De Luca: "Stören darf niemand, schon gar nicht die GIS"

    Interview29. August 2017, 12:00
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    Um das Recht rund um Banales geht es in "Die Rechthaberer" auf Puls 4 mit Ciro De Luca, Andreas Vitásek und Manfred Ainedter

    Wien – Um Fragen wie "Darf ich auf meinem Balkon rauchen?" oder "Darf ich einen Tisch im Lokal verrücken, weil mir der Platz nicht gefällt?" dreht sich das neue Comedyformat Die Rechthaberer auf Puls 4, immer dienstags um 21.40 Uhr nach Vurschrift is Vurschrift. Für "Österreichs schrägsten Regelcheck", das verspricht zumindest der Privatsender, hat Puls 4 für vorerst sechs Folgen die Comedians Andreas Vitásek und Ciro De Luca engagiert. Sie stellen alltägliche Situationen nach, den rechtlichen Rahmen liefert Rechtsanwalt Manfred Ainedter.

    STANDARD: Ist "Die Rechthaberer" eine Weiterentwicklung von "Vurschrift is Vurschrift", wo Regeln hinterfragt werden?

    De Luca: Die Sendung ist eine geistige und inhaltliche Vertiefung des Themas, das bei Vurschrift is Vurschrift vorkommt, nämlich: Welche Vorschriften gibt es? Was muss ich befolgen? Sind die einzuhalten und, wenn ja, wie? Die Weiterführung besteht darin, dass man diese Vorschriften, die für alle gelten, runterbricht auf die individuelle, persönliche Erfahrung. Ich gehe einkaufen, dort steht auf einem Schild "Frische Weintrauben": Darf ich kosten, ob mir die überhaupt schmecken? Wir gehen den Banalitäten des Alltags auf den Grund. Und ich glaube, wir treffen hier ins Schwarze.

    STANDARD: In der neuen Sendung werden Fragen gestellt wie: "Wie oft darf man während eines Arbeitstags auf die Toilette gehen?" Sind das Themen, die Leute tangieren?

    De Luca: Diese Frage betrifft vielleicht nicht Sie oder mich, aber genügend Leute. Es gibt nicht wenige im Angestelltenverhältnis, die nicht wegen jedem Furz zur Arbeiterkammer gehen wollen. Die fragen sich: Darf das der Chef regeln? Wie oft kann ich aufs Klo gehen? Darf er mich per SMS kündigen? Das sind Fragen aus dem Alltag, die aber alle mit Recht zu tun haben.

    STANDARD: Und wie oft dürfen Leute auf die Toilette gehen?

    De Luca: Wenn es nicht anders definiert ist, darf jeder so oft auf die Toilette gehen, wie er muss.

    STANDARD: Sonst müsste das dezidiert im Dienstvertrag stehen?

    De Luca: Ja, etwa dass Frau X oder Herr Y nur zu diesen Zeiten auf die Toilette darf, weil beispielsweise die Livesendung läuft. Ich habe selbst beim Radio und im Fernsehen gearbeitet, das stand so im Dienstvertrag. Oder beispielsweise auf der Werkbank – bei Fabrikarbeitern, das betrifft ganz viele Menschen im Lande.

    STANDARD: Wenn wir schon bei den wichtigen Fragen des Alltags sind, um die es in der Sendung geht: Muss der GIS-Mitarbeiter in die Wohnung gelassen werden?

    De Luca: Die Antwort ist klar: nein. Sie müssen niemanden in die Wohnung lassen, sagt der Anwalt. Das hätte wohl jeder so empfunden, auch wenn GIS-Mitarbeiter oft Druck vor der Wohnungstür machen und sagen: Aber Sie müssen aufmachen. In Wahrheit muss man nicht einmal die Polizei reinlassen, sondern nur jene, die einen richterlichen Befehl zur Hausdurchsuchung haben. Im Vertragsfall vielleicht noch den Vermieter oder die Feuerwehr, wenn Gefahr im Verzug ist, aber grundsätzlich gilt das Hausrecht. Also, stören darf niemand, schon gar nicht die GIS, die will man eh nicht haben.

    STANDARD: Wer überlegt sich diese Fragen?

    De Luca: Das macht die Redaktion, ein Teil entspringt sicher auch den Fragen von Zusehern. Allein bei Vurschrift is Vurschrift haben wir 5000 Zuschriften von Leuten bekommen, die uns konkrete Fälle mitteilen oder die Fragen hatten. Es gibt ja tausende. Etwa gerade eben auch im Zug, als ich nach Innsbruck gefahren bin, hat jemand gefragt, ob er einen Sitzplatz nehmen darf, bei dem zwar reserviert steht, aber keiner kommt.

    STANDARD: Was sagt der Schaffner? Darf man?

    De Luca: Ich habe den Leuten gesagt: Nehmen Sie doch so lange Platz, bis jemand kommt.

    STANDARD: Ist das nicht eh typisch österreichisch, dass man sich mit einem "Wird schon passen" um Regeln herumschwindelt?

    De Luca: Ja, das ist sicher im Österreicher drinnen, dass man darüber plaudert, aber es gibt auch manche, die das überreizen und ausstreiten wollen.

    STANDARD: Das heißt: Zuschriften von Zusehern sollen in den Sendungen thematisiert werden?

    De Luca: Sollte das Format in eine Verlängerung gehen, werden wir das gern aufgreifen. Unser Anliegen ist es, die Leute zu informieren. Information plus Unterhaltung schafft einen Mehrwert. Infotainmentformate sind wahrscheinlich zukunftsträchtiger als alle anderen.

    STANDARD: Sie machen ja Werbung für die ÖBB. Fahren Sie als Testimonial eigentlich gratis mit der Bahn?

    De Luca: Nein, natürlich nicht, auch ich muss zahlen und habe eine Österreich-Card. Es soll alles korrekt sein, das finde ich richtig. (Oliver Mark, 29.8.2017)

    Ciro de Luca (46) ist ein österreichischer Schauspieler und Comedian.

    "Die Rechthaberer", Dienstag, 29. August, 21.40 Uhr, Puls 4

    • Die drei "Rechthaberer" – v.l.n.r.: Andreas Vitásek, Manfred Ainedter und Ciro De Luca.
      foto: puls 4 / frank

      Die drei "Rechthaberer" – v.l.n.r.: Andreas Vitásek, Manfred Ainedter und Ciro De Luca.

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