Terror und Skandale könnten Wahl noch stark beeinflussen

16. August 2017, 06:00
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Die August-Umfrage des Market-Instituts hat gezeigt, dass bei der Wahlentscheidung noch vieles in der Schwebe ist

Linz – 54 Prozent der österreichischen Wahlberechtigten nehmen an, dass Sebastian Kurz die Wahl am 15. Oktober gewinnen wird – das hat der STANDARD zu Monatsbeginn berichtet. In derselben Umfrage des Linzer Market-Instituts wurde aber auch erhoben: "Welche Ereignisse können Ihrer Meinung nach noch einen großen Einfluss darauf haben, wie sich die Österreicherinnen und Österreicher am 15. Oktober entscheiden, welche weniger?"

  • An die erste Stelle reihten die Befragten einen möglichen Terroranschlag in Österreich. 77 Prozent meinen, dass ein solches Ereignis den Wahlausgang stark beeinflussen würde – Befragte mit hoher Bildung erwarten dies in besonders hohem Maße.
  • Auf dem zweiten Platz mit jeweils 69 Prozent landen die Zahl der Migranten auf der Mittelmeerroute und die Entwicklung im Fall, dass noch ein Skandal aufgedeckt wird. Der Migrationsaspekt bewegt erwartungsgemäß besonders die Anhänger der FPÖ und der ÖVP – die Erwartung, dass Skandale etwas bewegen, wird vor allem von Grün- und ÖVP-Wählern geteilt – und von Befragten, die sich selber auf dem Links-rechts-Schema eher einem der Pole als der Mitte zugehörig fühlen. Dazu weiter unten.
  • Weit oben rangiert mit 63 Prozent eine Debatte über die Zukunft des Pensionssystems. Anhänger der SPÖ (die die Debatte bereits begonnen hat) und der ÖVP bewegt das Thema überdurchschnittlich stark, Frauen deutlich mehr als Männer – und bei den Befragten über 50 läuten da ebenfalls die Alarmglocken: Drei von vier älteren Befragten erwarten einen Einfluss auf die Wahl.
  • Klassische Wahlkampfarbeit nimmt die weiteren Plätze ein: Die Berichterstattung über die Parteien und Personen in den Medien (62 Prozent), das Aufzeigen neuer Lösungen für die Zukunft Österreichs (59 Prozent) und die Fernsehdiskussionen mit den Spitzenkandidaten (56 Prozent) liegen vor den Mitteilungen und Nachrichten von den und über die Politiker in den sozialen Medien (50 Prozent).
  • Wirtschaftlichen Fragen wird weniger Einfluss auf das Wahlergebnis zugetraut: 40 Prozent meinen, dass die Arbeitsmarktdaten noch etwas bewirken könnten, 34 Prozent glauben das von den Wirtschaftsprognosen (beide Themen bewegen SPÖ-Wähler überdurchschnittlich), und gar nur acht Prozent glauben, dass die Entwicklung der Börsen auf die Nationalratswahl abfärben kann.
  • Da wird Prominenten, die die Parteien unterstützen (21 Prozent), und der deutschen Bundestagswahl (zehn Prozent) noch mehr Gewicht zugemessen.
  • An einen Einfluss des Wetters glauben auch nur acht Prozent, obwohl das Wetter oft Einfluss auf die Wahlbeteiligung hat.

Wer ist links, wer ist rechts? Und in wessen Urteil?

Market-Institutsleiter David Pfarrhofer betont, dass die politische Selbstpositionierung der Österreicher deren Blick auf die Probleme und auf die Parteien beeinflusst.

Dazu wurden die telefonisch Interviewten gebeten, eine Zahl zwischen null (für ganz links) und 100 (für ganz rechts) zu nennen – die Online-Befragung ermöglichte, mit einem Schuber die Positionierung (links oder rechts der Mitte, also 50) zu definieren. Sodann wurden sie aufgefordert, für die Parlamentsparteien eine Einschätzung abzugeben, wo diese im politischen Spektrum verortet würden.

Wenig überraschend sehen sich die Befragten im Schnitt in der Mitte (Männer mit 52,6 leicht rechts davon, Frauen mit 46,6 leicht links).

FPÖ-Wähler sehen sich eher rechts ihrer Partei

Die Grafik zeigt aber beispielsweise, dass erklärte Wähler der FPÖ sich mit einem Wert von 68,4 leicht weiter rechts einstufen als die Partei, die sie zu wählen beabsichtigen. Die Wähler anderer Parteien – und damit der Durchschnitt der Bevölkerung – sehen die FPÖ aber noch viel weiter rechts. Umgekehrt werden die Grünen etwa von SPÖ-Wählern als weniger links gesehen als von den Wählern aller anderen Gruppierungen. (Conrad Seidl, 16.8.2017)

  • Im Schnitt sehen sich die Wahlberechtigten in der Mitte des politischen Spektrums, also bei 50 Prozent. Lesebeispiel: Grünen-Wähler sehen sich bei 31,07 Prozent im linken Lager, "ihre" Partei verorten sie selbst (und auch der Durchschnitt der Wähler = 26,28) deutlich weiter links.

    Im Schnitt sehen sich die Wahlberechtigten in der Mitte des politischen Spektrums, also bei 50 Prozent.
    Lesebeispiel: Grünen-Wähler sehen sich bei 31,07 Prozent im linken Lager, "ihre" Partei verorten sie selbst (und auch der Durchschnitt der Wähler = 26,28) deutlich weiter links.

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