Main Street Men: Die Fusion aller Boybands existiert

    Video1. September 2017, 21:35
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    Die österreichischen Main Street Men bedienen mit Coversongs von Backstreet Boys und *Nsync ein Publikum, das in den 90er-Jahren noch pubertierte und nun zu beiden Bands abgehen kann

    Welches Kind der 90er-Jahre erinnert sich nicht noch an die ewigen Streitereien über die eine essenzielle Frage: Backstreet Boys oder *Nsync? Langjährige Freundschaften gingen in die Brüche. Die Main Street Men machen es den heute Erwachsenen einfach: Die österreichische Boyband verkörpert mit ihren Coversongs das Beste beider Boybands. Hinzu kommen die größten Hits von Take That und New Kids on the Block. Dabei ziehen sie vor allem ein im Durchschnitt etwa 30-jähriges, vorrangig weibliches Publikum an, das bei ihren Auftritten ziemlich abgeht.

    der standard

    Warum die Main Street Men offenbar die ersten sind, die auf diese Idee gekommen sind, darüber wundert sich Mitglied Klemens Patek selbst. Beim vergangenen Auftritt beim Vienna's First 90ies Club im Wiener Fluc sangen die Main Street Men Songs wie "Everybody" oder "Tearing Up My Heart" für ein dankbares Publikum. Trotz technischer Probleme beim Sesseltanz zu "As Long As You Love Me" landet schließlich ein BH auf der Bühne. Als Belohnung dafür, dass das Publikum die angesagten Choreografien gleich voller Elan mitmacht, gibt's am Schluss mit "Wannabe" sogar eine Girlband-Zugabe.

    Teenie-Erinnerungen garantieren Erfolg

    Dass dabei nicht jeder Ton der Main Street Men perfekt sitzt, spielt eigentlich keine Rolle. Die Hardcore-Fans wollen ohnehin damit prahlen, jede Zeile auswendig mitsingen zu können, und stellen das auch lautstark unter Beweis. Und wer nicht mitsingen kann, kreischt einfach.

    Nebenberufliche Stars

    foto: philipp lipiarski/goodlifecrew.at
    Die Boyband von rechts nach links: Dominik Beisteiner (aka Churchill), Stephen Rabenlehner (aka Kitkat), dahinter Jakob Urani (aka Mr. Bridge), Andreas Steiner (aka auli.b.smart) und Klemens Patek (aka K-Man). Der an diesem Abend verhinderte Michael Zeiner ist der Tontechniker der Band.

    Die Mitglieder der Über-Boyband fühlen sich für den Moment wie echte Stars, von ihren Auftritten leben können sie trotzdem nicht. Im "echten" Leben haben die meist zu sechst auftretenden Main Street Men ganz andere Berufe:

    Während Jakob Urani und Michael Zeiner noch studieren, ist Klemens Patek nebenbei auch Gesangslehrer und Journalist. Andreas Steiner ist Verkäufer, Schauspieler, Theaterpädagoge, Nachhilfelehrer, Kinderbetreuer und Sozialarbeiter. Und Flugbegleiter Stephen Rabenlehner erzählt im STANDARD-Gespräch von Passagieren, die bei seiner Interpretation der Sicherheitshinweise "fast schon mittanzen". Seit 2013 werden sie als Main Street Men vor allem auf 90er-Feiern, Hochzeiten und Schulbällen gebucht – auch auf Trash- und Bad-Taste-Partys treten sie auf, was Klemens Patek "überhaupt nicht nachvollziehen" kann.

    foto: photo by amy harris/invision/ap
    Die Backstreet Boys – hier bei einem Auftritt im Juli in Kanada – sind die Lieblingsboyband der meisten Main Street Men.

    Im Repertoire haben sie neben den klassischen 90er-Jahre-Boybands auch Songs aus den 2000ern, etwa von Westlife oder Blue. Mit Caught in the Act haben sie es auch mal probiert, "aber die waren irgendwie furchtbarer, als man sie in Erinnerung hat", erklärt Klemens Patek die geringe Begeisterung für die englisch-niederländische Boygroup, von der er dachte, sie käme aus Deutschland.

    Geplant haben sie ihre Karriere nie, das Projekt sei natürlich gewachsen. Die sechs Freunde freuen sich jedenfalls, dass sie die Boyband-Musik rund einmal im Monat zurück zum Leben erwecken und zumindest einige hundert Menschen zum Kreischen bringen können. Am 2. September treten sie in Wien im Escape Metalcorner auf. (Noura Maan & Maria von Usslar, 1.9.2017)

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