"Tote Mädchen lügen nicht": Der richtige Umgang mit der Serie

    23. August 2017, 11:36
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    Forscher der MedUni Wien haben Empfehlungen zum adäquaten Umgang mit der umstrittenen Netflix-Serie veröffentlicht

    Wien – Suizid ist ein heikles Thema. Bei der medialen Darstellung kommt es vor allem auf das "Wie" an, betonen Wissenschafter der MedUni Wien im "British Medical Journal".

    "Das Thema gehört entstigmatisiert und muss daher auch im TV angesprochen werden. Aber man sollte besser zeigen, wie man nach einem Suizidversuch weiter leben kann, wie es gelingt, danach sein Leben zu managen und in den Griff zu kriegen und zu zeigen, dass es immer einen Ausweg gibt. Das könnte enorm hilfreich sein", sagt Benedikt Till von der MedUni Wien.

    Das Ziel der Wissenschafter: "Wir wollen in Zusammenarbeit mit amerikanischen Suizidpräventionsexperten Druck auf Netflix aufbauen. Vielleicht können wir dort und bei anderen Teilen der Unterhaltungsindustrie eine Änderung der Darstellung von Suizid im TV erreichen."

    Hilfestellungen

    Um auch Pädagogen, Ärzten und Eltern eine Hilfestellung im Umgang mit der Netflix-Serie "13 Reasons Why‘ in der Schule" ("Tote Mädschen lügen nicht") geben zu können, bieten die Wissenschafter nun Empfehlungen an, die kostenlos im Internet abrufbar sind.

    Zudem haben die Experten der MedUni Wien maßgeblich an der Überarbeitung der Medienempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO für die Darstellung von Suizid mitgewirkt. Diese sollen anlässlich des Welt-Suizidpräventionstags am 10. September in Genf präsentiert werden. Der zentrale Inhalt: "Es geht darum, wie man suizidale Inhalte in Medien so aufbereiten kann, dass Nachahmungseffekte minimiert werden und präventive Effekte untermauert und gezeigt werden können." (red, 23.8.2017)

    Originalpublikationen:

    Suicide on TV: minimising the risk to vulnerable viewers

    Empfehlungen der MedUni Wien zum Umgang mit der Serie

    Broschüre zum Welttag der Suizidprävention

    Zum Weiterlesen:

    Suizidbezogene Suchanfragen durch Netflix-Serie angestiegen

    Suizid: Wut, Schuldgefühle, Scham

    Leben nach dem Suizidversuch: Der Sprung und das Danach

    Hilfseinrichtungen für Personen, die sich in einer Krise befinden oder Suizidgedanken haben:

    kriseninterventionszentrum.at

    Für Menschen in Krisensituationen und deren Angehörige gibt es eine Reihe von Anlaufstellen. Unter www.suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

    Soforthilfe:

    Unter dieser Nummer erhalten Sie qualifizierte und rasche Hilfestellung rund um die Uhr:

    Psychiatrische Soforthilfe (0–24 Uhr): 01/313 30

    Kriseninterventionszentrum (Mo–Fr 10–17 Uhr): 01/406 95 95

    Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

    Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

    Telefonseelsorge (0–24 Uhr, kostenlos): 142

    Rat auf Draht (0–24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147

    Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo–Sa 14–18 Uhr, kostenlos): 0800/20 14 40

    Männernotruf Steiermark: 0800 246 247

    • Die beiden Hauptdarsteller der Serie: Dylan Minnette and Katherine Langford.
      foto: apa/afp/mark ralston

      Die beiden Hauptdarsteller der Serie: Dylan Minnette and Katherine Langford.

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