"Uncharted: The Lost Legacy" im Test: Mehr vom superben Gleichen

    Rezension20. August 2017, 11:00
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    Der Stand-Alone-Teil des populären Adventures ist ein feines Mittel, um verregnete Sommertage zu verbringen – aber keine Revolution

    Es gibt kaum ein Spiel, das einen so sehr ins Geschehen zieht wie "Uncharted 4". Das gilt auch für das neue Stand-Alone "Lost Legacy". Ein tieferes Eintauchen in eine Spielwelt ist ohne die Mittel der Virtual Reality, die ja kurz bevorstehen soll, auch gar nicht denkbar: In "Uncharted" rutscht man über Dächer, handelt sich an Reklametafeln weiter und stürzt plötzlich ein Stockwerk tiefer, um sich gerade noch an der Straßenbeleuchtung festhalten zu können. Das macht ziemlichen Spaß – und sorgte dafür, dass "Uncharted 4" als eines der besten PS4-Spiele aller Zeiten gilt. Mit "Lost Legacy" wird das Prinzip fortgeführt. Es gibt also mehr vom Selben; es ist aber etwas müßig, sich darüber zu beschweren, wenn dasselbe so superb ist. Außerdem ist klar, dass Naughty Dog in den knapp anderthalb Jahren der "Lost Legacy"-Entwicklung nicht allzu viel Neues entwickeln kann.

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    So spielt sich "Uncharted: The Lost Legacy"

    Die Hauptrolle übernimmt dieses Mal Chloe Frazer, die bereits in den vergangenen "Uncharted"-Teilen Gastauftritte hinlegt. Frazer ist so etwas wie eine realistische Lara Croft, also weniger die Karikatur einer "Sexbombe" als ein Mensch, der mit etwas Fantasie tatsächlich existieren könnte. Sie jagt nach einem indischen Artefakt und gerät dabei in die Frontlinie zwischen Militär und Rebellen. Bösewichte haben natürlich auch ein Auge auf den Schatz geworfen. Das klingt zwar nach dem Standard-Setting für ein Abenteuerspiel, die Story hält sich aber dank guter Dialoge und spannenden Twists auf hohem Niveau. So wird nach und nach klar, dass Frazer mehr als reine Geldmacherei zu dem Schatz zieht.

    Gelungene Hauptfiguren

    Es gibt wohl kaum ein Videospiel, in dem ein so hoher Anteil der Dialoge zwischen zwei Frauen stattfand. Denn Frazer wird von Nadine Ross begleitet, die in "Uncharted 4" noch als Antagonistin auftrat. Man begleitet also zwei als sehr spannende Figuren inszenierte Frauen, die gegen eine Horde anonymer Männer und einen Bösewicht kämpfen. Den berühmten Bechdel-Test, der die Stereotypisierung von Frauen in Filmen prüft ("Gibt es zwei FrauenRollen? Sprechen sie miteinander? Über etwas anderes als einen Mann?") besteht "Lost Legacy" mit Bravour. Auch von einer sogenannten "Damsel in Distress", also einer in Not geratenen Prinzessin, die gerettet werden muss, sind Chloe und Nadine meilenweit entfernt. Schon mit "The Last of Us" und Hauptdarstellerin Ellie bewies Naughty Dog, ein Talent für neue Ansätze zu haben.

    Die zwei neuen "Uncharted"-Hauptfiguren geben der Serie einen frischen Anstrich. Den bisherigen Serienhelden Nathan Drake vermisst man eigentlich gar nicht. Das beweist, dass "Uncharted 5" auch ohne Nathan weitergehen könnte, denn dessen Abschied im vierten Teil der Spielereihe soll endgültig gewesen sein.Das Setting passt gut und nervt nicht so wie etwa in "Far Cry 4", das einem das Himalaya und tibetanische Kultur dank der dumpf-monotonen Spielweise jahrelang versauen konnte.

    Kämpfend über Hinduismus lernen

    Wie schon in den Vorgängern gibt sich "Lost Legacy" Mühe, seine Story zumindest einigermaßen auf historischen Ereignissen und kulturellen Artefakten zu basieren. Die Spiele-Autorin Amy Hennig, die für Naughty Dog an den ersten "Uncharted"-Teilen arbeitete, gab in Interviews an, nach "Lücken" in realen historischen Ereignissen zu suchen, um ihrer Fantasie dann freien Lauf zu lassen. Das führen die neuen Autoren Josh Scherr und Shaun Escayg noch immer erfolgreich fort. Auch einige Spielorte schaut sich Naughty Dogs aus der echten Welt ab, teilweise sind diese fast ident abgebildet. An den Details der wunderschön gestalteten Spielumgebung (Großstadt zu Beginn, dann Dschungel, Gebirge, Ruinen) kann man sich kaum sattsehen. Zwar gibt es nur eine einzelne große Welt (von der Anfangsszene in der Großstadt abgesehen), diese bietet jedoch ausreichend Variationen an Umgebungen

    In "Lost Legacy" müssen Frazer und Ross mehrere Tempelanlagen "erobern", um an den finalen Schatz zu gelangen. Dabei lernen Nutzer nebenbei den Hinduismus kennen, etwa die Geschichte des elefantenköpfigen Ganesha. Das ist aber weniger "Gimmick", sondern tatsächlich in die persönliche Geschichte von Frazer eingewoben. Die Reihenfolge, in der die Tempel aufgesucht werden, kann frei entschieden werden.

    Eindrucksvolle Grafik

    Grafisch holt "Uncharted: Lost Legacy" alles aus der aktuellen Konsolen-Generation heraus. In dieser großartigen Spielwelt, wird gerutscht, gekämpft und geklettert – aber auch Rätsel lauern auf die Spieler. Wie schon bei "Uncharted 4" gelingt es den Entwicklern von Naughty Dog, die Aufgaben zwar durchaus knifflig, aber nicht verwirrend zu gestalten. Man weiß also öfters nicht sofort, wo man eine Kiste hinschieben muss; man muss aber auch keinen Walkthrough im Netz aufrufen, um weiterzukommen. Im Vergleich zum Quasi-Vorgänger wurden etwa Schleichoptionen leicht verbessert.

    Die Kämpfe sind hingegen immer noch eher monoton und bestehen eigentlich aus dem oftmaligen Drücken der "Zuschlagen"-Taste. Auch Schusswechsel fühlen sich noch immer wie ein notwendiges, aber nicht wirklich passendes Element an. Allerdings wechseln sich die einzelnen Spielelemente so gut ab, dass einem nicht fad wird. Vor allem wird nun wirklich ein stärkerer Fokus auf das Anschleichen gelegt. So sind manche Aufgaben nahezu unüberwindbar, wenn die Aufmerksamkeit aller Gegner auf sich gezogen wird.

    Fazit

    Nach nicht einmal zehn Stunden (für schnellere Spieler sogar nach acht Stunden) ist der (Singleplayer-)Spaß allerdings schon wieder vorbei. Das schlägt sich zwar auch im niedrigen Preis nieder – Sony verlangt rund 40 Euro), ist allerdings dennoch etwas enttäuschend. Dazu kommt, dass man in "Lost Legacy" nicht um die Welt reist, sondern fast die gesamte Spielzeit in einem riesigen einzelnen Level verbringt. Es ist aber definitiv klüger, ein kompaktes, dichtes Spielerlebnis mit kürzerer Verweilzeit zu produzieren als ein unnötig aufgeblasenes (man denke erneut an "Far Cry 4").

    Die Produktion eines Stand-Alones einer bekannten und populären Marke, mit kürzerer Spielzeit, aber intensivem Versinken in die Materie zeigt einmal mehr, wie sich die Spielebranche mittlerweile Hollywood annähert (und umgekehrt).Fraglich ist, wie Naughty Dog das nun toppen will. "Uncharted: Lost Legacy" ist toll, und "Uncharted"-Fans werden die acht Stunden Spielspaß mit Handkuss begrüßen (wer noch kein "Uncharted" gespielt hatte, sollte wohl mit "Uncharted 4" beginnen.

    Doch für "Uncharted 5" – und Sony wird viel daran setzen, dass eine Fortsetzung kommt – sind schon neue Ideen nötig. Vielleicht braucht es ja wirklich Virtual Reality, um dann für neue Spielerlebnisse zu sorgen – oder eine noch größere "Open World", auf die "Lost Legacy" mit dem bislang größten Level einen Vorgeschmack gibt. (Fabian Schmid, 20.8.2017)

    "Uncharted: The Lost Legacy" erscheint am 23. August ab 16 Jahren als eigenständiges Werk für PS4. Käufer erhalten zudem den Multiplayer-Modus von "Uncharted 4". UVP: 39,99 Euro.

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller bereitgestellt.

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