Kein Geld für den Erhalt: Athens Baujuwele verfallen

Ansichtssache24. August 2017, 12:17
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In der Krise fehlt das Geld für die Instandhaltung neoklassizistischer Bauten

Ein Gesetz aus dem Jahr 1983 verpflichtet Eigentümer neoklassizistischer Gebäude in Griechenland eigentlich zur Instandhaltung, doch in der aktuellen Wirtschaftskrise ist das schwierig

foto: apa/afp/gouliamaki

Neben den weltberühmten Bauwerken der Antike wie der Akropolis oder dem Tempel des Zeus gibt es in Athen auch eine Reihe von Architekturjuwelen aus der Zeit nach der Gründung des Königreichs Griechenland im Jahr 1830. Bis zu diesem Zeitpunkt war Athen im Osmanischen Reich zu einer unbedeutenden Provinzstadt mit kaum mehr als ein paar tausend Einwohnern geschrumpft. Unter dem ersten König von Griechenland, dem bayerischen Prinzen Otto I., ging es aber dann schnell mit dem Wachstum. 1834 wurde Athen die Hauptstadt des Königreichs, und der Bayern-Prinz brachte einige deutsche Architekten mit.

Bild: Ein verfallendes Haus auf dem Gelände der Hochschule der bildenden Künste.

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Otto I. ließ vom Architektenduo Stamatios Kleanthis und Eduard Schaubert, die beide beim preußischen Architekten und Stadtplaner Karl Friedrich Schinkel studiert hatten, einen Masterplan ausarbeiten. Auf dessen Grundlage entstanden in der Folge zahlreiche neoklassizistische Gebäude, die man heute nicht nur seitens der griechischen Organisation Monumenta zum architektonischen Erbe der Stadt zählt.

Bild: Ein früheres Waisenhaus im Zentrum Athens.

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Die Organisation hat im Rahmen einer Erhebung rund 10.600 Gebäude aus dieser ersten griechischen "Gründerzeit" erfasst, berichtete Irini Gratsia, Archäologin und Mitgründerin von Monumenta, kürzlich der französischen Nachrichtenagentur AFP. "Die meisten sind aber verfallen oder zerstört."

Bild: Ein zerstörtes neoklassizistisches Haus aus dem Jahr 1875.

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Seit 1983 gibt es zwar ein Gesetz, das die Eigentümer neoklassizistischer Gebäude zum Erhalt der Bausubstanz verpflichtet. "Wegen der Krise ist es aber schwierig und sehr teuer, diese Gebäude instandzuhalten. Es gibt keine finanzielle Hilfe vom griechischen Staat", klagte die Architektin Maria Daniil, eine Spezialistin für Gebäude der Jahrhundertwende. "Die Leute lassen sie deshalb verfallen oder reißen sie ab."

Bild: Verfallendes Haus im Stadtteil Monastiraki, das zum Verkauf steht.

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Viele davon wurden freilich auch schon in den 1960er- und 1970er-Jahren, als Athen eine Phase ungezügelten Wachstums erlebte, abgerissen und durch Wohnblöcke ersetzt.

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Auch der Bauhaus-Stil war eine Zeitlang in Athen populär; die Botschaft der USA, geplant von Walter Gropius und 1961 fertiggestellt, gilt als herausragendes Beispiel dieser Ära. Auch zahlreiche Wohnhäuser wurden in diesem Stil errichtet. Mieter beklagen sich heutzutage aber über die hohen Erhaltungskosten.

Bild: Ein erhaltenes Gebäude im Bauhaus-Stil im Stadtteil Patisia.

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Das Gesetz von 1983 verlangsamte den Abriss zwar spürbar. Doch seit der aktuellen Wirtschaftskrise ab 2010 haben viele Eigentümer einfach kein Geld mehr, um anstehende Investitionen anzugehen.

Bild: Ein früheres Hotel am zentralen Omonia-Platz in Athen.

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Kurzzeitvermietungen über Airbnb & Co boomen zwar nun auch in Athen und haben dafür gesorgt, dass manche Häuser attraktiv für Investoren wurden. "Es braucht aber eine langfristige Lösung", sagt Daniil. (red, 24.8.2017)

Bild: Ein neoklassizistisches Gebäude im Stadtteil Monastiraki.

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