Dritter Frequency-Tag: Sing mich in den Schlaf!

    18. August 2017, 11:15
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    Das Popfestival in St. Pölten endete am Donnerstag äußerst blutleer. Auch Wanda und US-Rap-Star Wiz Khalifa konnten an der allgemeinen Ermattung nichts ändern

    St. Pölten – "Sing me to sleep" heißt eines jener Elektro-Kinderlieder, mit denen Alan Walker seit zwei Jahren stark gemischte Euphoriecocktails für ungenierte Momente ausgibt. Dass der britische DJ bei seinem verhältnismäßig gut besuchten 15-Uhr-Start am Abschlusstag des Frequency-Festivals damit aber schon die Tageslosung vorausgeschickt hatte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen. "Schwach wie eine Flasche leer", hätte wohl Trainerlegende Giovanni Trapattoni über das Ende der dreitägigen Musik- und Kulinarikfestspiele befunden.

    Walker, der sich live darauf beschränken kann, mit den Armen zu rudern und seinen fraglos geilen Hit "Faded" als Draufgabe mit doppelter Geschwindigkeit abzuspielen, war sich an einer Stelle immerhin auch mit Rapper Yung Hurn einig: dass Gigi D'Agostinos Italo-Dance-Meisterwerk "L'amour toujours" unbedingt zum Weltkulturerbe ernannt und als Botschaft für Friede und Knicklichtpartys mit einer Raumsonde in entlegenste Winkel des Universums verschickt werden sollte.

    Michi Häupl auf der Brust

    Hurn für seinen Teil hatte am Vortag sicherlich für einen der erinnerungswürdigsten Auftritte gesorgt. Es bestehen auch intakte Chancen, dass der Bursche auf alle Ewigkeit der einzige Frequency-Gast bleiben wird, der neben der Postleitzahl 1220 auch die Namen Otto Wagner und Michi Häupl aufs Brüstl tätowiert hat. Alter Schwede! Weiter so!

    Zu wünschen wäre das auch der jungen österreichischen Rockband The Crispies, bei denen Soundanlage und Programmkonkurrenz nicht ganz mitgespielt haben. Zudem gab das Quartett live bekannt, dass sich Bassist Bruno Marcus ab sofort lieber der Laufbahn als Mediziner widmen will. Es wäre jammerschade, wenn der an selige Grungezeiten erinnernde Hit "Bad Blood" schon alles gewesen sein sollte.

    Ein wenig saft- und kraftlos

    Keinen so guten Abend erwischten auch Wanda. Dem gern bemühten Vergleich mit Bilderbuch, die sich am Mittwoch in glänzender Form präsentiert hatten, konnte man wahrlich nicht standhalten. Ein wenig saft- und kraftlos und wohl auch geschwächt durch die nicht näher erläuterte Absenz des Keyboarders Christian Hummer gab man zwar ein paar Einblicke in das kommende dritte Album "Niente", ließ dafür aber Klassenummern wie "Bleib wo du warst", "Mona Lisa der Lobau" und "Stehengelassene Weinflaschen" außen vor.

    Sänger Marco Wanda, der sich sein Bad in der Menge auch diesmal nicht nehmen ließ, skizzierte allerdings einen annehmbaren Fahrplan: "Nach amore kommt niente. Und dann kommt wieder amore, Baby."

    Wenig ambitionierte Pflichtübung

    Eher am Niente dran war sicherlich der erstmalig in Österreich aus dem Flieger gestolperte US-Rapper Wiz Khalifa. Der 29-jährige Marihuana-Prophet und Selbstvermarktungsexperte hat sich mit seinem lange allgegenwärtigen Schlager "Black and Yellow" weltweit auch fachfremdem Publikum unterschwellig angedient.

    Als Schlussmann am Frequency spulte er eine wenig ambitionierte Pflichtübung ab, von der einzig die gut abgehörte Hitliste wirklich ankam: Das Gospel-inspirierte "Young, Wild and Free", die Autotune-Gangsternummer "We Dem Boyz" und der Popsong "See You Again". Letzteres lässt sich sicher auch super auf Youtube erledigen. (Stefan Weiss, 18.8.2017)

    • Marco Wanda.
      foto: apa/herbert p. oczeret

      Marco Wanda.

    • Wiz Khalifa.
      foto: apa/herbert p. oczeret

      Wiz Khalifa.

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