Studie: Die häufigsten Verletzungen bei der Intimpflege

    18. August 2017, 14:00
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    Immer mehr Menschen entfernen ihre Schamhaare – in einer Studie wurde nun erstmals das Verletzungsrisiko ermittelt

    In den USA tun es einer Umfrage zufolge zwei Drittel der Männer und rund 85 Prozent der Frauen: Sie rasieren sich teilweise oder vollständig die Schamhaare. Eine Praxis, die nicht ganz ungefährlich ist, wie Forscher der University of California in San Francisco betonen. Die Wissenschafter verweisen dabei auf eine Untersuchung aus dem Jahr 2012, wonach in den USA zwischen 2002 und 2010 insgesamt 11.704 Verletzungen im Zusammenhang mit der Intimpflege registriert wurden. Eine Zeitreihenanalyse zeigte außerdem, dass die Zahl der jährlich dokumentierten Zwischenfälle um das Fünffache angestiegen ist.

    Für ihre aktuelle repräsentative Befragung werteten die kalifornischen Wissenschafter insgesamt die Daten von 7.456 Frauen und Männern im Alter zwischen 18 und 65 Jahren aus. In Summe gaben 76 Prozent der Studienteilnehmer an, dass sie ihre Schamhaare schneiden, trimmen, rasieren, lasern oder mit Wachs bearbeiten. Ein Viertel davon (25,6 Prozent) hat sich dabei schon mindestens einmal verletzt, die meisten davon mehrmals. Am häufigsten berichteten die Betroffenen von Schnittwunden (62 Prozent), Verbrennungen (23 Prozent) und Hautausschlägen (12 Prozent).

    Selbst Hand anlegen

    Männer verletzten sich am häufigsten, wenn sie ihren Hodensack mit Schneidewerkzeugen bearbeiteten (62 Prozent). Die größten weiblichen Risikozonen waren Schambeine (51 Prozent), Oberschenkel (45 Prozent) und Vagina (43 Prozent). In insgesamt 79 Fällen (1,4 Prozent) war eine medizinische Versorgung notwendig – etwa die Behandlung von Abszessen oder Wunden, die genäht werden mussten. Was wenig überraschte: Das Risiko für Verletzungen stieg signifikant an, je häufiger und großräumiger die Körperbehaarung entfernt wurde.

    Zwei Detailergebnisse: Der Weg zu einer glatten Intimzone sollte nicht auf dem Rücken liegend begonnen werden. Auch wer sich vom Partner oder von der Freundin enthaaren lässt, nimmt ein deutlich höheres Risiko für schwere Verletzungen auf sich. Zudem betonen die Studienautoren, dass die Entfernung aller Schamhaare mit einem erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Infektionen – etwa HPV und Herpes – korreliert.

    Kein medizinischer Nutzen

    Auch in der medizinischen Praxis ist die Rasur des Intimbereichs immer wieder ein Thema: So werden Schwangeren vor der Geburt manchmal die Schamhaare entfernt, um das Infektionsrisiko nach einem Dammriss oder -schnitt zu reduzieren. Der medizinische Nutzen ist allerdings fraglich. Das hat zumindest eine Analyse des unabhängigen Cochrane-Netzwerks ergeben. Das Fazit der Forscher: Es gibt keine Evidenz dafür, dass das Entfernen der Schamhaare zu weniger Infektionen führt. (red, 18.8.2017)

    • Der Trend zu einem glattrasierten Körper ist ungebrochen. Eines ist sicher: Die Gesundheit profitiert nicht davon.
      foto: getty images/istockphoto

      Der Trend zu einem glattrasierten Körper ist ungebrochen. Eines ist sicher: Die Gesundheit profitiert nicht davon.

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