Auctionata-Insolvenzverfahren dauert an

    18. August 2017, 16:38
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    Software, Geschäftsinventar, Web- und Namensrechte bereits verkauft. Ein Teil der Eigenware wird von einem Wiener Unternehmen übernommen

    Mitte Jänner war der Überlebenskampf des von der deutschen Start-up-Szene einst gefeierten Onlineauktionshauses Auctionata mit der Anmeldung des Insolvenzverfahrens in die letzte Runde gegangen. Nach vier Finanzierungsrunden im Umfang von 118 Millionen Euro vermeldete Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff Ende Februar die Schließung des 2012 von Alexander Zacke gegründeten Unternehmens.

    Der Österreicher und seine Ehefrau waren mit Ende 2016 aus dem Unternehmen ausgeschieden, sollten jedoch Auctionata "in beratender Rolle verbunden" bleiben und "exklusiv bei der Akquise von Kunstobjekten unterstützen". Im November wurde die "Susanne Zacke Beratung und Handel GmbH" mit Sitz in Wien registriert. Geschäftsgegenstand: "der Handel und die Beratung insbesondere im Sekundärmarkt" sowie "die Beteiligung an anderen Unternehmen mit gleichem oder ähnlichem Betriebsgegenstand".

    In Berlin lief das Business indes weiter. Zum Leidwesen mancher Kunden, die nun Gläubiger sind. Denn die bis zu sechsstelligen Erlöse aus den Verkäufen vor dem Insolvenzantrag im Dezember wurden nicht ausbezahlt.

    Dabei fungierte Auctionata "nur" als Kommissionär, sollten folglich nur Provisionen einbehalten werden. Theoretisch, denn praktisch dürfte alles in die Insolvenzmasse geflossen sein. Warum? "Aus insolvenzrechtlichen Gründen", erklärt Ralf Beke-Bramkamp, Sprecher des Insolvenzverwalters, auf STANDARD-Anfrage. Detailfragen wollte man keine beantworten, auch weil das am 1. März eingeleitete Verfahren noch nicht abgeschlossen sei.

    Verkäufer als Gläubiger

    In einer aktuellen Aussendung informierte man über die bisherigen Schritte: Die Betriebs- und Geschäftsausstattung sei an ein polnisches Auktionshaus (Desa Unicum, Warschau) verkauft worden, die Software an die Firma German Startups Group Berlin. Die Web- und Namensrechte übernahm ein Berliner Auktionshaus, das unter der Dachmarke "Historia" mehrere kleine Firmen vereint. Der kolportierte Kaufpreis soll bei etwa 500.000 Euro gelegen sein. Dafür wurde man vom Insolvenzverwalter als Alternative zur Versteigerung der vorhandenen Kommissionsware empfohlen.

    Allerdings hatte "die Aquisetaktik" von Auctionata darin bestanden, "hohe Startpreise zu nennen, um potenzielle Einlieferer zu gewinnen", und mussten diese "Preise entsprechend korrigiert" werden, wie auf der Historia-Website nachzulesen ist. Die Ernüchterung dürfte zwischenzeitlich auch bei der Auctionata-Eigenware eingesetzt haben, die von den eigenen Experten viel zu hoch bewertet wurde. Einen solchen Restposten von etwa 1500 Objekten, deren Wert mit 2,5 Millionen beziffert wurde, übernahm jetzt die Amadeus-Auktionshaus GmbH mit Sitz in Wien.

    Das im Dezember 2014 von einer gewissen Catalina Pintea gegründete Unternehmen ist hierzulande weitgehend unbekannt und will sich auf die Vermittlung an etablierte Auktionshäuser wie Sotheby's oder Christie's spezialisieren. Bislang wenig erfolgreich, wie die letzte Bilanz mit Verbindlichkeiten von knapp 16.000 Euro (Stichtag 31. 3. 2016) zeigt. Laut Firmenbuch gehören zu den Gesellschaftern ein Felix Budin und seit Jänner 2016 Franziskus Kriegs-Au, ein ehemaliger Auctionata-Experte.

    Bei Budin handelt es sich um den in der Neonaziszene bekannten Küssel-Vertrauten, der 2013 im "Alpen-Donau"-Prozess nach dem NS-Verbotsgesetz zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, wie Kriegs-Au telefonisch bestätigt. Budin sei für Administratives zuständig gewesen, aber seit dieser Woche nicht mehr für die Firma tätig und wird auch seine Gesellschaftsanteile abgeben. (kron, Album, 18.8.2017)

    • Die im Dezember 2014 gegründete Amadeus-Auktionshaus GmbH übernahm jetzt einen Teil der "Auctionata"-Eigenware und wird sie demnächst "verwerten".
      foto: screenshot / der standard

      Die im Dezember 2014 gegründete Amadeus-Auktionshaus GmbH übernahm jetzt einen Teil der "Auctionata"-Eigenware und wird sie demnächst "verwerten".

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