40 Cent pro Packerl: Paketshops profitieren durch den Service kaum

22. August 2017, 13:00
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Österreichweit gibt es tausende Paketshops in Trafiken oder Greißlern. Für die Betreiber lohnt sich der Service selten

Wien – In die Boutique von C. verirrt sich außer ein paar vor der Hitze flüchtenden Touristen kaum Kundschaft. Um den Bekanntheitsgrad ihres Geschäfts zu steigern, hat C. deshalb vor zwei Jahren beschlossen, Pakete für andere anzunehmen und aufzugeben. Die Deutsche-Post-Tochter DHL ist damals auf die Boutiquebetreiberin zugegangen, sie erhoffte sich durch den Zusatzservice mehr Kunden. "Bisher hat das nicht funktioniert", erzählt die Unternehmerin. Hinter dem Verkaufstisch stapeln sich Pakete, die auf ihren Besitzer warten: "Es zahlt sich nicht wirklich aus."

Das Geschäft von C. ist einer von 2200 Paketshops, die der Zusteller DHL in Österreich betreibt. Den Großteil des Geschäfts machen die Lieferdienste mit Kleiderbestellungen, die online getätigt werden, sagt DHL-Sprecher Stefan Wolf.

Mit solchen Partnerbetrieben beteiligen sich Anbieter wie DHL oder Hermes im Kampf um die "letzte Meile" – also jene zwischen dem Verteilerzentren von Onlinehändlern und der Haustür der Kunden. Der größte Konkurrent der Zusteller ist dabei die Post.

40 Cent pro Paket

Pro Paket bekommen die Betreiber der Annahmestellen – je nach Anbieter – zwischen 40 und 80 Cent. Teilweise werden auch monatliche Kommissionen als Aufwandsentschädigung für die Dienstleistung angeboten. Laut Hermes-Sprecherin Claudia Schanz wird die Höhe der Vergütung individuell mit den einzelnen Unternehmen ausverhandelt. Für Zustelldienste wie Hermes oder DHL ist das Shop-im-Shop-Prinzip vorteilhaft: Pakete müssen nicht erneut zugestellt werden, die kostspielige Infrastruktur für eigene Annahmestellen fällt weg und Kunden haben direkte Ansprechpartner vor Ort.

Für die Shops, die laut DHL-Sprecher Wolf nach "Erreichbarkeit und Öffnungszeiten" ausgesucht werden, rentiert sich das Geschäft kaum. Während die notwendigen Geräte von den Anbietern gestellt werden, müssen Betreiber sich mit verärgerten Kunden auseinandersetzen und ausreichend Lagerraum zur Verfügung stellen – und dieser fehlt oft.

Pakete stapeln sich neben Wäsche

In einer Wäscherei im dritten Wiener Gemeindebezirk liegen die Pakete direkt neben gereinigten Anzügen und Kleidern. "Kunden können wir mit dem Service nicht dazugewinnen. Wer ein Paket abholt, bringt keine schmutzige Kleidung mit", heißt es bei der Wäscherei. Der Aufwand sei jedoch überschaubar, täglich würden bis zu zehn Personen ein Paket abholen oder aufgeben. Die Wäscherei ist einer der 1600 Paketshops, den Hermes in Österreich betreibt. Der deutsche Konzern kooperiert mit der österreichischen Post: "Die holt einmal am Tag das Geld und die Pakete ab." Für den Service bekommt die Wäscherei eine monatliche Kommission von rund 50 Euro.

Von den 25 vom STANDARD befragten Paketshopinhabern, bildet eine Trafik im zweiten Bezirk eine Ausnahme. Einzig dort empfindet man das Geschäft als rentabel. Der Tabakladen fungiert neben seinem Tagesgeschäft seit über vier Jahren als Paketannahmestelle. Mit rund 400 Paketen pro Monat gehört die Trafik zu den stärker frequentierten Paketshops. Das Geschäft zahle sich aus, sagt die Trafikantin. Aber auch ihr mache der Platzmangel zu schaffen: "Einmal habe ich 99 Packerl auf einmal im Lagerraum gehabt. Das war dann schon eng."

Onlinehandel treibt Zustellung an

In Österreich wird viel online eingekauft, wie eine Erhebung von Regiodata zeigt: Österreicher geben durchschnittlich 885 Euro pro Jahr beim Online-Shopping aus. Um sich auf den wachsenden Online-Absatz einzustellen, hat sich DHL neben Kleinbetrieben seit vergangenem Jahr 700 Billa-Filialen als Paketshops an Bord geholt. "Paketshops sollen im städtischen Bereich maximal zehn Minuten auseinanderliegen", sagt Wolf. Auch die Otto-Group-Tochter Hermes hat eigenen Angaben zufolge mittlerweile ein "flächendeckendes" Angebot in Wien aufgebaut.

Vor allem Kleinunternehmen wie Handy-Shops, Trafiken und Delikatessenläden dürften im Fokus der Zusteller liegen. Der Service ist nicht überall beliebt: "Wir sind froh, wenn niemand kommt", erzählt der Betreiber eines Lampengeschäfts, der auch Pakete annimmt und versendet. Den Service auflassen will der Unternehmer dennoch nicht, der Zustelldienst würde so nämlich auch die hauseigenen Pakete täglich abholen. (Nora Laufer, 22.8.2017)

  • Zustelldienste wollen in Wien ein flächendeckendes Netzwerk an Paketshops aufbauen. Für die Betreiber zahlt sich der Zusatzservice nicht immer aus.
    foto: der standard/regine hendrich

    Zustelldienste wollen in Wien ein flächendeckendes Netzwerk an Paketshops aufbauen. Für die Betreiber zahlt sich der Zusatzservice nicht immer aus.

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