Wir haben "Game of Thrones" gesehen: S07 E05 "Eastwatch"

    14. August 2017, 12:28
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    Occupy Westeros, alte Bekannte, neue Allianzen und vielleicht große Neuigkeiten – und was sonst noch alles in der fünften Folge der siebenten Staffel von "Game of Thrones" passiert ist

    Es geht hier um alle Inhalte von "Game of Thrones" Staffel 7, das heißt ganz selbstverständlich: Wir spoilern, was das Zeug hält. Damit es also ganz klar ist: SPOILERWARNUNG!

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    Daenerys blickt in eine ungewisse Zukunft.

    Nach dem Drama und der Action der vierten Folge wäre eigentlich eine Verschnaufpause drangewesen. Stattdessen erhalten wir mit "Eastwatch" eine vollgepackte Episode, deren Inhalt locker auch für vier Folgen ausgereicht hätten. Aber wir wollen nicht jammern, weil schließlich nimmt so die Geschichte rasant an Fahrt auf und schlägt einige neue Wege ein.

    Der Cliffhanger aus Folge vier bekommt gleich zu Beginn seine Auflösung: Und selbst wenn es etwas unglaubwürdig ist, dass Jaime Lannister seinen schwachsinnigen und unbedachten Angriff auf Daenerys samt Drachen überlebt, Bronn hat es geschafft: Die beiden retten sich schnaufend ans Ufer, während im Hintergrund das Schlachtfeld raucht und dampft. In der echten Welt hört beim Geld die Freundschaft auf. Bronns Westerosi Version davon ist, dass für ihn "bei Drachen die Freundschaft aufhört". Wie wir schon wissen, hat das aber auch mit Geld zu tun, weil für Gratis kämpft Bronn nicht.

    Verteilungsgerechtigkeit alla Khaleesi

    Daenerys macht unterdessen auf "Occupy Westeros", sowohl in dem Sinne, dass sie die Königslande schließlich übernehmen will, als auch darin, dass sie ihr Verständnis für Ungleichheit und Ungerechtigkeit zeigt. Weil auch in Westeros gilt: Die 1 Prozent kriegen alles, und die 99 Prozent nichts. Kurz zusammengefasst: "Beugt das Knie oder sterbt." Denn: Eine Khaleesi macht keine Gefangenen, will aber auch nicht morden, solange die Überlebenden sich ihr verpflichten.

    Doch Randyll Tarly und sein Sohn Dickon weigern sich, das Knie zu beugen, woraufhin das Todesurteil mittels Drachen Drogon sofort vollstreckt wird. Zur Erinnerung: Randyll ist der Vater von Jon Snows bestem Freund Sam, der gerade in Oldtown bei den Maestern lernt, Dickon sein jüngerer Bruder. Insofern stimmt es nicht ganz, wenn Tyrion Daenerys darauf aufmerksam macht, dass die letzten Tarlys hiermit sterben würden. Aber heißt das jetzt, dass Sam der neue Herr Tarly ist? Wir werden es wohl erst in den nächsten Folgen erfahren. Jedenfalls hat der Tod der zwei Tarlys durch das Drachenfeuer den Effekt, dass auch die übriggebliebenen Kriegsgefangenen ihr Knie beugen und sich unter die Obhut ihrer neuen Königin stellen.

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    Bruderzwist im Hause Lannister: Tyrion macht einen Schritt auf Jaime zu.

    Als Daenerys auf ihrem Drachen zurückkehrt, trifft sie auf Jon Snow, der immer noch in Dragonstone darauf wartet, dass was weiter geht. Auge in Auge mit dem Drachen, streichelt Jon das "wunderschöne Ungeheuer". Eine Szene, die einmal mehr auf die Targaryen-Abstammung Jons hindeuten könnte. Doch dazu später noch mehr. Denn nicht nur Daenerys ist heimgekehrt, nein, auch Ser Friendshipzone, Jorah Mormont, kam geheilt nach Hause zu seiner Khaleesi.

    Jon Snow weiß dank einer Rabennachricht, dass Arya und Bran zuhause in Winterfell sind. Und auch, dass Bran in einer seiner Visionen den Night King Richtung Eastwatch hat ziehen sehen. Auch die Maester in Oldtown erhalten eine Nachricht darüber aus dem Norden, bleiben aber bei ihrer Ansicht, die Armee der Untoten sei ein Hirngespinst. Eine Tatsache, über die sich Sam Tarly auch schon seit einigen Folgen ärgert. Und das so sehr, dass eine wichtige Information über Jon Snow und seine Herkunft halb gut versteckt in Sams Angefressenheit auftaucht.

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    Sam! Unterbrich deine Frau nicht, wenn sie etwas Wichtiges zu sagen hat.

    Seine Gefährtin Gilly lernt lesen, und liest dem sichtlich angezipften Sam aus einer Art Tagebuch eines Maesters vor. Was denn eine Annullierung sei, will sie wissen. Aufhebung einer Ehe, kriegt sie knapp zur Antwort und liest weiter. Es gehe um einen Prinz Raggar oder so, dessen Ehe annuliert worden sei, damit der genannte Maester eine geheime Trauung in Dorne vollziehen konnte. Nun wird spekuliert, dies könnte heißen, dass die Ehe zwischen Rhaegar Targaryen, Bruder von Daenerys, und der dornischen Elia Martell aufgelöst wurde, damit er Lyanna Stark, Ned Starks Schwester, heiraten kann. Was wiederum bedeuten könnte, dass Jon Snow nicht nur ein Targaryen ist, sondern auch ein rechtmäßiger Thronfolger. Es ist alles sehr kompliziert in Westeros, und ob das alles stimmt, werden wir erst irgendwann erfahren. Aber die Spur scheint durchauchs plausibel zu sein.

    Komplizierte Verwandtschaftsverhältnisse gibt es ohnehin sehr viele. So verläuft das Wiedersehen des Geschwisterliebespaars Cersei und Jaime erwartbar etwas kühl. Vor allem, nachdem der Bruder-Lover Cersei erzählt, dass Olenna Tyrell für den Tod Joffreys zuständig ist. "Ich hätte niemals auf dich hören sollen", sagt Cersei, und bereut es, dass die Jaime gewähren ließ, als dieser die Dornenkönigin mit Gnade umbringen wollte. Irgendwie scheint es, die Beziehung zwischen Cersei und Jaime bekommt immer mehr kleine Risse. Das wird vor allem dann nicht besser, als sich Jaime heimlich mit seinem Bruder Tyrion trifft, wenn auch nicht ganz freiwillig.

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    Die Königin der Herzen wird Cersei wohl auch nicht mehr werden.

    Bronn fädelt das Treffen zwischen den Brüdern ein, nachdem Tyrion und Ser Davos nach Kingslanding kamen, um Cersei einen Waffenstillstand anzubieten und einen Zombie-Untoten aus der Armee des Night Kings vorbeizubringen. Als Beweis für dessen Existenz. Wenig erstaunlich ist Cersei nicht sehr begeistert, sinniert lieber über eine Bestrafung für Bronns Verrat und eine List, die sie gegen Daenerys einsetzen will. Achja, und schwanger ist Cersei übrigens auch. Von Jaime, eh klar.

    Ser Davos hatte noch etwas zu erledigen, bei seinem Landgang in Kingslanding: Gendry, der uneheliche Sohn von Robert Baratheon, arbeitet als Schmied und Davos holt ihn nun ab, um ihn nach Dragonstone mitzunehmen. Mit einem "ich dachte, du ruderst vielleicht immer noch" bieten die Serienmacher auch eine nette kleine Referenz an die Zuseher. Weil Gendry sah man über lange Zeit nur rudern, nachdem er erfolgreich – und mit Hilfe von Ser Davos – seinen Mördern entfliehen konnte.

    Sorgen mit der lieben Verwandschaft gibt es auch in Winterfell. Das herzliche Wiedersehen der Schwestern Arya und Sansa ist in der fünften Folge wieder alten Mustern gewichen. Die Nordmänner proben ein bisschen den Aufstand gegen Jon Snow und seinen Ausflug zur Drachenkönigin, und fragen sich, ob sie nicht doch Sansa zur Königin des Nordens hätten wählen sollen. Für Arya ein klarer Fall für Köpferollen, doch Sansa, die Strategin, sieht das anders. Da kann ein kleines Sticheln der kleinen Schwester nicht schaden: "Du mochtest die schönen Dinge immer schon gerne." Wir erinnern uns da an die ersten paar Folgen: Sansa, die mit den schönen Kleidern und Glitzi, Arya, die burschikose, die lieber Schwertkampf lernt als Sticken. Manche Dinge ändern sich wohl nie. Offen bleibt die Frage, ob Littlefinger Arya beobachtet oder sie ihn. Jedenfalls schafft er es ihr eine Falle zu stellen und sie eine Nachricht Sansas lesen zu lassen, die sie sichtlich aufregt.

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    Was führt er im Schilde? Und ist er am Schluss vielleicht doch nicht so schlau, wie er glaubt?

    Nicht ganz ohne Komplikationen schafften es Davos, Tyrion und Gendry nach Dragonstone. Da haben sich schon Jon und Jorah bereit gemacht, um den besagten Untoten von jenseits der Mauer zu holen, den sie Cersei zeigen wollen. Das Treffen zwischen dem (noch) Stark-Bastard Jon und dem Baratheon-Bastard Gendry erfolgt zwar etwas anders als es der sensible Davos vorbereitet hat, sorgt aber für einen Lacher: "Ihr seid viel schlanker." "Und ihr viel kleiner." Gut, hätten wir geklärt, dass die zwei Jungs nicht viel mit ihren Vätern gemein haben. Zumindest optisch.

    Eine lustige Reisegemeinschaft

    Weil die Serienmacher nicht an Stoff gespart haben, ist es immer noch nicht vorbei. Jon, Jorah, Gendry und Davos treffen sich nämlich erst einmal mit den Wildlings, weil sie für ihren Zombie-Kidnapping-Trip hinter die Mauer noch ein paar Leute brauchen. Tormund fragt natürlich zuerst nach der "großen Frau" Brienne und ob sie mitkommt. Tut sie nicht, dafür aber die Kollegen von der Brotherhood without Banners inklusive Hound, weil die sitzen bei den Wildlings in Gefangenschaft und wollten ohnehin hinter die Mauer.

    Da haben wir also eine äußerst seltsame Mischung an Leuten, die sich gegenseitig nicht besonders gut gesonnen sind. Tormund ist kein Fan von Mormonts, weil Jorahs Vater die Wildlings gejagt hat. Die Brotherhood hat Gendry an Stannis Baratheon verraten, weil die Zaubererin Melisandre ihn als Blutopfer vorgesehen hatte. The Hound ist The Hound. Doch Jon Snow, der große Diplomat, weiß, wie er sie alle dazu bringt, sich warm anzuziehen und in den großen Schnee zu ziehen: "Wir stehen alle auf der selben Seite. Wir atmen."

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    So geht es weiter nächste Woche.

    (Daniela Rom, 14.8.2017)

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