Mbappé vor Wechsel zu PSG, Uefa-Boss warnt

28. August 2017, 13:58
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Pariser wollen Verpflichtung des Supertalents trotz Financial-Fair-Play-Regulariums über die Bühne bringen – Investor: "Paris soll wichtigste Fußballstadt der Welt werden"

Paris/Berlin – Paris St. Germain bastelt an seinem Megatransfer und sorgt damit im europäischen Fußball für erhöhte Unruhe. Nach der Verpflichtung von Neymar vom FC Barcelona um die Rekordsumme von 222 Millionen Euro will sich der französische Vizemeister auch Supertalent Kylian Mbappé von Champion AS Monaco angeln – der Offensivmann soll erst ausgeliehen und später um 180 Millionen Euro plus Bonus gekauft werden.

Financial Fair Play soll umgangen werden

Mit dieser Vorgangsweise sollen Sanktionen aufgrund der Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa umschifft werden. Der 18-jährige Mbappé war in der vergangenen Saison mit 15 Toren maßgeblich am Titelgewinn von Monaco beteiligt, in Paris würde er die Stürmerkollegen Neymar und Edinson Cavani vorfinden. Paris und Monaco haben sich laut Angaben der Sporttageszeitung "L'Equipe" über die Modalitäten des Transfers geeinigt, mit dem Spieler sind die Pariser seit längerem klar. Am Montag soll bereits der medizinische Check anstehen.

Um den Uefa-Regeln zu genügen, müsste Paris bei einer Mbappé-Verpflichtung allerdings im Gegenzug andere Spieler teuer verkaufen. Denn das Financial Fair Play (FFP) besagt, dass ein Verein mit seinen Transferaktivitäten in den zurückliegenden drei Jahren ein Minus von maximal 30 Millionen Euro erwirtschaften darf. Als Kandidat für einen Verkauf wird seit geraumer Zeit der Deutsche Julian Draxler (23) gehandelt, der erst im Winter von Wolfsburg nach Paris gewechselt war. Die Londoner "Times" berichtet, das Draxler Paris um 40 Millionen Euro verlassen darf, Liverpool und Arsenal sollen Interesse bekundet haben.

Uefa-Boss: "Checken jeden Klub"

Ein solches Geschäft würde allerdings noch nicht einmal annähernd reichen, um bloß den Neymar-Transfer zu kompensieren – falls damit überhaupt gegen die Richtlinien verstoßen wurde. Gerüchten zufolge soll der Deal nämlich über Umwege mittels eines Sponsorenvertrags bewerkstelligt und das FFP somit umgangen worden sein. "Wir beobachten die Lage. Das Transferfenster ist noch nicht geschlossen", sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin dem "Kicker" und warnte: "Ich hoffe, die Vereine haben es gelernt. Wenn nicht, bringen wir es ihnen bei."

Den Vorwurf, nur die kleinen Fische zu sanktionieren, wollte Ceferin nicht akzeptieren. "Wir checken jeden Klub. Wir werden nach diesem Transferfenster und Abschluss unserer Prüfungen die Regeln genau anlegen, für alle gleich", sagte er. "Wenn wir unsere eigenen Regeln nicht respektieren, können wir dichtmachen. Dann wären wir ein zahnloser Tiger."

Neymar hatte für fünf Jahre in Paris unterschrieben. Seine Transfersumme, die von der Uefa auf die Vertragsdauer aufgeteilt wird, war mehr als doppelt so hoch wie die des bisherigen Spitzenreiters Paul Pogba (von Juventus zu Manchester United) und hatte eine breite Debatte über die zunehmende Entfernung des Profifußballs von seiner Basis ausgelöst. Barcelona investierte einen großen Teil der Einnahmen in den Kauf von Ousmane Dembélé, der um 105 Millionen Euro plus Boni von bis zu 42 Millionen Euro von Borussia Dortmund nach Katalonien kommt.

Spanischer Ligachef attackiert PSG

Spaniens Ligaboss Javier Tebas hatte Paris scharf angegriffen: "Dieser Klub bricht Regeln und Gesetze, nämlich das Financial Fair Play der Uefa und die Gesetze der Europäischen Union sowie die Wettbewerbsregeln aus der Schweiz."

Der katarische PSG-Investor und Klubchef Nasser Al-Khelaifi versicherte, trotz des enormen Transfervolumens die Regeln einhalten zu wollen. "Es hört sich seltsam an, aber wir werden mehr Geld verdienen, weil Neymar bei uns ist. Der Klub wird profitieren", behauptete er.

Mbappé war am Wochenende bei Monacos 6:1 über Olympique Marseille 90 Minuten nur auf der Bank gesessen. Auch Champions-League-Sieger Real Madrid hatte seine Fühler nach dem vierfachen französischen Nationalspieler ausgestreckt, doch Paris will mit aller Macht die Nummer eins im europäischen Fußball werden. "Wir wollen alles gewinnen, was es gibt", sagte Al-Khelaifi. "Paris soll die wichtigste Fußballstadt der Welt werden." (sid, red, 28.8.2017)

  • Noch trägt Kylian Mbappé das Trikot des AS Monaco, seine Zukunft aber heißt Paris.
    foto: apa/afp/fife

    Noch trägt Kylian Mbappé das Trikot des AS Monaco, seine Zukunft aber heißt Paris.

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