Toter Rekrut: Laut Heer "keine Symptome" einer Erkrankung festgestellt

14. August 2017, 06:43
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Endbericht der Untersuchungskommission des Militärs soll noch im August vorliegen – Soldatenvertreter bemängelt grüne Kritik an Heer

Wien – Nach dem Tod eines Rekruten im niederösterreichischen Horn kritisiert Brigadier Erich Cibulka, Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft, dass "bekennende Bundesheer-Gegner aus dem Tod eines Menschen politisches Kapital schlagen wollen", schrieb Cibulka am Sonntag in einer Aussendung. "Wenn jetzt einzelne Politiker im Wahlkampfmodus noch vor Vorliegen von Untersuchungsergebnissen den Grundwehrdienst und die Ausbildungsmethodik pauschal infrage stellen und von systematischen Menschenrechtsverletzungen sprechen, dann ist das verantwortungslos." Auf STANDARD-Nachfrage konkretisierte Cibulka, dass er damit vor allem die Grünen-Politiker Julian Schmid und Gabriela Moser gemeint habe.

"Zweifelhafte Rolle der Medien"

Cibulka monierte auch die "zweifelhafte Rolle" der Medien. "Eine ordentliche Recherche hätte die nun vorliegenden Ergebnisse der medizinischen Untersuchungen, die eine bakterielle Infektion ergeben haben, abgewartet." Vorwürfe, dass der Marsch bei großer Hitze um 35 Grad Celsius nicht hätte stattfinden sollen, ließ Cibulka nicht gelten. "Dann hätte man auch die Beachvolleyball-WM auf der Donauinsel absagen müssen." Jeder Soldat, der nicht gesund sei, könne sich nach einer Untersuchung auch vom Marsch befreien lassen.

Große Belastung für den Körper

Im Blut des verstorbenen Rekruten wurden die Keime Haemophilus influenzae und Streptococcus pneumoniae festgestellt. Mehrere Ärzte, die anonym bleiben wollen, sagten dem STANDARD, dass der Rekrut den Marsch eher nicht topfit in Angriff genommen habe. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sich im Vorfeld keine wahrnehmbaren Symptome gezeigt haben. Die Keime seien – auch ohne Kenntnis der genauen Datenlage – eine Belastung für den Körper gewesen.

"Keinerlei Symptome" einer Krankheit im Vorfeld

Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, warnte vor Ferndiagnosen. Das Ergebnis der Untersuchungskommission des Bundesheeres soll noch im August vorliegen. Laut einem Erstbericht, der in den ersten 24 Stunden nach dem Todesfall erstellt wurde, hätten sich bei dem Rekruten im Vorfeld des Marsches "keinerlei Symptome" einer Krankheit gezeigt, sagte Bauer dem STANDARD. Der Rekrut habe auch nicht geklagt, dass er sich krank fühle.

Grüne gegen Wehrpflicht und Berufsheer

Grünen-Bundessprecherin Ingrid Felipe sprach sich laut der Zeitung "Österreich" gegen die Wehrpflicht und ein Berufsheer aus. "Das Bundesheer soll sich mit Profis auf den Katastrophenschutz konzentrieren, nach dem Vorbild des technischen Hilfswerks in Deutschland", sagte Felipe. (David Krutzler, 13.8.2017)

  • Die Radetzkykaserne in Horn. In dieser Kaserne absolvierte der verstorbene Rekrut der Garde seine Grundausbildung.
    foto: apa / herbert pfarrhofer

    Die Radetzkykaserne in Horn. In dieser Kaserne absolvierte der verstorbene Rekrut der Garde seine Grundausbildung.

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