Neos-Kandidatin gegen den Trojaner und das Bienensterben

24. August 2017, 08:00
145 Postings

Die 23-jährige Katharina Kainz hat sich nach einer Stippvisite bei der JVP für die Neos entschieden

Wien – Heuer hat Katharina Kainz achtzig Kilogramm Honig geerntet. Die Jungpolitikerin der Neos hat nebenbei einen Volkshochschulkurs belegt und ist nun schon das zweite Jahr Hobbyimkerin im Garten ihrer Eltern in Hietzing, im dreizehnten Wiener Gemeindebezirk. Wenn die 23-jährige nicht gerade ihre Bienen vor der Varroamilbe rettet oder an der Universität Wien Rechts- und Politikwissenschaft studiert, steht sie derzeit vor allem am Schwedenplatz oder vor Clubs und wirbt bei jungen Leuten dafür, am 15. Oktober die Neos zu wählen.

Der Trick dabei sei, die Passanten zum Nachdenken zu bringen, sagt Kainz. Ihre liebste Einstiegsfrage: "Was würdest du als Erstes verändern, wenn du heute Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler wärst?" So bringe man die Leute dazu, stehenzubleiben. "Sie haben mit der Frage nicht gerechnet – sie überlegen, was sie anders machen wollen."

Symbolische Kandidatur

Kainz tritt auf der Wiener Liste der Neos auf Platz 64 an. Ihre Kandidatur ist also nur symbolisch, ein Einzug in den Nationalrat unmöglich. Warum macht sie das trotzdem? "Mir geht es um die Sache, ich möchte mich aktiv am Wahlkampf beteiligen, und ich wollte das Vorwahlsystem der Neos von innen kennenlernen."

Wäre sie selbst Bundeskanzlerin, würde Kainz das Sicherheitspaket von Justizminister Wolfgang Brandstetter verhindern, sagt sie. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Computer und Handys gehackt werden dürfen, damit der Bundestrojaner – ein staatlicher Compuervirus – installiert werden kann, um etwa die Kommunikation via Whatsapp auszuspähen. Die Justiz erhofft sich vom Paket mehr Mittel für die Kriminalitätsbekämpfung.

Staat soll nicht mitlesen

Kainz will mehr statt weniger Datenschutz. "Es ist nicht vertretbar, dass der Staat überall mitlesen können soll. Und wenn solche starken Eingriffe ermöglicht werden, möchte ich Beweise dafür haben, dass mit der Überwachung die Sicherheit wächst." Diese sieht die Jungpolitikerin nicht gegeben.

Ihr Interesse für Politik hat Kainz schon in der Schule dank einer engagierten Lehrerin im Fach "Politik und Recht" entdeckt. "Sie hat uns Politik durchspielen lassen in Podiumsdiskussionen, wir sind in die Rolle der Politiker geschlüpft." Sei Politik bis dahin für sie sehr abstrakt gewesen, wurde sie dadurch greifbar.

Nicht nur Flyer verteilen

Auf der Suche nach der richtigen Partei für ihre neu entdeckte Leidenschaft besuchte Kainz als Schülerin Veranstaltungen der Jungen Volkspartei. "Ich habe recht schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist", sagt sie heute. "Als junger Mensch hat man es in einer so alten Partei doch recht schwer, das habe ich recht schnell gemerkt. Ich wollte ernst genommen werden und nicht nur ein weiteres Paar Hände zum Flyer-Verteilen sein."

Während ihres Studiums sei sie dann auf die Junos – die Jugendorganisation der Neos – aufmerksam geworden. Seit November 2016 ist sie Mitglied. Sie hat auf Listenplatz drei bei den ÖH-Wahlen kandidiert und sitzt jetzt in der Bundesvertretung des Studierendenparlaments. Noch vor ihrer Mitgliedschaft wurde sie von den Junos gebeten, die Studierendenfraktion an der Universität Wien aufzubauen.

Identifizieren kann sich Kainz vor allem mit der Transparenz- und Datenschutzpolitik der Neos, aber auch die Forderung der nachgelagerten Studiengebühren sagt ihr zu. Ihre Eltern hätten sich nie politisch engagiert, seien jetzt aber froh, dass sie ihre "innere Ruhe" gefunden habe. Sie habe früher oft davon gesprochen, dass sie etwas verändern wolle. "Ich will nicht passiv am Rand stehen und zuschauen, wie andere für mich Entscheidungen treffen."

Ein konkretes Ziel – etwa ein politisches Amt – hat die Jusstudentin nicht. "Ein Job in einer EU-Institution würde mich reizen", sagt sie. (Lisa Kogelnik, 24.8.2017)

  • Katharina Kainz kandidiert auf Listenplatz 64.
    foto: apa/punz

    Katharina Kainz kandidiert auf Listenplatz 64.

Share if you care.