helden-Runde kann frei zwischen den Charakteren gewechselt werden. Das heißt, dass Mario nicht alle seine verfügbaren Aktionen durchführen muss, damit Luigi erste Anweisungen befolgen kann. Das Abenteuer kann wahlweise alleine oder im lokalen Zwei-Spieler-Koop erlebt werden.

    Vor einem Kampf gibt es zwei Optionen: strategisch planen oder direkt ins Getümmel. In "Mario + Rabbids Kingdom Battle" lohnt sich ersteres gerade in großflächigen Schlachten, da je nach Missionsziel vorgegangen werden sollte. Während Großteils alle Gegner besiegt werden müssen, gibt es auch Kämpfe, in denen eine markierte Fläche erreicht werden muss. Hier bleibt es gleich, ob Feinde überleben, solange eine Figur ins Ziel kommt.

    Unterschiedliche Moves

    Grundsätzlich ist das Spielfeld frei begehbar, während niedrige bis hohe Verstecke genutzt werden können, um sich vor gegnerischen Angriffen zu schützen. Schwächere Felsbrocken können unter Beschuss zerstört werden, ein Quader aus Metall jedoch nicht. Erhöhte Positionen, sofern vorhanden, sind zumeist über Rohre zu erreichen, die als Abkürzungen dienen. Ein weiterer Move, der von jedem Charakter durchgeführt werden kann, ist der Teamsprung. Dabei wird ein Kamerad als eine Art Katapult genutzt, um entferntere bzw. erhöhte Felder zu erreichen. Besonders Taktiker profitieren von den vielfältigen Kombinationen aus Aktionen – der vielleicht wertvollste Aspekt des Gameplays. Kämpfe bleiben somit unberechenbar und verlaufen jedes Mal anders.

    Je nach Entfernung und Position gibt es drei verschiedene Wahrscheinlichkeiten, den Gegner erfolgreich zu treffen. Ist die Sicht blockiert oder die Entfernung zu groß, kann ein Angriff ausgeschlossen werden: 0 Prozent. Bei halbhohen Hindernissen steigt die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent. Besteht ein direkter Sichtkontakt ohne Schutz ist ein Treffer unumgänglich: 100 Prozent.

    Gegnertypen

    Wie auch beim Helden-Team gibt es unterschiedliche Feinde, die je nach Art eigene Stärken und Schwächen aufweisen. So gibt es normales Fußvolk, großgewachsene Mutantenhasen, Kettenhunde (aus "Super Mario") oder Boss-Gegner wie zum Beispiel ein Donkey-Kong-Rabbid-Hybrid. Anders als gewöhnliche Feinde können diese allerdings nur über Umwege besiegt werden. Der rasante Anstieg des Schwierigkeitsgrades kann oft zu Neustarts der Kämpfe führen. Zeitdruck schafft "Mario + Rabbids Kingdom Battle" durch Ankündigungen neuer Gegner, die eine ganze Runde in Anspruch nehmen, um auf dem Spielfeld zu erscheinen.

    Ist ein Kapitel abgeschlossen, erhält das Team wieder die volle Gesundheit. Es ist allerdings keine Seltenheit, dass mehrere Kämpfe aufeinanderfolgen. Dadurch soll die Lebensanzeige der Helden im Auge behalten werden, da sie nach zwei bis drei Auseinandersetzungen relativ häufig in den kritischen Bereich fällt. Wem das auf Dauer zu schwer oder umständlich wird, kann vor jedem Kampf den "Einfachmodus" aktivieren. An der Gegner-KI ändert sich hier nichts, jedoch wird die Gesundheit des Teams wieder vollständig hergestellt.

    Ein weiteres taktisches Hilfsmittel ist die Kamera. Diese wird besonders im Kampf gegen zahlreiche Gegner enorm wichtig, da sie nicht nur einen Überblick über das Schlachtfeld gewährt, sondern auch neue Perspektiven für Strategen ermöglicht.

    Features

    Um seine Mitstreiter stetig zu verbessern, bietet das Spiel eine Reihe an Optionen an. So können, neben der Auswahl des Teams, auch die Waffen oder Fähigkeiten erworben werden. Goldmünzen dienen als Währung und können in der gesamten Spielwelt gesammelt werden. Damit werden neue Schuss- oder Nahkampfwaffen gekauft, die sich je nach Gegnertyp in ihrer Effektivität unterscheiden. Mit Kristallen werden neue Fähigkeiten freigeschaltet, die individuell an die Charaktere angepasst sind. In einem Talentbaum sind diese in die Kategorien Bewegung, Angriff, Technik und Andere unterteilt, während Verbesserungen aufeinander aufbauen.

    Um seine Fähigkeit abseits der Story unter Beweis zu stellen, können Herausforderungen absolviert werden. Das zusätzliche Training und die gesammelten Belohnungen helfen, sich und sein Team zu verbessern und mit stärkerer Ausrüstung zu versorgen.

    Vier Gebiete

    Die Welt von "Mario + Rabbids Kingdom Battle" ist in vier Gebiete unterteilt. Diese können zwischen den Kämpfen erkundet und ihre Geheimnisse aufgedeckt werden. Rätsel- und Puzzle-Spiele sind überall im Pilzkönigreich zu finden, während die Belohnungen von Münzen über freigeschaltete Waffen bis hin zu 3D-Figuren für das virtuelle Museum im Spiel reichen. Ist ein Bereich abgeschlossen, kann dieser jeder Zeit erneut betreten werden. Dies lohnt sich besonders im späteren Verlauf, da für Rätsel teilweise bestimmte Fähigkeiten gebraucht werden, die beim ersten Aufenthalt nicht verfügbar waren.

    Performance und Handhabung

    Die Performance von "Mario + Rabbids Kingdom Battle" war sowohl im Handheld-Modus als auch angedockt solide. Das flüssige Gameplay wurde nur von wenigen Framedrops in bestimmten Gebieten gestört, was jedoch nie den Spielspaß störte. Obwohl der große Bildschirm eines Fernsehers ideal in Kämpfen war, eigneten sich die teils kurzlebigen Auseinandersetzungen hervorragend für zwischendurch, ob im Zug oder in der Küche beim Warten auf die Spaghetti.

    Die Basics sind schnell gelernt und auch sonst helfen Einblendungen und Mini-Tutorials, die Spielregeln zu verstehen. Das Setting mag zwar auf Kinder fokussiert sein, doch als Erwachsener wird man sowohl gefordert als auch unterhalten.

    Fazit

    "Mario + Rabbids Kingdom Battle" sollte nicht nur bei jüngeren Spielern auf der Wunschliste stehen. Dem Abenteuer fehlt es weder an Humor noch Langzeitmotivation und die packenden Kämpfe, fordernden Herausforderungen und das ausgereifte Strategiesystem wissen sowohl Hardcore-Fans als auch Genre-Neulinge zu begeistern.

    Das Spielprinzip ist für Anfänger simpel genug gestaltet, um einen eigenen Rhythmus zu entwickeln. Aber auch Fortgeschrittene werden mit der gebotenen Freiheit umzugehen wissen. Der steigende Schwierigkeitsgrad schafft es auch nach mehreren Stunden den Spielspaß aufrecht zu erhalten. Besonders die Kombinationsmöglichkeiten von Charakteren, Waffen und Fähigkeiten bringen im Laufe des Abenteuers einen individuellen Spielstil hervor, der perfekt auf den eigenen Stil angepasst ist. (Egemen Karaaslan, 30.8.2017)

    "Mario + Rabbids Kingdom Battle" ist ab 7 Jahren für Nintendo Switch erhältlich. UVP: 59,99 Euro.

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller bereitgestellt.

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    Mario + Rabbids Kingdom Battle

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