Alfred Gusenbauer denkt nicht an Rückzug aus der SPÖ

22. August 2017, 13:43
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Altkanzler: "Ich wüsste nicht, wieso"

Wien – Der frühere SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer sieht keinen Grund, sich aus seiner Partei zurückzuziehen. "Ich wüsste nicht, wieso", sagt der Kanzler im "Falter"-Interview. Gusenbauer, der Präsident des SPÖ-Thinktanks Renner-Institut ist, war zuletzt wegen geschäftlicher Beziehungen zum kurzfristig festgenommenen Wahlkampfberater Tal Silberstein in die Kritik geraten.

Die Arbeit Silbersteins für den Wahlkampf von Kanzler Christian Kern (SPÖ) wertete Gusenbauer als "gut". Aber im Prinzip stehe die Wahlkampagne: "Vor ein paar Monaten wäre sein Abgang sicherlich unangenehmer gewesen."

Kern konsequent

Pragmatisch sieht Gusenbauer die Ankündigung Kerns, wonach die SPÖ keine Spenden über 20.000 Euro annehmen werde. Die SPÖ werden bekanntlich nicht vom großen Kapital unterstützt: "Deshalb ist es nur konsequent, wenn Kern sagt: Wahrscheinlich gibt uns eh niemand sehr viel Geld, also können wir gleich darauf verzichten."

Kern selbst hatte vor wenigen Tagen noch von diversen Angeboten aus der Wirtschaft gesprochen, die er abgelehnt habe. Immerhin darf sich der SPÖ-Chef wohl über eine bevorstehende Spende Gusenbauers freuen: "Ich kann mir das gut vorstellen", meint dazu der Altkanzler.

Für Häupl Causa Silberstein überbewertet

Wiens Bürgermeister und Landes-SPÖ-Chef Michael Häupl ist nicht sehr zufrieden mit der bisherigen Außenwahrnehmung des roten Wahlkampfs. Bei "gewissen Dingen und Vorfällen" habe es eine "weitgehende Überbewertung" gegeben – etwa bei der Causa Tal Silberstein. Trotz anderslautender Umfragen hält er Platz 1 für die SPÖ am 15. Oktober für möglich, wie er am Dienstag versicherte.

"Selbstverständlich hat die SPÖ die Chance auf Platz 1", sagte Häupl. Der Wahlkampf habe ja eigentlich noch gar nicht richtig begonnen und starte eben gerade mit der Bundesländertour von Kanzler und SPÖ-Chef Christian Kern. Der Stadtchef räumte aber ein, dass die Causa Silberstein "extrem unangenehm" sei. Allerdings seien doch Inhalte, wie das Land in den kommenden fünf Jahren gestaltet werden soll bzw. ihm zu Aufschwung verholfen werden kann, viel wichtiger als derlei "läppische Details". Kern spreche auch über diese – im "Plan A" gesammelten – Inhalte, lobte Häupl.

Er wolle die Sache um Silberstein "nicht herunterreden": "Er hat offenbar was angestellt, sonst wäre er nicht verhaftet worden, aber das ist sein Thema." Häupl betonte, dass Silberstein lediglich Daten analysiert und für die SPÖ weder Slogans produziert noch die Kampagnenleitung innehatte. Ob die SPÖ die Zusammenarbeit mit dem Berater früher aufkündigen hätte sollen, wollte der Bürgermeister nicht beurteilen.

Kein Schaden für SPÖ

Für Kritik hatten zuletzt auch die Geschäftskontakte von Altkanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) zu Silberstein gesorgt. "Ich bin nicht informiert über die geschäftlichen Beziehungen von Herrn Gusenbauer", meinte der Wiener Bürgermeister. Gusenbauer schade der SPÖ jedenfalls "gar nicht".

Was den Wahlkampf betrifft, werde die Hauptauseinandersetzung wohl zwischen Kern und ÖVP-Chef Sebastian Kurz liegen. In der Wiener SPÖ, die in den vergangenen Monaten immer wieder von internen Kämpfen nicht zuletzt um Häupls Nachfolge gebeutelt wurde, herrsche derzeit jedenfalls Einigkeit: Man wolle einen ordentlichen Beitrag für das rote Gesamtergebnis liefern. "Es rennen auch alle", beteuerte der Landesparteichef. Er rechnet übrigens mit einem stärkeren Ergebnis auf Wiener Ebene als bei der vergangenen Nationalratswahl 2013, als die Roten in der Hauptstadt auf 31,64 Prozent kamen.

Er, Häupl, werde "alles tun", um eine Koalition aus ÖVP und FPÖ zu verhindern, betonte er zudem. Wobei er gleichzeitig wiederholte, dass ein Regierungspakt zwischen SPÖ und FPÖ für ihn nicht denkbar sei. Und der Bürgermeister enttäuschte auch all jene, die noch auf Promi-Quereinsteiger in der SPÖ warten – freilich mit einem Seitenhieb auf die ÖVP: "Die ersten zehn einer Liste als Who is Who der Seitenblicke präsentieren – wir machen das nicht." (APA, 22.8.2017)

  • Verspürt keine Rückzugsgelüste: Ex-Kanzler Gusenbauer.
    foto: corn

    Verspürt keine Rückzugsgelüste: Ex-Kanzler Gusenbauer.

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