Peter Pilz: "Stellen Sie sich ein Parlament ohne mich vor"

    25. August 2017, 14:01
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    Der Ex-Grüne Peter Pilz holt sich in der Steiermark Fachleute für Integration, Nachhaltigkeit und direkte Demokratie auf seine Liste und geht davon aus, bei der Nationalratswahl "zweistellig" zu werden

    Graz – Es gibt tausend passende Locations in Graz, aber als Parlamentarier mit einer kabarettistischen Neigung zur politischen Pointe hat der Ex-Grüne Peter Pilz zur Präsentation seiner steirischen Kandidaten natürlich ins neue Lendhotel geladen. Adresse: Grüne Gasse 2.

    Gleich eingangs unterstreicht er dann treuherzig: Nein, nein, seiner alten Partei wolle er mit der Liste Peter Pilz keine Wähler wegnehmen. Nachsatz: Das besorge schon seine alte Partei von selbst. Wiewohl Österreich durchaus eine "gute grüne Partei" benötigen würde. Aber das sei jetzt nicht mehr sein Problem.

    Er wolle sich vordringlich um die Protest- und Nichtwähler kümmern, allein in der Steiermark gingen 30 Prozent der Wahlberechtigten nicht mehr zur Wahl. Hier, in diesem Bundesland, werde sich seiner Meinung nach die Nationalratswahl im Oktober entscheiden – weil eben noch so viele Unentschlossene zu holen seien.

    Am Freitag stellte Pilz in seinem Heimatbundesland sein steirisches Kandidatenteam vor – mit ihm als Listenführer. Mit dabei ist auch der ehemalige Grünen-Klubobmann im Grazer Rathaus, Markus Scheucher, der im Februar noch für die Grünen bei der Gemeinderatswahl kandidiert hatte.

    Die Pilz'sche "Law and Order"-Politik

    Präsentiert wurden in der Steiermark – wie in den anderen Bundesländern – aber in erster Linie die an vorderster Stelle gereihten Quereinsteiger. Als Listenzweite kandidiert die ehemalige Kampagnenmanagerin für Irmgard Griss, Martha Bißmann. Die Neopolitikerin möchte sich als Expertin für direkte Demokratie und Vernetzung einbringen. Der Musiker, Komponist und Jurist Bertram Friessnegg will sich um das Thema Nachhaltigkeit kümmern.

    Schließlich Flüchtlingshelferin Dorothea Blancke, die sich im Bereich Integration engagieren möchte, wobei auch sie den von Pilz vertretenen pragmatischen Zugang zur Politik bevorzugt. Integration dürfe weder von politischem "noch von religiösem Fanatismus erschwert werden" – Stichwort: radikaler politischer Islamismus. Er sei, ergänzte Pilz, bekannt für seine härtere Haltung in der Sicherheitspolitik: "Law and Order, aber mit menschlicher Asylpolitik".

    Mit der Steiermark hat Pilz das letzte Bundesland präsentiert, und er zeigte sich mit dem bisher von seiner neuen Liste Gebotenen rundum zufrieden: "Wir liegen bei sechs Prozent in den Umfragen und fangen erst mit dem Wahlkampf an."

    Wobei in den nächsten Wochen vor allem eine Person in der Auslage stehen wird: er selbst. Ein selbstbewusster Pilz: "Stellen Sie sich ein Parlament ohne mich vor. Kern, Strache und Kurz würden strahlen , denn dann würde das Parlament ohne Kontrolle funktionieren. Ich will nicht, dass Österreich ein Karpfenteich wird ohne Hecht. Damit nicht die Karpfen noch fetter werden und sich endlich etwas bewegt."

    Pilz will "zweistellig" werden

    Dass die Liste Pilz ins Parlament einziehen wird, daran hege er keine Zweifel, es stelle sich nur die Frage, mit welchem Stimmenanteil im Gepäck. "Zweistellig" sei das realistische Wahlziel, sagte Pilz.

    Dann wollten er und seine Mitstreiter über ein offenes System "die Aufträge" der Bürger entgegennehmen und nicht – so wie in den anderen Parteien – von einer Parteizentrale. So könne jedenfalls der politische Prozess im Parlament "von unten", von Initiativen, einzelnen Bürgern und Bewegungen, beeinflusst werden. (Walter Müller, 25.8.2017)

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      foto: reuters / leonhard foeger
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