Onlinehandel: Besonders KMU müssen sich wappnen

25. August 2017, 13:34
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Gewerkschaft: Mehr Weiterbildung für Angestellte im Handel – Sozialpartner fordern faire Spielregeln für Onlinehändler

Wien – "Derzeit werden rund zehn Prozent der Einzelhandelsumsätze im Internet getätigt", so Christoph Klein, Direktor der AK Wien. In zehn Jahren werde der Anteil schon bei 15 Prozent liegen. Besonders KMU müssten sich wappnen und den Onlinehandel erobern. Der Trend beeinflusst auch die Arbeitnehmer: Werden die Hände in den Schoß gelegt, würden bis 2020 2 bis 4 Prozent der Jobs im Handel wegfallen.

Um Arbeitsplätze zu sichern, forderten die Arbeiterkammer (AK) und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) bei einer Pressekonferenz am Freitag mehr Aus- und Weiterbildung von Handelsangestellten. Erste Schritte seien bereits im neuen Gehaltssystem gesetzt worden. Zudem brauche es – auch aus Sicht der Wirtschaftskammer (WKÖ) und des Handelsverbands – von der Politik endlich faire Spielregeln im Onlinehandel, wie etwa die Einführung digitaler Betriebstätten.

Österreich mit Wettbewerbsnachteilen

Die Umsätze des Distanzhandels, dazu zählen Internet- und Versandhandel sowie Teleshopping, belaufen sich hierzulande aktuell auf 6,8 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon fließt ins Ausland, monierte Klein. Österreichische Händler hätten durch Steuerschlupflöcher und unterschiedliche Gewinnsteuersysteme massive Wettbewerbsnachteile.

"Legale Steuervorteile setzen den heimischen Handel extrem unter Druck. Steuerfreigrenzen, die Billigwaren in die EU schleusen, müssen auch bei uns endlich abgeschafft werden", meinte auch Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat beim Treffen der Finanzminister der fünf deutschsprachigen Länder Anfang der Woche bereits für eine Neuregelung digitaler Betriebsstätten geworben.

Ruf nach lokalen Initiativen

Den Onlinehandel müssten die heimischen Unternehmen trotzdem forcieren, denn das Phänomen könne und wolle niemand stoppen, so Klein. Fast alle großen Einzelhändler bieten ihre Waren mittlerweile auch online an. "Unter Druck kommen vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sowie nachrangige Einkaufstraßen", meinte er. Insbesondere KMU seien daher gefordert, "den Onlinehandel zu erobern", so Anita Palkovich, Wirtschaftsbereichssekretärin Handel in der GPA-djp.

In diesem Zusammenhang wären auch mehr lokale Initiativen wünschenswert, um Kräfte zu bündeln. Palkovich verweist etwa auf den Online-Marktplatz der Post, "shöpping.at", der österreichischen Händlern eine Alternative zu Amazon, Zalando und Ebay bieten will. Der Erfolg der Plattform liegt aber bisher "unter den Erwartungen", sagte sie . Auch der Handelsverband spricht sich für eine Förderung regionaler Online-Plattformen aus.

"Wer in Österreich kauft – ob im stationären Handel oder online -, der schützt letztlich seinen eigenen Arbeitsplatz oder die Jobs seiner Kinder, Freunde und Verwandten", ermahnte Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel der WKÖ, auch die Konsumenten. Die WKÖ unterstütze Betriebe schon lange beim Aufbau und der Weiterentwicklung der Internet-Präsenz. (APA, 25.8.2017)

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